Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke
Mann mit EKG-App

Alle Patientendaten sollen digital gebündelt werden, so dass Ärzte und Krankenkassen Zugriff auf sämtliche Dokumente haben.

(Foto: dpa)

Digital Health Fünf Überlegungen, wie der Patientenalltag im Jahr 2030 aussehen könnte

Der medizinischen Versorgung steht durch die Digitalisierung ein neues Zeitalter bevor. Was bedeutet das für den Patienten der Zukunft?
Kommentieren

Berlin Gesundheitsminister Jens Spahn hat in dieser Woche sein Digitalisierungsgesetz vorgelegt. Der CDU-Politiker schlägt in dem Gesetzentwurf eine Reihe weiterer Maßnahmen vor, um das deutsche Gesundheitswesen in das digitale Zeitalter zu befördern: Krankenkassen sollen Health-Apps erstatten, Patienten leichteren Zugang zu Videosprechstunden bekommen, Krankenhäuser und Apotheken an das zentrale Gesundheitsdatennetz angebunden werden.

Auch wenn Deutschland bei der Medizin der Zukunft im internationalen Vergleich noch einigen Nachholbedarf hat, ist doch viel in Bewegung geraten. Für Patienten dürfte sich durch die zunehmend datengetriebene Gesundheitsversorgung im kommenden Jahrzehnt viel ändern. Fünf Überlegungen, wie der Patientenalltag im Jahr 2030 aussehen könnte:

Smartphone als Gesundheitsbegleiter

Ob Reisebuchungen oder die Kommunikation über E-Mail und Messenger-Dienste: Schon heute organisieren viele Menschen ihr Leben mit den Fingerspitzen am Touchscreen. Mit dem Smartphone werden Patienten künftig auch ihre Gesundheitsversorgung steuern können.

Einige Krankenkassen bieten bereits Digitalakten an, in denen Versicherte ihre Gesundheitsdaten verwalten können. Ab 2021 müssen alle Kassen ihren Versicherten eine elektronische Patientenakte anbieten, die auch über mobile Zugänge genutzt werden kann. Dort sollen auf Ärzte und Krankenhäuser verstreute Gesundheitsdaten gebündelt werden – von Röntgenbildern über Arztbriefe bis zum Impfausweis.

Nach jahrelangem Gezerre hatten sich Krankenkassen und Ärzte im vergangenen Jahr bei Verhandlungen mit dem Gesundheitsministerium auf eine einheitliche Benutzeroberfläche für die Digitalakte verständigt. Neben einem Standardbereich für medizinische Daten soll es einen Bereich geben, den die Kassen etwa mit Informationen zu Bonusprogrammen individuell gestalten können. Auch die Versicherten bekommen ein eigenes Fach, in dem sie beispielsweise Fitnessdaten speichern können.

Ob die Pläne wirklich schon in zwei Jahren komplett umgesetzt sind, darf bezweifelt werden. Der Anschluss der Arztpraxen an das sichere Gesundheitsdatennetz läuft schleppend, bei Krankenhäusern und Apotheker hat die Anbindung noch gar nicht begonnen. Die technischen Standards für die Digitalakte werden erst noch entwickelt.

Doch die Vision ist: Der Patient der Zukunft wird seine gesamte Krankengeschichte an einem Ort speichern und Ärzte darauf zugreifen lassen können. Das hilft auch, Doppeluntersuchungen oder Unverträglichkeiten bei verschriebenen Medikamenten zu vermeiden.

Neben der Digitalakte werden die vernetzten Patienten auch verschiedene Gesundheits-Apps nutzen. Das Smartphone erinnert sie zum Beispiel an die regelmäßige Einnahme von Medikamenten. Diabetiker verfolgen in einer App ihre Blutzuckerwerte. Menschen mit einer Depression zeichnen ihre Stimmungslage digital auf.

Künftig wird es für Patienten normal sein, sich nicht mehr ins Wartezimmer zu setzen, sondern per App einen Termin zu reservieren. Statt eines Rezepts auf Papier erhalten sie nach dem Arztbesuch einen QR-Code auf das Smartphone, mit dem sie die Arzneimittel in der Apotheke abholen können. Oder sie lassen das Rezept gleich elektronisch an eine Apotheke schicken, die das Medikament nach Hause liefert. Und das vielleicht sogar mit einer Drohne.

Versorgung in den eigenen vier Wänden

Der Gang zum Arzt wird in Zukunft eher die Ausnahme werden. Im vergangenen Jahr schuf der Deutsche Ärztetag die Voraussetzung dafür, dass Mediziner Patienten auch ohne vorherigen persönlichen Kontakt fernbehandeln können. Bislang laufen nur Modellprojekte zur Telemedizin, doch im Jahr 2030 könnte die Videosprechstunde der Normalfall sein.

