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Digitalisierung CSU-Staatsministerin Bär fordert „Digitalkunde“ als Pflichtfach ab der Grundschule

Der Digitalpakt zwischen Bund und Ländern soll helfen, Schüler für Digitalisierung fit zu machen. Damit das auch gelingt, hat CSU-Staatsministerin Bär eine Forderung.
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„Bildung ist ohne digitale Bildung nicht mehr denkbar.“ Quelle: dpa
Dorothee Bär

„Bildung ist ohne digitale Bildung nicht mehr denkbar.“

(Foto: dpa)

BerlinNach langem Streit ging dann doch alles sehr schnell: Keine 24 Stunden nach der Einigung über den Digitalpakt zwischen Bund und Ländern gab der Bundestag diese Woche grünes Licht für die Änderung des Grundgesetzes.

Nun soll schon bald frisches Geld an die Schulen fließen – versprochen sind insgesamt fünf Milliarden Euro vom Bund für die Ausstattung der Schulen mit digitalen Geräten und Lernprogrammen. Parteiübergreifend wurde die Einigung als großer Fortschritt für die Bildungslandschaft in Deutschland gefeiert. Selbst die Linke lobte: „Das ist gut fürs Land.“

Den Praxistest muss der Pakt aber erst noch bestehen. Denn die Herausforderungen sind gewaltig. Allein mit neuen Computern und Tablets oder einem besseren WLAN-Netz dürfte es nicht getan sein.

Es müssen wohl auch Lehrer fortgebildet werden, damit sie überhaupt in der Lage sind, die Schüler fit für die Digitalisierung zu machen. Geht es nach der Staatsministerin für Digitalisierung im Bundeskanzleramt, Dorothee Bär (CSU), dann beginnt die digitale Ausbildung schon ab der Grundschule mit „Digitalkunde“ als Pflichtfach.

Eine solches Schulfach ab der ersten Klasse sei „unbedingt“ notwendig. „Bildung ist ohne digitale Bildung nicht mehr denkbar“, sagte Bär dem Handelsblatt. „Wir brauchen altersgerechte Angebote von der Grundschule bis zum Abitur.“

Konkret stellt sich Bär vor, dass Schüler im Rahmen eines solchen Fachs in „Computational thinking“ (digitales Denken), Programmieren, Datenanalyse, Robotik, digitaler Ethik und neuen Ansätzen der Problemlösung unterrichtet werden. „Das brauchen wir nicht nur um unsere Wettbewerbsfähigkeit zu sichern, sondern auch unseren gesellschaftlichen Gestaltungsanspruch“, betonte die CSU-Politikerin. „Dafür müssen wir wirtschaftlich und technisch führend sein und die Digitalisierung in Köpfen und Herzen verankern.“

Mit ihrer Forderung trifft Bär einen wunden Punkt. Im vergangenen Jahr erst hatte der Bundesverband IT-Mittelstand von der Politik die Einführung des Schulfaches „Digitalkunde“ in Grundschulen verlangt. Damit solle in einer frühen Phase schon der Grundstein für ein tiefes Verständnis von Technologien vermittelt werden, die unseren Alltag schon heute bestimmen, sagte Verbandspräsident Oliver Grün seinerzeit anlässlich der Branchenmesse Cebit. Das wäre auch eine „große Chance“, Mädchen für Naturwissenschaften, Technik und Mathematik (MINT) zu gewinnen und nicht schon früh zu verlieren.

Ein Befürworter frühzeitiger digitaler Bildung ist auch der Beirat Junge Digitale Wirtschaft (BJDW). Das Gremium berät das Bundeswirtschaftsministerium zu aktuellen Fragen der digitalen Transformation. Beim Nationalen IT-Gipfel im November 2016 in Saarbrücken betonten die BJDW-Experten die Notwendigkeit, den Nachwuchs besser auf die Herausforderungen des digitalen Zeitalters vorzubereiten. Deswegen sollten digitale Kompetenzen zu einem „elementaren Bestandteil der Schulausbildung“ gemacht werden, sagte damals der Beirats-Vorsitzende Tobias Kollmann. „Das Ende der Kreidezeit ist längst erreicht.“

Regierungsberater: Bei digitaler Bildung „massiver Aufholbedarf“

Insbesondere beim Thema „Digitale Bildung“ in Deutschland sah das Berater-Gremium einen „massiven Aufholbedarf“. „Kinder, die heute zur Schule gehen, werden nach ihrem Abschluss von einer Arbeits- und Lebenswelt umgeben sein, die in einem hohen Maß von Computern gezeichnet ist, sowohl im privaten Umfeld als auch dem öffentlichen Bereich, zum Beispiel politische Bildung, Nachrichten, Vernetzung und Teilhabe“, erklärte der BJDW. Die Schule bereite jedoch mit den derzeitigen Lehrplänen nur „ungenügend“ auf diese Realität vor, bisherige Informatik- und Medienpädagogische Elemente seien „nicht ausreichend“.

Auch Bär ist der Auffassung, dass die Kinder früh für das Thema Internet sensibilisiert werden müssen. „Die Schulen haben hier eine wichtige Aufgabe“, sagte sie. Ansätze in diese Richtung gebe es schon. Themen wie Quellenkritik gebe es seit Langem im Geschichtsunterricht.

Fähigkeiten, wie man sich zwischen verschiedenen Informationsquellen zurechtfinde und wie man diese bewerte, seien heute mehr denn je wichtig. „Denn die Fülle an Informationen und die Formen der Kommunikation sind mit der Digitalisierung explodiert“, so Bär. Es müsse nun aber auch ein „Kanon von Schlüsselfertigkeiten und -fähigkeiten hinzukommen, damit Kinder und Jugendliche als mündige Bürgerinnen und Bürger die digitale Welt gestalten können“.

Einem Smartphone-Verbot für Kinder unter 14 Jahren, wie das jüngst die Internetexpertin im Fachbeirat des Missbrauchsbeauftragten der Bundesregierung, Julia von Weiler, gefordert hatte, erteilte Bär in diesem Zusammenhang eine klare Absage.

„Ich verstehe den Reflex, dass man Kinder und Jugendliche vor den dunklen Seiten des Internets schützen will. Dieses Gefühl ist absolut nachvollziehbar“, sagte die Staatsministerin. Mit der Forderung nach einem Verbot mache man es sich aber zu einfach. „Das Internet gehört zu unserem Leben dazu. Wir können uns nicht zurücklehnen und uns auf einem Smartphone-Verbot ausruhen, zumal ich die Aussicht auf dessen effektive Durchsetzungsmöglichkeiten auch infrage stelle.“

Vielmehr müssten alle „die herausfordernde, anstrengende, aber essentiell wichtige Aufgabe annehmen, uns an die Seite von Kindern und Jugendlichen zu stellen und sie für den richtigen Umgang mit dem Internet zu rüsten“.

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