Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Dieselskandal Regierungs-Gutachten hält Diesel-Nachrüstung für machbar

Ob Diesel-Fahrzeuge für Klima-Ziele nachgerüstet werden sollten, ist umstritten. Eine Studie schätzt jetzt den Preis für die Umbauten.
27.04.2018 Update: 27.04.2018 - 19:32 Uhr 1 Kommentar
3000 Euro würde das Nachrüsten eines Dieselautos kosten. Laut Bundesregierung für die Hersteller ein machbarer Aufwand. Quelle: dpa
Nachrüsten

3000 Euro würde das Nachrüsten eines Dieselautos kosten. Laut Bundesregierung für die Hersteller ein machbarer Aufwand.

(Foto: dpa)

Berlin Im Kampf gegen zu schmutzige Luft in deutschen Städten liefert ein Gutachten Argumente für technische Nachrüstungen älterer Diesel. Umbauten an Motoren von Euro-5-Fahrzeugen seien „mit verträglichem Aufwand möglich“, schreibt Professor Georg Wachtmeister von der Technischen Universität München in einer Studie im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums.

Genannt werden Kosten von rund 3000 Euro pro Auto. In der Regierung ist seit Monaten heftig umstritten, ob Autobauer ältere Diesel technisch nachrüsten sollen, um Fahrverbote in Städten zu vermeiden. Die Autobranche lehnt dies bisher strikt ab.

Die „beste und sicherste Lösung“ wäre, wenn die Autohersteller selbst Nachrüstungen vornähmen, heißt es in der Studie, über die zuvor der „Spiegel“ berichtete. Eingebaut werden könne eine Technik, bei der der Ausstoß von Stickoxiden (NOx) mit einer Harnstofflösung gesenkt wird.

Nur die Hersteller hätten die Chance, Nachrüstungen „ohne wesentliche Verschlechterung des Kraftstoffverbrauches“ vorzunehmen. Bauraum an den Motoren sei „mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit vorhanden“, da es so ausgerüstete Fahrzeuge für den US-Markt gebe. Alternativ wäre es auch möglich, Technik von Zulieferern einzubauen.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Der Chef der Deutschen Umwelthilfe, Jürgen Resch, sagte: „Für die Dieselkonzerne ist das Wachtmeister-Gutachten ein Debakel, da ihre gesamte Argumentationskette nun wie ein Kartenhaus einstürzt.“ Die Grünen warfen Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) vor, das Anfang Januar erstellte Gutachten geheim gehalten zu haben.

    Dies sei „ein weiterer Tiefpunkt in der Kumpanei zwischen Verkehrsministern und Autobossen“, sagte Fraktionschef Anton Hofreiter. Er forderte erneut Hardware-Nachrüstungen auf Kosten der Industrie. Scheuer habe keinen anderen effektiven Plan, um Fahrverbote zu vermeiden, sagte der FDP-Verkehrspolitiker Oliver Luksic.

    Die FDP fordert die Bundesregierung zum Handeln auf. Die Studie beweise einmal mehr, das Hardware-Nachrüstungen „technisch machbar und politisch erforderlich“ seien. „Denn nur so lassen sich Fahrverbote verhindern“, sagte Fraktionsvize Michael Theurer dem Handelsblatt. Die Kosten für die Umrüstung müsse die Autoindustrie übernehmen, weil sie den Dieselskandal verursacht habe.

    Theurer sieht nun Kanzlerin Angela Merkel (CDU) am Zug. „Frau Merkel muss ihren Kuschelkurs mit der Autoindustrie beenden“, sagte der FDP-Politiker. „Zudem muss das Chaos innerhalb der Bundesregierung in dieser seit Monaten strittigen Frage endlich durch ein Machtwort von Frau Merkel zu Gunsten von Autofahrern und Handwerkern beendet werden.“

    Das Verkehrsministerium bekräftigte am Freitag seine „rechtlichen, technischen und finanziellen Bedenken“ gegen Motor-Umbauten. Das Gutachten sei eines von mehreren, die das Ministerium in Auftrag gegeben habe. Die Meinungsbildung in der Regierung sei noch nicht abgeschlossen. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hat sich skeptisch geäußert.

    Technische Verbesserung unter Bedingung

    Dagegen fordert Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) Nachrüstungen auf Kosten der Hersteller. Dies werde vor allem für hochbelastete Städte gebraucht, sagte sie den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

    Deutschland droht eine Klage der EU, weil in Dutzenden Kommunen die Luft zu stark mit gesundheitsschädlichen NOx belastet ist. Die Kommission hat die für Ende April erwartete Entscheidung aber vorerst verschoben. Bisher haben die Autobauer neue Abgas-Software für zusätzliche 2,8 Millionen Autos zugesagt.

    Ob dies reicht, um Grenzwerte in allen Städten einzuhalten, ist umstritten. Im Koalitionsvertrag von Union und SPD werden „technische Verbesserungen“ an eine Bedingung geknüpft: Sie müssten „technisch möglich und wirtschaftlich vertretbar“ sein.

    In mehreren Städten, darunter Hamburg, Berlin und München, drohen Fahrverbote für Diesel-Autos. Das Bundesverwaltungsgericht hatte solche Fahrverbote im Februar für grundsätzlich zulässig erklärt, obwohl ein Wertverlust älterer Diesel droht. Allerdings hatten die Richter auf Verhältnismäßigkeit der Verbote gepocht und Übergangsfristen gefordert.

    Um das Problem in den Griff zu kriegen, stellt die Bundesregierung eine Milliarde Euro für ein „Sofortprogramm Saubere Luft“ zur Verfügung. Damit sollen etwa Busse umgerüstet werden, die in den Innenstädten unterwegs sind.

    Auch eine bessere Verkehrsführung soll helfen, die Stickoxid-Belastung zu senken. Von 2016 auf 2017 sind die Werte in vielen Städten besser geworden. In etwa 70 Städten sind sie aber nach vorläufigen Zahlen des Umweltbundesamts noch zu hoch.

    • dpa
    • dne
    Startseite
    1 Kommentar zu "Dieselskandal: Regierungs-Gutachten hält Diesel-Nachrüstung für machbar"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Das deutsche Politiksystem sägt fleissig an dem Ast auf dem die deutsche Gesellschaft sitzt.

      Deutschlands wirtschaftliche Lebensgrundlage ist die Industrie. Die Autoindustrie ist mit Stahl, Chemie, Maschinenbau die wesentlich an die Autoindustrie liefern, die bedeutendste Industrie Deutschlands.

      Einen sachlichen Grund für diese Nachrüstungen gibt es nicht. Die EU hat aufgrund der Lobbybemühungen grüner NGO mit Billigung der deutschen Politik sachfremd niedrige Abgasgrenzwerte verordnet. Die EU Messvorschriften zur Messung von NOx in den Städten wurden bei der Übertragung ins deutsche Recht wesentlich verschärft. Die Bundesregierung finanziert eine NGO um Fahrverbote in deutschen Städten einzuklagen.

      Wenn die Autoindustrie verpflichtet wird einige Millionen Autos zu je 3000 € umzubauen dann ergibt sich eine Belastung von wahrscheinlich > 10 Mrd. €. Damit wird der deutschen Autoindustrie die im Wettbewerb mit Konzernen anderer Länder steht ein erheblicher, sinnloser Klotz an das Bein gebunden.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%