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Die Grünen Robert Habeck – vom Philosophen zum Grünen-Chef

Robert Habeck wird als erster grüner Bundeskanzler gehandelt. Wer ist der Mann, der als Schriftsteller startete und bei Rechten als „Volksverräter“ verhasst ist?
  • Wiebke Kade
19.06.2019 - 12:01 Uhr Kommentieren
Die Grünen: Robert Habeck Quelle: dpa
Grünen-Chef Habeck

Er könnte der erste Kanzler der Grünen werden.

(Foto: dpa)

Dieser Artikel ist am 19. Juni 2019 bei Orange - dem jungen Portal des Handelsblatts - erschienen.

Robert Habeck in kurzer Hose im Grünen, den Blick in die Ferne gerichtet und in der rechten Hand eine Flasche Bier. Feierabendstimmung – stünde da nicht folgender Satz in dem Bild auf seiner Homepage: „Über mich. Wir können nicht nicht politisch sein.“ Der 49-Jährige wandelt hier ein berühmtes Zitat des Sprachwissenschaftlers Paul Watzlawick ab, der die Theorie aufstellte, man könne nicht nicht kommunizieren.

Frei nach Habeck also: Egal, ob ich was mache oder nicht, es ist so oder so politisch und hat Bedeutung. Das hört sich so gar nicht Feierabend an, sondern eher nach Verantwortung.

Robert Habeck: Der Lebenslauf des Grünen-Chefs

Verantwortung nicht nur für seine Partei, die er gemeinsam mit Annalena Baerbock führt, sondern auch für Deutschland? Zumindest das deutsche Volk scheint ihm den Job zuzutrauen, wenn man dem Ergebnis der „Kanzlerfrage“ der Bild am Sonntag traut. Mehr als die Hälfte der befragten Bürgerinnen und Bürger bevorzugen den Grünen-Chef gegenüber der CDU-Vorsitzenden Annegret Kramp-Karrenbauer.

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    Geplant war das alles übrigens nicht: 2008 lehnte Habeck den Vorsitz seiner Partei ab, weil er sich um seine vier Söhne kümmern wollte. Jetzt sind die älter geworden, der Vater reif – und damit die politische Karriere kein (familiäres) Problem mehr. Aber beginnen wir von vorn.

    Robert Habeck wird 1969 in Lübeck geboren und wächst in Heikendorf in Schleswig-Holstein auf. Seine Eltern führen dort eine Apotheke. Der junge Robert spielt im Gymnasium Schultheater, engagiert sich in der Schülervertretung und wird Mitherausgeber der Schülerzeitung. Nach dem Abi 1989 leistete er seinen Zivildienst beim Hamburger Spastikerverein und betreut Schwerstbehinderte.

    Robert Habecks Studium: Doktor der Philosophie

    Danach geht’s in den Süden, zum Magister-Studium der Fächer Germanistik, Philosophie und Philologie an der Uni Freiburg. Als 31-Jähriger verteidigt er an der Universität Hamburg seine Doktorarbeit mit dem Titel „Die Natur der Literatur: Zur gattungstheoretischen Begründung literarischer Ästhetizität“.

    Während andere Studenten das Nachtleben erkunden, vergräbt sich der Student Habeck zeitweise komplett in der Bibliothek und widmet sich der Philosophie. Doch dieses Leben als „radikaler Philosoph“ tut seinem Sozialleben nicht gut, ein Umbruch muss her. „Ich floh mit einem Erasmus-Stipendium von Freiburg nach Dänemark“, verrät Habeck in einem Interview mit der Zeit. Da habe er sein Leben wieder auf die Spur gebracht. „Ich kann ihn genau datieren, diesen Moment: 2. September 1991, 18.30 Uhr.“ Das Leben in Dänemark habe ihm gezeigt, dass man alles auch anders sehen kann und dass man nicht glücklich werde, wenn man andere Sichtweise ignoriere.

    Diese Erfahrungen machen aus dem Schöngeist den Schriftsteller. Gemeinsam mit seiner Ehefrau Andrea Paluch, die er während des Studiums kennenlernt, entwirft er erste Erzählungen, später auch Romane und Jugendbücher und teilte sich mit ihr Beruf und Windelnwechseln.

    Ohne die Politik wäre es bequemer gewesen, schreibt Habeck über sich selbst. Doch 2002 wird er Mitglied der Grünen, weil er, wie er selbst sagt, begann „auf die blöden Politiker zu schimpfen“. Als er 2002 eine Kreismitgliederversammlung der Grünen Schleswig-Flensburg besucht, kommt er als Kreisvorsstandssprecher nach Hause – die erste Stufe der politischen Karriereleiter ist erklommen.

    Robert Habecks Politik-Karriere: aus Schleswig-Holstein zum Grünen-Vorsitzenden

    2004 folgt der Landesvorsitz in Schleswig-Holstein und ein Jahr später führt Habeck die Grünen in den Landtagswahlkampf 2005. 2012 wird er dann „Draußenminister“ und stellvertretender Ministerpräsident für Schleswig-Holstein. Seine Ehefrau Andrea Paluch beschreibt ihn als jemand, der lösungsorientiert sein könne, aber trotzdem in der Lage, Mehrheiten herzustellen.

