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Digitalgipfel Wie die europäische Cloud Gaia X aussehen soll

Wirtschaftsminister Altmaier stürzt und verletzt sich, bevor er seine Pläne für Gaia X ankündigen kann. Auch ohne ihn nennt die Bundesregierung erste Details zur europäischen Cloud.
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Peter Altmaier bei seiner Rede beim Digitalgipfel in Dortmund – kurze Zeit später stürzte er schwer. Quelle: dpa
Digitalgipfel 2019

Peter Altmaier bei seiner Rede beim Digitalgipfel in Dortmund – kurze Zeit später stürzte er schwer.

(Foto: dpa)

Dortmund Für Peter Altmaier sollte es ein großer Tag werden. Auf dem Digitalgipfel in Dortmund wollte der Bundeswirtschaftsminister am Dienstag das Projekt Gaia X offiziell ankündigen – also eine Infrastruktur, die Unternehmen und Behörden digitale Souveränität ermöglichen soll. „Wir meinen es als Bundesregierung ernst“, rief der Politiker in seiner Eröffnungsrede.

Doch das Konzept geriet schnell in den Hintergrund: Altmaier stolperte auf der Treppe und stürzte von der Bühne – das Publikum schrie entsetzt auf. Die Organisatoren räumten den Saal, Sanitäter behandelten den Politiker eine halbe Stunde hinter einem Sichtschutz, später wurde er ins Krankenhaus gebracht – mit Prellungen und Platzwunden, wie er selbst twitterte.

Einige Stunden später richtete Thomas Jarzombek (CDU), Bundestagsabgeordneter und Luft- und Raumfahrtkoordinator im Bundeswirtschaftsministerium, die Grüße seines Vorgesetzten aus und stellte in dessen Namen die Pläne vor. Es gehe „um die Grundlage für Datenverfügbarkeit und -souveränität in Europa“, sagte er.

Auf Initiative des Ministeriums soll eine „sichere und vertrauenswürdige Dateninfrastruktur für Europa“ entstehen. Die Dienste verschiedener Unternehmen sollen zu einem „homogenen, nutzerfreundlichen System“ vernetzt werden – ein virtueller Verbund aus Konzernen, Mittelständlern und Start-ups also.

„Der Staat will kein Cloud-Anbieter werden“, betonte Jarzombek. Die Politik wolle „zwischen den vielen Inseln der Innovation eine Verbindung herstellen“. Gaia X soll Schnittstellen für den Datenaustausch und Komponenten wie Identifikationsdienste zur Verfügung stellen. Es gehe um Moderation und Unterstützung, so der Politiker.

Ein wichtiger Bestandteil werde schon erprobt und genutzt, sagte Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU): Die Fraunhofer-Gesellschaft habe mit der Initiative „International Data Spaces“ eine Architektur für die sichere Speicherung von Daten entwickelt. Nun müsse die IT-Wirtschaft mitmachen: „Gaia X steht und fällt mit Ihrer Unterstützung“, appellierte sie.

Gaia X gilt als ein Projekt, das die Abhängigkeit Europas von amerikanischen Unternehmen verringern soll. Diese seien gut und erfolgreich, sagte Jarzombek. Aber: „Was heißt es, wenn am Ende alle unsere Daten auf Plattformen prozessiert werden, auf die wir keinen Einfluss haben?“, fragte der Politiker. Die Antwort überließ er den Zuhörern.

Unmut bei den amerikanischen Unternehmen

Diese Rhetorik, die auf dem Digitalgipfel immer wieder zu hören war, sorgte bei den Unternehmen aus den USA jedoch für Unmut. Es sei sinnvoll, „Verknüpfungsmöglichkeiten für die Datenwelten“ zu schaffen, sagte Matthias Hartmann, Chef von IBM Deutschland, dem Handelsblatt – das ermögliche auch, kleine und mittelständische Anbieter einzubinden.

„Ich wehre mich aber gegen eine platte Abgrenzung danach, wo der Hauptsitz eines Unternehmens ist“, betonte Hartmann. Entscheidend sei der Umgang mit den Daten. IBM Deutschland sei beispielsweise eine deutsche GmbH. „Bei uns fließen keine Daten aus den zertifizierten Rechenzentren ab.“ Datenschutz und Datensicherheit hätten „höchste Priorität“.

Trotz der Positionierung gegen die US-Unternehmen können sich ausländische Anbieter an dem Projekt beteiligen: „Die Mitwirkung steht auch Marktteilnehmern außerhalb Europas offen, die unsere Ziele der Datensouveränität und Datenverfügbarkeit teilen“, heißt es in dem Konzept.

Ein Ausschluss dürfte aus mehreren Gründen heikel sein – wettbewerbsrechtlich und handelspolitisch, aber auch ökonomisch: Viele Unternehmen arbeiten längst mit den großen Cloud-Anbietern zusammen, Volkswagen vernetzt beispielsweise alle Fabriken in Kooperation mit Amazon Web Services (AWS). Ohne die Konzerne geht es nicht.

Auch für IBM sei eine Beteiligung grundsätzlich denkbar, sagte IBM-Manager Hartmann, gerade in Hinblick auf das Thema Open Source. Damit das Angebot am Markt eine Chance habe, müsse es aber schnell verfügbar sein: „Kein Unternehmen wird es sich leisten können, auf die Gaia-X-Umsetzung zu warten.“ Die Digitalisierung sei dafür ein großer Treiber.

Offene Fragen zu Organisation und Finanzierung

Viele Fragen blieben am Dienstag jedoch offen. Die Gründung der Organisation soll möglichst im Frühjahr 2020 erfolgen, als Rechtsform ist eine europäische Genossenschaft denkbar (SCE). Das ist jedoch noch offen, ebenso die Finanzierung: Jarzombek stellte zwar Haushaltsmittel in Aussicht, nannte jedoch nicht die Höhe.

Der Livebetrieb soll Ende 2020 mit ersten Anbietern und Anwendern beginnen, wie der Politiker erklärte – „das ist angesichts der Komplexität durchaus anspruchsvoll“. Unklar ist aber bislang, welche Technologie dann zur Verfügung steht und welche Lösungen dabei sein werden.

Ein europäischer Cloud-Anbieter sei für den Erhalt der digitalen Souveränität „unbedingt erforderlich“, kritisierte daher beispielsweise Jörg Bienert, Vorsitzender des KI Bundesverbands. Aber: „Die jetzt vorgestellten Konzepte von Gaia X sind noch sehr vage und zu wenig aus Kundensicht gedacht.“ Es brauche mehr konkrete Anwendungen.

Mehr: Deutschland und Frankreich arbeiten beim Aufbau einer europäischen Cloud eng zusammen. US-Konzerne wie Microsoft warnen vor Datenprotektionismus.

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