Die Reaktion Merkel lässt Anwürfe des Altkanzlers abtropfen

Die Bundesrepublik ist kein verlässlicher Partner mehr, die deutsche Außenpolitik habe keinen Kompass, giftete der Altkanzler in Richtung Kanzlerin. Nun schlägt Angela Merkel zurück - mit ebenso subtilen Äußerungen.
Update: 25.08.2011 - 13:43 Uhr 32 Kommentare
Angela Merkel und Altkanzler Helmut Kohl. Quelle: dapd

Angela Merkel und Altkanzler Helmut Kohl.

(Foto: dapd)

BerlinKanzlerin Angela Merkel (CDU) hat die scharfe Kritik von Altkanzler und Parteifreund Helmut Kohl an einem fehlenden Kompass in der Außenpolitik zurückhaltend, aber inhaltlich klar zurückgewiesen. „Die Verdienste Helmut Kohls als Kanzler der deutschen Einheit und der europäischen Einigung sind nicht hoch genug einzuschätzen“, sagte sie der „Süddeutschen Zeitung“. Die CDU-Vorsitzende fügte aber hinzu: „Jede Zeit hat ihre spezifischen Herausforderungen. Die christlich-liberale Bundesregierung arbeitet daran, die Herausforderungen unserer Zeit zusammen mit unseren Partnern in Europa und der Welt entschlossen zu meistern.“  

Ohne die Kanzlerin direkt zu nennen, hatte Kohl in einem am Mittwoch veröffentlichten Interview der Zeitschrift „Internationale Politik“ beklagt, der schwarz-gelben Regierung fehle der politische Kompass. Deutschland sei seit Jahren keine berechenbare Größe mehr. Indirekt warf er Merkel auch vor, keinen Führungs- und Gestaltungswillen zu haben.

Der 81-Jährige kritisierte unter anderem die deutsche Enthaltung im UN-Sicherheitsrat zum Libyen-Einsatz der Nato und eine Verschlechterung in den deutsch-amerikanischen Beziehungen. Die Abschaffung der Wehrpflicht nannte er einen Fehler.  

Seiner direkten Nachfolgerregierung, der rot-grünen Koalition unter SPD-Kanzler Gerhard Schröder, hielt er Fehler bei der Aufnahme Griechenlands in die Eurozone vor. Trotzdem mahnte er nun dringend zur Solidarität mit Griechenland und zur Rettung des Euro.

Zuvor hatte bereits CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe die Kanzlerin in Schutz genommen und Kohls Kritik widersprochen. „Die von Helmut Kohl genannten Grundprinzipien deutscher Außenpolitik - wie die transatlantische Partnerschaft, die Einigung Europas und die deutsch-französische Freundschaft - bestimmen auch heute das Handeln der Regierung von Angela Merkel“, sagte Gröhe der Zeitung „Die Welt“. Die Vorschläge von Merkel und Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy zur Stärkung der Stabilitätskultur in Europa setzten den Weg Helmut Kohls und seines Finanzministers Theo Waigel (CSU) fort und korrigierten die falsche Politik von Rot-Grün.

Auch Bundesaußenminister Guido Westerwelle hat die Kritik von Alt-Kanzler Helmut Kohl an seiner Politik zurückgewiesen. Er schätze Kohl „als gewichtige Persönlichkeit“ zwar sehr, von einem Kurswechsel könne aber keine Rede sein, sagte Westerwelle am Mittwochabend im ZDF.

Ganz anders sieht das der Grünen-Fraktionsvorsitzende Jürgen Trittin. Kohls Kritik sei "beispiellos und vernichtend“. Kohl bringe die Haltung der Kanzlerin in der Eurokrise auf den Punkt und fordere zu Recht von ihr „zügige und unideologische Maßnahmen“, sagte Trittin am Donnerstag in Hannover. Man brauche endlich den europäischen Stabilisierungsmechanismus, sagte der Grünen-Politiker weiter. Der Mechanismus dürfe nicht weiter tot verhandelt werden. „Man muss die Spekulation gegen einzelne Staaten der Eurozone beenden und dies geht nur mit europäischen Staatsanleihen“, betonte er.

  • dpa
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32 Kommentare zu "Die Reaktion: Merkel lässt Anwürfe des Altkanzlers abtropfen"

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  • Wir dürfen dabei auch nicht vergessen, dass bei uns eine enorme Verostung stattgefunden hat.
    Nicht die DDR ist der Bundesrepublik beigetreten, sondern umgekehrt. Die alten SED-Kader haben die BR übernommen
    Und genau diese Politik haben wir doch heute
    Merkel hat es nicht mit Demokratie.
    Ich frage mich nur ständig, wann die restliche CDU -ein paar ordentliche Leute wird es da wohl noch geben- und die Presse und Medien das enldich merken und thematisieren

  • Kohl schmettert diese Honecker-Nachfolgerin öffentlicht via Presse ab und Wulff bestellt sie sicher zu sich ein.Denn der hat es ja auch gewagt, zu kritisieren und das geht ja nun gar nicht. Sie wird ihm klar machen, dass er es ihr zu verdanken hat, dass er BuPrä ist.
    Ja sie weiß schon, wie man die Leute gängelt, hat sie ja gut gelernt in der Jugendorganisation der SED
    Was wäre Merkel wohl heute, wenn die Mauer nicht gefallen wäre?
    Ja, richtig, sie wäre ganz oben im Politbüro

  • Frau Merkel soll aufhören, immer von der "christlich-liberalen" Koalition zu reden.
    Die CDU ist längst keine christliche Partei mehr seit Merkel sie sich in einer Art Putsch unter den Nagel gerissen hat. Die jetzige vermerkelte CDU wird der SED immer ähnlicher.
    Und die FDP liberal? Da muß ich aber lachen

