Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Digitalisierung Bund will Digitalisierungshilfen für den Mittelstand ausweiten

Bislang sind für das Förderprogramm 203 Millionen Euro veranschlagt. Aufgrund der starken Nachfrage sollen die Hilfen aufgestockt werden. Doch es gibt einen Haken.
15.06.2021 - 04:00 Uhr Kommentieren
Mit den Mitteln aus dem Förderprogramm „Digital jetzt“ können zum Beispiel Investitionen in den 3D-Druck finanziert werden. Quelle: dpa
3D-Drucker

Mit den Mitteln aus dem Förderprogramm „Digital jetzt“ können zum Beispiel Investitionen in den 3D-Druck finanziert werden.

(Foto: dpa)

Berlin Der Bund will die Förderung für die Digitalisierung des Mittelstands ausbauen. Das Ganze hat jedoch einen Haken: Bisher sind noch keine der bewilligten Gelder ausbezahlt worden. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Grünen-Bundestagsfraktion hervor, die dem Handelsblatt vorliegt.

Mit Blick auf das seit September 2020 geltende Förderprogramm des Bundes „Digital jetzt“ heißt es in dem Dokument: „Aufgrund der starken Nachfrage ist eine finanzielle Ausweitung des Programms beabsichtigt.“ Eine konkrete Summe wird in der Antwort nicht genannt.

Bislang sind für das bis Ende 2023 laufende Förderprogramm 203 Millionen Euro veranschlagt. Laut Regierungsangaben sind seit dem Start von „Digital jetzt“ über 1650 Förderanträge eingegangen. Diese haben demnach ein Gesamtinvestitionsvolumen von über 163 Millionen Euro. Mehr als 1100 der Anträge seien final geprüft und bearbeitet worden.

Hierbei seien den Unternehmen insgesamt etwa 39 Millionen Euro an Förderung bewilligt worden, bei einer durchschnittlichen Förderquote von 51 Prozent. Allerdings seien noch „keine Mittel abgeflossen“.

Die Bearbeitungsdauer, also die Zeit zwischen Antragstellung bis Antragsbewilligung, belaufe sich derzeit auf acht bis zehn Wochen, heißt es in der Antwort. Gelder könnten jedoch erst nach einer Prüfung der „Verwendungsnachweise“ ausgezahlt werden.

Das Problem dabei: Um die Nachweise einreichen zu können, muss das Vorhaben „vollständig“ abgeschlossen sein. Die Umsetzungsgeschwindigkeit entscheide somit maßgeblich darüber, wie schnell nach Bewilligung des Antrags die Fördermittel ausgezahlt werden können, heißt es in der Regierungsantwort. „Die überwiegende Zahl der bewilligten Projekte befindet sich noch in der Umsetzungsphase.“

Grüne fordern Beschleunigung und besseres Förderprogramm

Der Grünen-Digitalexperte Dieter Janecek kritisierte den verzögerten Mittelabfluss. „Da geht endlich ein Förderprogramm die Bedarfe der Wirtschaft an – und dann kommt das Wirtschaftsministerium damit nicht hinterher“, sagte der Bundestagsabgeordnete dem Handelsblatt.

Beim viel beschworenen Digitalisierungsschub, gerade für den gebeutelten Einzelhandel, greife das Programm zudem „viel zu kurz“. Es komme „zu spät und ist zu umständlich“, fügte Janecek hinzu. „Digital jetzt“ gehöre daher „umgehend verbessert“, und das Verfahren müsse beschleunigt werden, „denn es wird dringend bei den Unternehmen gebraucht“.

Das Förderprogramm „Digital jetzt“ richtet sich an kleine und mittlere Unternehmen (KMU) mit drei bis 499 Beschäftigten. Mit Zuschüssen will das Bundeswirtschaftsministerium von Ressortchef Peter Altmaier (CDU) Investitionen in digitale Technologien unterstützen.

Grafik

Der Handwerksverband ZDH lobt die Stoßrichtung des Programms, bemängelt jedoch, dass es von Beginn an bei der Umsetzung der Förderung haperte. Die Nachfrage sei riesig, die Verfahren passten aber nicht, sagte der Generalsekretär des Verbands, Holger Schwannecke, dem Handelsblatt. Zudem reichten die bereitgestellten Mittel nicht aus, um eine genügende Anzahl von Unternehmen in der gebotenen Schnelligkeit zu fördern.

Digitalisierungshilfen: Wirtschaft sieht Verbesserungsbedarf

„Was als Turbolader für die Digitalisierung mittelständischer Unternehmen gedacht war, hat sich in der Umsetzung eher als Fehlzündung erwiesen“, sagte Schwannecke. Dabei gehe „Digital jetzt“ prinzipiell in die richtige Richtung. „Das Programm füllt eine Lücke in der bundesweiten Förderlandschaft und kann helfen, den notwendigen digitalen Entwicklungssprung vieler kleiner und mittlerer Unternehmen einzuleiten.“

Mit den Mitteln können zum Beispiel Investitionen in Hard- und Software, 3D-Druck, Künstliche Intelligenz, neue Webauftritte oder IT-Sicherheit finanziert werden. Unterstützt wird zudem die Weiterbildung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu Digitalthemen.

Laut der Regierungsantwort entfallen 44 Prozent der bisher eingereichten Anträge auf Unternehmen mit einer Unternehmensgröße von elf bis 50 Mitarbeitenden, gefolgt von Unternehmen mit einer Unternehmensgröße von drei bis zehn Mitarbeitenden (29 Prozent).

Mit Blick auf einzelne Branchen liegt das verarbeitende Gewerbe (25 Prozent) bei der Zahl der Förderanträge vorn, gefolgt vom Handel (14 Prozent), dem Gesundheits- und Sozialwesen (zwölf Prozent), dem Baugewerbe (zehn Prozent) und sonstigen Dienstleistungen (zehn Prozent).

Der Handelsverband HDE sieht insbesondere die zögerliche Auszahlung der Fördermittel ebenfalls kritisch. „Denn wenn das Unternehmen die Maßnahme umgesetzt und einen Verwendungsnachweis erbracht hat, kommt es nochmals zu einer Prüfung, bevor der Zuschuss ausgezahlt wird. Und hier dauert es dann eben oft zu lange“, sagte der stellvertretende HDE-Hauptgeschäftsführer Stephan Tromp dem Handelsblatt. „Derart langwierige Prozesse sind gerade in Krisenzeiten für die Unternehmen nicht tragbar.“

Zudem reiche das Programm nicht aus, um dem oft unverschuldet durch die Coronakrise in Not geratenen Nicht-Lebensmittelhandel eine echte Zukunftsperspektive zu geben, sagte Tromp weiter. „Die Rücklagen sind hier meist in der Pandemie aufgebraucht worden, viele können nicht mehr in ihre Zukunftsfähigkeit und die Digitalisierung investieren.“ Deshalb sei ein Digitalisierungsfonds in Höhe von 100 Millionen Euro notwendig, der diesen Händlern aus ihrer schwierigen Lage helfe.

Mehr: „Umbauprogramm mit historischer Dimension“: Grünen-Kanzlerkandidatin Baerbock wirbt für Industriepakt

Startseite
Mehr zu: Digitalisierung - Bund will Digitalisierungshilfen für den Mittelstand ausweiten
0 Kommentare zu "Digitalisierung: Bund will Digitalisierungshilfen für den Mittelstand ausweiten"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%