Dieter Romann

Der Chef der Bundespolizei wird von den einen als Held gefeiert, von den anderen wegen Freiheitsberaubung verklagt.

(Foto: Reuters)

Dieter Romann Bundespolizei-Chef steht nach Alleingang bei Rückholung von Ali B in der Kritik

Weil Bundespolizei-Chef Romann den mutmaßlichen Mörder Ali B. im Alleingang zurückholte, geht der Irak juristisch gegen den Spitzenbeamten vor.
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BerlinDer „Bild“-Zeitung war die Aktion am Wochenende eine dicke Schlagzeile und eine ganze Seite wert. „Helden-Polizist und GSG-9 holten sich Susannas Mörder“, titelte das Blatt – die Unschuldsvermutung geflissentlich ignorierend. Dazu ein Foto von Bundespolizei-Chef Dieter Romann neben dem „Bild“-Reporter.

Der saß natürlich „zufällig“ in der gleichen Maschine, mit der Romann Ali B., den mutmaßlichen Mörder der Schülerin Susanna aus dem Irak nach Deutschland zurückbrachte. „Auf eigene Faust!“, wie das Blatt schrieb.

Dieses „auf eigene Faust“ fällt dem 56-Jährigen jetzt auf die Füße. Iraks Zentralregierung erhebt den Vorwurf, Deutschland und die kurdische Regionalregierung hätten mit der heimlichen Kommandosache gegen geltendes Recht verstoßen. Es gebe kein Auslieferungsabkommen, nur das Justizministerium in Bagdad hätte Ali B. übergeben dürfen.

„Rominator“ auf dünnem Eis

Zu allem Überfluss hat Romann jetzt auch noch eine Klage des Anwalts von Ali B. wegen Freiheitsberaubung am Hals. Nimmt es ein Polizeichef mit dem Recht nicht so genau, weil „wir“ das der Mutter der Ermordeten schuldig sind, wie er selbst sagte? Viele empörte Bürger mögen auf seiner Seite sein, schließlich wäre der mutmaßliche Mörder ohne die Aktion wohl entwischt. Und Romann ist zwar nicht auf Geheiß des Innenministers nach Erbil geflogen, doch war Horst Seehofer sehr wohl informiert.

Seit knapp sechs Jahren steht der Jurist Romann jetzt an der Spitze der Bundespolizei, zuvor war er fast 20 Jahre lang im Innenministerium tätig, zuletzt als Referatsleiter für Ausländerterrorismus. Dem „Rominator“ wird also sehr bewusst gewesen sein, auf welch dünnes Eis er sich begibt.

Doch Romann hat schon mehrfach bewiesen, dass er das Risiko nicht scheut. Früh hatte er durchblicken lassen, dass er den Flüchtlingskurs der Kanzlerin für falsch hält, und hörbar für Grenzkontrollen getrommelt. Die Folge war damals ein „Maulkorb“ für den Karatekämpfer. Dass die Politik heute wieder über Zurückweisungen an der Grenze diskutiert, dürfte Romann mit einiger Genugtuung verfolgen.

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