Anstatt sich mit Fieber in die Praxis zu schleppen, kontaktiert der Patient von zuhause über einen Bildschirm den Arzt. Mit einer Smartphone-Anwendung oder Wearables messen sie Blutdruck oder Körpertemperatur, der Mediziner kann die Daten in Echtzeit verfolgen.

Gerade ältere und chronisch kranke Patienten können in den eigenen vier Wänden versorgt werden, statt lange im Krankenhaus zu liegen. Ein intelligentes Armband übermitteln die Vitaldaten rund um die Uhr an die behandelnden Ärzte. Bei kritischen Werten können die Mediziner auch aus der Ferne eingreifen.

Pflegebedürftige können sich in ihrer Wohnung technische Unterstützungssysteme einbauen lassen, anstatt ins Heim zu gehen. Pflegeroboter unterstützen bei Alltagsaufgaben, im Fußboden eingelassene Sensoren registrieren Stürze und alarmieren den Rettungsdienst.

Gesünder durch Big Data

Immer leistungsfähigere Computer und Künstliche Intelligenz ermöglichen, riesige Mengen an Gesundheitsdaten anzuhäufen und zu analysieren. In Verbindung mit immer detaillierteren Informationen über den Gencode von individuellen Patienten schafft diese Entwicklung neue Wege bei Diagnose und Behandlungen von Krankheiten.

Der Datenschatz kann nicht nur der Forschung helfen, neue Therapien etwa gegen Krebs zu entwickeln. Patienten können auch maßgeschneiderte Behandlungslösungen erhalten, in denen ihre persönlichen Risikofaktoren berücksichtigt werden.

Die Ärzte werden in ihrer Arbeit von Algorithmen unterstützt, die Muster von Krankheitsbildern schneller und eindeutiger erkennen. Risiken werden frühzeitig festgestellt, die Bedeutung von Präventionsmaßnahmen in der Gesundheitsversorgung nimmt zu. Der Patient der Zukunft beginnt mit der Behandlung, bevor der Krankheitsfall überhaupt eintritt.

Auf Augenhöhe mit dem Arzt

Umfragen zeigen, dass Patienten trotz der neuen digitalen Möglichkeiten nicht auf den direkten Kontakt mit dem Arzt verzichten wollen. Sie werden den Medizinern allerdings selbstbewusster gegenübertreten. Schon heute suchen viele Menschen im Internet nach ersten Informationen zu den Schmerzen, die sie plagen.

Während die Antworten von „Dr. Google“ mit Vorsicht zu genießen sind, können selbstlernende Diagnose-Apps eine immer präzisere Ersteinschätzung bieten. Außerdem können Patienten ihren Gesundheitszustand durch Wearables und andere Messgeräte ohne großen Aufwand selbst überwachen.

Der Patient der Zukunft wird mündiger und möchte in die Entscheidungen stärker eingebunden werden. Sein Anspruch ist, dass die Gesundheitsversorgung an seine persönlichen Lebensumstände angepasst wird. Umso wichtiger wird dabei das Vertrauensverhältnis zwischen Patient und Arzt, der nicht mehr als „Halbgott in Weiß“ den Behandlungsweg diktieren kann.

Verantwortung für die Daten

Die große Frage der digitalisierten Medizin ist: Wem gehören die Daten? Für die Patienten ist klar, dass sie die Hoheit über ihre Gesundheitsinformationen behalten wollen. Sie können entscheiden, ob sie ihre Daten der Forschung zur Verfügung stellen. Entweder als Spende oder gegen Geld.

Kaum ein Lebensbereich ist sensibler als die eigene Gesundheit. Der Patient der Zukunft wird dabei genau darauf achten, ob die Sicherheit seiner persönlichen Daten gewährleistet ist. Und dass er nicht zum „gläsernen Patienten“ wird, dessen Krankenversicherungstarif sich eines Tages nach dem aus Gesundheitsdaten kalkulierten Krankheitsrisiko bemisst.

Welche Datenschutzstandards gelten, wird aber auch davon abhängen, wer den Zukunftsmarkt Digital Health dominiert. Die großen US-Techfirmen wie Google, Apple, Facebook und Amazon drängen in das Gesundheitsgeschäft.

Eine im Auftrag des Spitzenverbandes der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) erstellte Studie warnte kürzlich, dass die Krankenkassen unzureichend darauf vorbereitet sind, den digitalen Wandel aus eigener Kraft zu gestalten. Für Patienten in Deutschland könnten sich attraktive Versorgungsoptionen zunehmend außerhalb des klassischen Gesundheitssystems ergeben. Wenn Google und Co. im Gesundheitsbereich erst eine kritische Masse an Nutzern erreichten, würde es für die GKV umso schwerer, bei der datengetriebenen Medizin mitzuhalten.

Startseite

Mehr zu: Digital Health - Fünf Überlegungen, wie der Patientenalltag im Jahr 2030 aussehen könnte

0 Kommentare zu "Digital Health: Fünf Überlegungen, wie der Patientenalltag im Jahr 2030 aussehen könnte"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote