Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Diesel-Fahrverbot Stuttgarts Umweltzone ist für ältere Diesel jetzt tabu

In Stuttgart gilt das erste flächendeckende Fahrverbot. Weitere Städte dürften folgen. Und noch immer ist für die Kunden keine Abhilfe in Sicht.
Update: 01.01.2019 - 19:15 Uhr 1 Kommentar
Stuttgart sperrt seine Umweltzone für ältere Dieselfahrzeuge. Quelle: imago/Arnulf Hettrich
Diesel müssen draußen bleiben

Stuttgart sperrt seine Umweltzone für ältere Dieselfahrzeuge.

(Foto: imago/Arnulf Hettrich)

Düsseldorf, FrankfurtDas Jahr 2019 beginnt für Besitzer von Dieselfahrzeugen mit schlechten Vorzeichen. In Stuttgart gilt seit dem 1. Januar das erste großflächige Fahrverbot. Diesel der Abgasnorm 4 und darunter dürfen in der Landeshauptstadt von Baden-Württemberg nicht mehr in die Umweltzone fahren.

Das Land hatte versucht, die Fahrverbote zu verhindern, war aber vor Gericht gescheitert. Zwar gilt für Anwohner in der Zone bis zum 1. April eine Gnadenfrist. Auch können etwa Handwerker Ausnahmen beantragen, wovon nach Aussage der Stadt bereits reger Gebrauch gemacht wurde. Dennoch sind etwa 72.000 Fahrzeuge betroffen.

Andere deutsche Städte könnten dem Beispiel Stuttgart bald folgen – etwa Berlin, Köln, Essen oder Frankfurt. Viele Länder, Städte und Kommunen versuchen allerdings, die gerichtlich verhängten Fahrverbote noch zu verhindern, auch durch Berufungsverfahren. In Frankfurt wurde ein solches mittlerweile zugelassen. Solange hier kein Urteil vorliegt, darf das eigentlich für den 1. Februar vorgesehene Verbot deshalb nicht umgesetzt werden.

Auch wollen Stadt und Polizei in Stuttgart bei Verstößen bis Ende Januar nur verwarnen, erst danach soll ein Bußgeld von 80 Euro fällig werden. Doch die Unsicherheit unter den Dieselfahrern wächst. In Stuttgart könnten zum Beispiel in Zukunft auch Fahrzeuge der Euronorm 5 vom Fahrverbot erfasst werden. Sogar Einschränkungen für Autos der Norm 6 sind nicht ausgeschlossen.

Gleichzeitig ist Abhilfe nach wie vor nicht in Sicht. Seit dem vergangenen Freitag liegen die detaillierten Vorschriften für eine Hardwarenachrüstung älterer Diesel-Pkws vor. Darin definiert der Bund die Anforderungen für Nachrüstsysteme, mit denen der Stickoxidausstoß reduziert werden soll. Doch zurückhaltende Aussagen der Autohersteller zu möglichen Nachrüstsets von Drittanbietern dürften betroffene Autobesitzer verunsichern, ob sie solche Systeme einbauen lassen sollen oder nicht.

Umstritten ist zum einen die Kostenübernahme. So sind Volkswagen und Daimler nur in jenen Metropolen bereit, bis zu 3 000 Euro „zuzuschießen“, die besonders stark von Emissionen betroffen sind. Andere Hersteller wie etwa BMW lehnen eine finanzielle Beteiligung bei Hardwarenachrüstungen gänzlich ab.

Auch die Frage der Haftung ist ungeklärt. „Wir werden für Einbau und Betrieb der Bauteile der Nachrüstung durch einen Drittanbieter keine Haftung übernehmen“, heißt es bei Daimler seit Wochen. Für Schäden an anderen Bauteilen, die sich auf die Umrüstung zurückführen lassen, will der Mercedes-Hersteller ebenfalls nicht haften.

Volkswagen hat den Besitzern von Fahrzeugen des Konzerns mit der Abgasnorm 5 sogar gänzlich von einer Nachrüstung mit Systemen von Drittanbietern abgeraten. „Alle uns bisher bekannten Konzepte weisen Nachteile für unsere Kunden auf, etwa Mehrverbrauch und damit erhöhte CO2-Emission, zum Teil auch Leistungsreduzierung“, sagte VW-Entwicklungsvorstand Frank Welsch.

Verkehrskollaps droht

Angesichts der unklaren Situation sieht der Deutsche Städtetag die Gefahr eines Verkehrskollapses wachsen. „2019 muss ein Jahr der Verkehrswende werden, in dem die Verkehrspolitik viel stärker auf zukunftsgerechte und nachhaltige Mobilität ausgerichtet wird“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Städtetags, Helmut Dedy, der Deutschen Presse-Agentur.

Die Verkehrspolitik sei nicht mehr zeitgemäß. Es müsse mehr Angebote geben, vom Auto auf die Bahn, den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) und das Fahrrad umzusteigen. „Ohne eine Verkehrswende werden wir bald in Teilen unseres Landes einen Verkehrskollaps erleben“, warnte Dedy eindringlich.

Er sieht dabei nicht zuletzt Bund und Länder in der Pflicht – auch finanziell. „Wir leiten bereits die Verkehrswende in den Städten ein und wollen unseren Sachverstand in das Gesamtkonzept einbringen“, sagte Dedy. „Allerdings erwarten wir auch, dass Bund und Länder dafür über bisherige Programme hinaus Mittel in Milliardenhöhe einsetzen, zum Beispiel für Investitionen in den ÖPNV und die Verkehrsinfrastruktur insgesamt.“

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

Mehr zu: Diesel-Fahrverbot - Stuttgarts Umweltzone ist für ältere Diesel jetzt tabu

1 Kommentar zu "Diesel-Fahrverbot: Stuttgarts Umweltzone ist für ältere Diesel jetzt tabu"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Der Nachrüstung eines alten Diesels und den damit verbundenen Risiken und hohen Kosten kann man also dadurch entgehen dass man sich ein paar mal erwischen lässt.