    Alles Eigenschaften, die ihm schon auf Landesebene helfen, tiefgreifende Konflikte zu lösen, wie etwa zwischen Naturschützern und Muschelfischern. Anderthalb Jahre verhandelt Habeck zwischen beiden Gruppen, um gemeinsam einen Kompromiss für die Nutzung von Miesmuscheln zu finden. Damit verhindert Habeck weitere Gerichtsverfahren und geht als derjenige in die schleswig-holsteinische Geschichte ein, der den Muschelfrieden schloss.

    Seit 2018 ist Robert Habeck nun Bundesvorsitzender der Grünen. Wird er auf die Kanzlerfrage angesprochen, spricht er von „Kanzlerquatsch“, denn seine Partei habe einen inhaltlichen Auftrag – und ohne anstehende Bundestagswahl sei solche eine Frage überflüssig. Doch die Mischung aus Turnschuhen und Pulli statt Budapester und Krawatte und einem eher nachdenklichen Tonfall anstelle von Allwissenheit scheinen vielen Deutschen zu gefallen. Es wirkt glaubwürdig, wenn er sagt: „Niemand weiß doch, wie das Leben so richtig geht, nur die Politiker, die wissen immer alles. Das ist weder sympathisch, noch kann es wirklich so sein.“

    Gleichzeitig scheut sich Habeck nicht davor, im Fernsehen Faxen zu machen. Bereits dreimal war er Gast der heute-show, lacht dort auch gerne über Grünen-Witze und bastelt mit der jungen Komikerin Hazel Brugger einen Tischkicker. Man stelle sich Angela Merkel mit Wäscheklammern an den Augenbrauen vor, die sie als Strafe für Gegentore kassiert – eher unrealistisch. Habeck dagegen hat Bock.

    Robert Habecks Zitate über Vaterlandsliebe sorgen für Kritik

    Doch nicht überall stößt der Politiker auf Gegenliebe. Extreme Anfeindungen bekommt er nach einem Interview mit dem Debatten-Kanal Informr zu spüren, weil er den Begriff Volksverräter wie folgt kommentiert: „Ist ein Nazibegriff. Es gibt kein Volk, und es gibt deswegen auch keinen Verrat am Volk. Sondern das ist ein böser Satz, um Menschen auszugrenzen und zu stigmatisieren.“

    Frank Pasemann, Bundestagsabgeordneter der AfD, bezeichnet Habeck daraufhin als „Bundesvorsitzenden der Deutschlandhasser“. Habeck selbst kommentiert seine Aussage im Nachhinein gegenüber der Nachrichtenagentur dpa so: Er habe nicht den völkerrechtlichen Begriff gemeint, sondern ein „ethnisches, ausschließendes“ Verständnis.

    Nichtsdestotrotz bleibt Habeck ein Feindbild der Rechten. Wer bei Youtube nach dem Grünen-Chef sucht, findet unter den meistgeklickten Videos den Kanal des ehemaligen Polizeikommissars Tim Kellner. Er greift das Interview in einem Youtube-Video auf und „zerlegt“ nach eigener Ansicht Habeck. Mit Deutschlandflagge und „Je suis Deutschland“-Poster im Hintergrund beschreibt Kellner den Politiker als Abziehbild, als unwissend, lächerlich und peinlich.

    Ähnliche Kritik hagelt es auch nach einem (nicht von Habeck selbst) geposteten Zitat bei Facebook: „Vaterlandsliebe fand ich stets zum Kotzen. Ich wusste mit Deutschland noch nie etwas anzufangen und weiß es bis heute nicht.“ 900 Mal wurde der Beitrag geteilt. Bei dem Zitat handelt es sich um einen Auszug aus Habecks Buch Patriotismus – Ein linkes Plädoyer.

    Annalena Baerbock und Robert Habeck Quelle: dpa
    Parteiführung

    Annalena Baerbock und Robert Habeck 2018: Er feiert ihre „grandiose Furchtlosigkeit“.

    (Foto: dpa)

    Bislang hat diese Kritik jedoch nicht dazu geführt, dass sein Beliebtheitswert und seine Position als Bundesvorsitzender ernsthaft in Gefahr gebracht worden wäre. Ob seine Beliebtheit anhält, wird jedoch stark von der Debatte um die Kanzlerfrage abhängen. Denn damit ist auch die Frage nach der grünen – und bislang sehr harmonischen – Doppelspitze verbunden, sprich: Annalena Baerbock.

    Ein Tandem im Kanzleramt lässt das Grundgesetz nicht zu, es müsste sich also entschieden werden. Und dann wäre da noch die Herausforderung der Regierungsverantwortung, sollte der grüne Höhenflug weiterhin anhalten. Denn dann wären die Grünen und damit auch Robert Habeck die jahrzehntelange Oppositionsrolle los und müssten ihre Ziele, für die die Wähler ihnen ihre Stimme gaben, an der Wirklichkeit messen.

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