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Digitalgipfel Bundesregierung investiert 2019 nur 142 Millionen Euro in Künstliche Intelligenz

Mit drei Milliarden Euro möchte Berlin bis 2025 die KI fördern. Vor dem Digitalgipfel in Nürnberg zeigt sich: bisher fließt davon nur ein Bruchteil.
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„Wir müssen in Deutschland endlich die KI-Spritze ansetzen“

Berlin, NürnbergEs ist ein Termin, den sich kein Mitglied der Bundesregierung entgehen lässt. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU), Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) – am Dienstag kommt es beim Digitalgipfel in Nürnberg wieder zum Schaulaufen der wichtigsten Entscheidungsträger. Jeder will zeigen: „Bei dem Thema bin ich dabei.“ Auch die Wirtschaft ist hochrangig vertreten.

Der diesjährige Gipfel hat Künstliche Intelligenz zum Schwerpunkt. Ein Feld, auf dem sich die deutsche Wirtschaft im Wettkampf mit schlagkräftigen und teils staatlich gestützten Unternehmen aus China und den USA behaupten muss.

Auch die Bundesregierung hat erkannt, dass sie auf dem Feld mehr liefern muss. Erst vor wenigen Tagen verabschiedete sie eine Strategie, die drei Milliarden Euro für die Förderung der Künstlichen Intelligenz bis 2025 vorsieht. Die Aufstockung ist dringend nötig. Denn bisher gibt es viele Worte, aber wenig Taten. Wie Zahlen der Bundesregierung zeigen, die dem Handelsblatt vorliegen, sind die Investitionen derzeit gering.

Das Forschungsministerium plant für 2019 gerade mal mit 61,5 Millionen Euro. Und das ist unter allen Ressorts schon die größte Summe. Es folgt das Wirtschaftsministerium mit knapp 30 Millionen Euro. Für weitere 50 Millionen Euro ist noch unklar, wofür und von welchem Ministerium sie verwendet werden.

Insgesamt hat die Bundesregierung gerade mal 142 Millionen Euro im Haushalt 2019 für die Förderung der Künstlichen Intelligenz eingeplant, wie aus dem Schreiben von Michael Meister, Parlamentarischer Staatssekretär im Forschungsministerium, hervorgeht. Zum Vergleich: Der Bundesetat 2019 sieht insgesamt Ausgaben von 356 Milliarden Euro vor.

„Wenn die Bundesregierung nicht langsam aufwacht und die Digitalisierung endlich als zentrales Zukunftsthema begreift, müssen wir uns nicht wundern, wenn wir schon bald nicht mehr in der wirtschaftlichen Champions-League mitspielen“, sagt der FDP-Abgeordnete Christian Dürr, der die Anfrage gestellt hatte.

Auch die Wirtschaft fordert noch mehr Engagement. „Die KI-Strategie geht in die richtige Richtung“, sagte Tanja Rückert, Leiterin des Geschäftsbereichs Building Technologies bei Bosch und Lenkungskreismitglied in der Plattform Lernende Systeme, im Gespräch mit dem Handelsblatt. Die drei Milliarden Euro seien ein guter erster Schritt. „Aus meiner Sicht müsste die Bundesregierung aber noch stärker in Netzwerke und Bildung investieren“, so Rückert.

Hans-Georg Krabbe, Vorstandsvorsitzender von ABB Deutschland und Lenkungskreismitglied der Plattform Industrie 4.0, forderte, dass Pilotprojekte im Bereich KI stärker unterstützt werden müssten. „Wir haben ja konkrete Beispiele, wo Künstliche Intelligenz einen Mehrwert bietet, etwa bei der Steuerung von Schiffen oder der Fehlersuche in Produktlebenszyklen“, so Krabbe.

Es braucht gute Koordination

Davon gebe es sehr viele weitere Möglichkeiten, die aber oft nicht allein aus der Firma oder allein aus dem Netzwerk von Forschungseinrichtungen und Unternehmen heraus gestemmt werden könnten. Vor allem kleine und mittelständische Unternehmen hätten dafür oft nicht die Kraft. Dabei sei es entscheidend, dass auch diese Firmen mitmachen. „Wenn es uns gelingt, das Anwendungs-Know-how, das diese Firmen groß gemacht hat, mit Künstlicher Intelligenz zu verbinden, dann haben wir ein Alleinstellungsmerkmal in Deutschland.“

Die Bundesregierung fällt bisher vor allem durch die Schaffung zahlreicher neuer Gremien auf wie des Digitalrats und einer Enquete-Kommission zur Künstlichen Intelligenz, die die Bundesregierung beraten sollen. Rückert und Krabbe begrüßten dieses Engagement, sehen aber auch Gefahren.

„Wir müssen aufpassen, dass man sich nicht verzettelt und der eine auf den anderen wartet. Ich hoffe, dass die vielen Aktivitäten auch gut koordiniert werden“, so Bosch-Managerin Rückert. Eine Sorge, die auch ABB-Deutschlandchef Krabbe teilt.

Er hofft, dass die Bundesregierung aus dem Durcheinander in der vergangenen Legislaturperiode gelernt hat und nicht wieder aneinander vorbei arbeitet. „Es wäre schade, denn wir haben jetzt eine gute Chance, die Digitalisierung und den Einsatz Künstlicher Intelligenz gemeinsam voranzutreiben.“

Großen Handlungsbedarf sehen die Wirtschaftsvertreter auch bei der Infrastruktur, die für heutige und künftige Anwendungen und die Entwicklung von Künstlicher Intelligenz nötig ist. „Das, was man sich bei der KI vorgenommen hat, ist gut, aber wenn wir führend sein wollen, dann ist die Verfügbarkeit von 5G und Breitband eine technische Grundvoraussetzung“, so Rückert.

Es führe kein Weg daran vorbei, den neuen Mobilfunkstandard flächendeckend zur Verfügung zu stellen. „Bei den neuen Geschäftsmodellen geht es viel stärker um Zusammenarbeit“, so Rückert. „Wenn da ein Unternehmen nicht an die digitale Infrastruktur angeschlossen ist, dann haben wir ein Problem.“

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