Gesundheits-App Ada

Als App oder Desktop Variante hilft Ada Patienten unter Einsatz Künstlicher Intelligenz die Ursache vom Gesundheitsbeschwerden zu finden.

(Foto: ADA Health GmbH)

Digitalisierung Digitale Diagnose für Patienten – Versicherungsamt blockiert Gesundheits-Apps

Gesundheitsminister Spahn fordert mehr digitale Angebote für Versicherte. Das Problem: Das Bundesversicherungsamt stoppt Kassen, die genau das versuchen.
Kommentieren

Die Gesundheits-App Ada kann für Patienten eine große Hilfe sein: Sie gibt Antworten auf die Frage, welche Krankheiten am ehesten zu den Symptomen passen, die sie belasten.

Ada Health, das 2011 gegründete Berliner Start-up, hat daher großes Potenzial zu einem wertvollen digitalen Helfer in der ärztlichen Therapie zu werden.

Ada stellt dem User gezielt Fragen und vergleicht die gegebenen Antworten in Sekundenschnelle mit Tausenden von ähnlichen Fällen, um die wahrscheinlichen Ursachen zu ermitteln.

Jens Spahn ist ein Fan solcher Apps. Als Gesundheitsminister lässt er keine Gelegenheit aus, die Krankenkassen zu ermuntern, sinnvolle Angebote auch ihren Versicherten per Satzungsleistung zugänglich zu machen. Die Aufsichten, so Spahn, sollten entsprechende Anträge wohlwollend prüfen.

Doch genau dabei hakt es offensichtlich. „Vor allem das Bundesversicherungsamt geht bei diesem Thema streng nach den Buchstaben des Sozialgesetzbuchs V und anderer einschlägiger Regelungen vor,“ klagt Hans Unterhuber, Vorstandschef der Siemens BKK (SBK).

Apps wie der Diagnose-Geber Ada haben da schlechte Karten. Nach dem Sozialrecht darf eine Diagnose nämlich nur von einem Mediziner ausgesprochen werden.

Das gleiche Problem taucht auch bei Selfapy auf. Die Gesundheits-App bietet Menschen mit psychischen Erkrankungen wie Depressionen, Angst oder Essstörungen online Hilfe.

Das Unternehmen setzt mit seinen Angeboten im Gegensatz zur klassischen Psychotherapie schon an, wenn erste Symptome einer Erkrankung auftreten und gibt dabei Hilfe zur Selbsthilfe über ein Online-Coaching.

Auch Selfapy wurde genau wie Ada vom Bundesversicherungsamt nicht genehmigt. Eine Begründung dafür war auch, dass sich beide Apps schwer einordnen lassen in den klassischen Leistungskatalog einer gesetzlichen Krankenversicherung.

Apps als Hilfsmittel

Als genehmigungsfähiges Heilmittel kommen sie nicht in Frage, weil Heilmittel eine persönliche Leistungserbringung voraussetzen etwa durch einen Physiotherapeuten oder einen Logopäden. Bleibt nur die Option, die Apps als Hilfsmittel einzuordnen. Doch auch dieses darf von einer Krankenkasse nur dann bezahlt werden, wenn es zuvor von einem Arzt verordnet wurde.

„Auf den Punkt gebracht: Es gibt im Paragraphendschungel bisher keinen klaren Ort für digitale Angebote“, sagt Unterhuber. Das müsse sich schleunigst ändern.

Der Vorstandschef der Siemens BKK hat eine Reihe von Paragraphen ausgemacht, die geändert werden müssten, um den Kassen die Möglichkeit zu geben, Gesundheits-Apps für ihre Versicherten zu bezahlen und den dafür nötigen Austausch und die Aufbereitung von Daten rechtssicher zu regeln.

So sollte den Kassen ausdrücklich erlaubt werden, mit Anbietern von Gesundheits-Apps Verträge zu schließen, wenn deren Leistungsangebote nicht vom Gemeinsamen Bundesausschuss explizit als für die medizinische Versorgung ungeeignet ausgeschlossen worden sind.

Bisher können digitale Versorgungsangebote nur über Verträge mit vertragsärztlichen Leistungserbringern vertraglich geregelt werden. In Zukunft sollten Verträge direkt mit Medizinprodukteherstellern geschlossen werden können, die digitale Leistungen anbieten.

Es sei einfach ärgerlich, sagt Unterhuber, dass alle neu auf den Markt kommenden Gesundheits-Apps, von jedem der will, genutzt werden könnten. Aber auf eigene Bezahlung und ohne Orientierung, was sinnvoll ist – und was nur Scharlatanerie.

„Dürften wir Kassen uns hier engagieren, könnten wir die Angebote begleiten, mit den Anbietern weiterentwickeln und Qualitätsstandards für unsere Kunden definieren“, so Unterhuber.

Dass es dabei auch um Leben und Tod gehen kann, lässt sich am Beispiel des Start-ups Preventicus zeigen. Es hat Produkte entwickelt, mit deren Hilfe via Smartphone oder Smartwatch Anzeichen eines drohenden Schlaganfalls frühzeitig erkannt werden.

Die SBK hat sich mit vier weiteren Krankenkassen, der BIG Gesund, der Hanseatischen Krankenkasse, der MH Plus und der IKK Südwest in der Initiative Healthy Hub zusammengeschlossen, um Start-ups eine Plattform für den Markteintritt in den ersten, also den über die Krankenkassen finanzierten Gesundheitsmarkt zu bieten.

Die Kassen fürchten nun, dass die Initiative zum Rohrkrepierer wird – trotz der verbalen Unterstützung durch den Bundesgesundheitsminister.

Startseite

Mehr zu: Digitalisierung - Digitale Diagnose für Patienten – Versicherungsamt blockiert Gesundheits-Apps

0 Kommentare zu "Digitalisierung: Digitale Diagnose für Patienten – Versicherungsamt blockiert Gesundheits-Apps"

Bitte bleiben Sie fair und halten Sie sich an unsere Community Richtlinien sowie unsere Netiquette. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar. Wir behalten uns vor, Leserkommentare, die auf Handelsblatt Online und auf unser Facebook-Fanpage eingehen, gekürzt und multimedial zu verbreiten.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%