  • Sie schreiben ..Raubtierkapitalismus für das Fussvolk und Sozialismus für die Hochfinanz...

    es muß aber wohl unmgekehrt heißen.
    Denn seit Schröder gilt der Sozialismus fürs dumme Volk und für die oberen der Raubtierkapitalismus.
    Es geht doch schon lagne nach der alten Stalinmaxime
    "das olk braucht nicht konsumieren, das Volk hat zu produzieren"

  • Die ahben keinen Verstand, das sind geistige Tiefflieger.
    Die wissen nur, wie sie sich die eigenen Taschen gut füllen können, mehr nicht

  • aus kohl spricht der geist marshall Pétains

  • "Ohne die Kanzlerin direkt zu nennen, hatte Kohl .......... beklagt, der schwarz-gelben Regierung fehle der politische Kompass. Deutschland sei seit Jahren keine berechenbare Größe mehr. Indirekt warf er Merkel auch vor, keinen Führungs- und Gestaltungswillen zu haben." (Zitat)

    Die Kohlsche Aussenpolitik war zwar um keinen "Deut" besser. Die deutsche Einheit zum Beispiel ist ihm geradezu in den Schoß gefallen - er war mit einem Festessen in Polen beschäftigt als iihn die Nachricht "unberechenbar" dann überraschte.

    Aber auffällig ist hingegen, dass die Europapolitik von Fr. Merkel in den eigenen Reihen jetzt sehr verschieden gesehen wird! "Wer zu spät kommt, der regiert nicht mehr lange - so war es zumindest in Berlin schon einmal der Fall. Na- dann warten wir mal , was auf den Wähler zukommen wird.

    Der Euro ist noch stabil - jedoch die Fr. Merkel weniger - hat es den Anschein.

  • frau merkel läßt alles ansich abtropfen - bis zur nächsten wahl.die wird sie nämlich verlieren.
    sie hat keine überzeugungen,deshalb kann sie auch für keine überzeugungen und auch für keine weggefährten mit überzeugungen einstehen. wo sind die hoffnungsträger,auch solche die heute merkel ersetzen könnten - alle rausgebissen und im regen stehen lassen. der erste war paul kirchhoff als finanzministerkandidat. heute werden seine steuerreform- und -verinfachungsvorschläge einfach totgeschwiegen, trotz einer weitreichenden überzeugung in der bevökerung, daß eine vereinfachung notwendig wäre( so wie auch aus sarazins thesen keine veränderung resultierte), sicherlich der letzte war axel weber von der bundesbank. stattdessen unterstützt deutschland eine dame lagarde, (nach einem fanzosen, der bereits moralisch gescheitert ist wieder ein franzose), die unseren exporterfolg als unmoralisch qualifiziert und gegen die die staatsanwaltschaft wegen begünstigung im amt und untreue ermittelt - war alles bei der nominierung bekannt.
    das schlimmste ist jedoch der geistig-moralische verfall: steuererhöungen wird sparen genannt, neue milliarden schulden auf europaebene (ohne daß ein € der jetzigen staatsschulden getilgt wurde) wird eurorettung genannt usw.
    ihr unwort "alternativlos" hat ihren ideologischen-autoritären charakter deutlich offengelegt.

  • @ Buerge-r

    wir haben doch eine funktionierende "Marktwirtschaft" in Deutschland. Sie funktioniert sogar sehr gut für einen bestimmten Teil der Gesellschaft, nämlich für die Politiker, Manager und Banken.

    z.B. reale Einkommenssenkung um ca. 10% in den letzten Jahren ab Mittelstand abwärts (eine Freude für jeden Großkonzern und jeden Aktionär), dafür erhöhte Tantiemen für die Manager und Banker (selbst die wegen Unfähigkeit "rausgeschmissene" Banker bekommen noch Provisionen in Millionenhöhe von eigentlichen Pleitebanken). Politiker die auf der einen Seite die Bevölkerung immer weiter zu schröpfen beschließen und im selben Atemzug sich selbst die Diäten erhöhen, die Unternehmenssteuern für die Großindustrie senken, "Subventionen" mit vollen Händen den EU-Ländern, Banken und Konzernen vor die Füsse werfen ...ect.

    Also wir haben doch eine funktionierende "Kapital(istische) Marktwirtschaft". Das Kapital wandert von Unten nach Oben!

    Und zum Thema "Sozialabbau"(wie immer wieder gefordert):

    für alle die immer so Fordern - Sozialausgaben kürzen ect. - alles Schmarotzer und so.

    Schaut euch mal die Ausgaben von Deutschland an, dann werdet ihr feststellen, das dies ein Bruchteil dessen ist, was Deutschland an Subventionen, Hilfspaketen für die Industrie und andere Staaten, Ausgaben für irgendwelche "Hilfsaktionen" in anderen Ländern wie Irak, Afghanistan und wie sie alle heißen ect. ausgibt. aber klar, statt den großen "Schmarotzern" die Gelder zu streichen muß man natürlich auf denen rumhacken, die sonst schon nix haben. Der normale Hartz4 Empfänger oder Aufstocker (nicht die, die man immer wieder im Fernsehen und anderen Medien zu Zwecken der Stimmungsmache als schlechte Beispiele vorgeführt bekommt - die gehören aus dem System rausgeschmissen) muß mit dem bisserl Geld leben. Im übrigen finde ich es für Deutschland beschämend, das es sowas wie "Aufstocker" (also Menschen, die zwar meist Vollzeit arbeiten aber davon nicht leben können) überhaupt gibt.

  • Sehr treffendes Gleichnis, hätte ich nicht besser formulieren können!

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