Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Digitalisierung Internetexpertin der Bundesregierung will Smartphone-Verbot für Kinder unter 14 Jahren

In Frankreich gibt es seit kurzem ein Handyverbot in Schulen. In Deutschland fordert nun eine Regierungsberaterin sogar ein generelles Verbot für Kinder.
Update: 15.02.2019 - 14:16 Uhr 1 Kommentar
Einige Experten fordern auch in Deutschland ein Verbot, die Politik hält dies nicht für nötig.
Kind mit Smartphone

Einige Experten fordern auch in Deutschland ein Verbot, die Politik hält dies nicht für nötig.

Düsseldorf, BerlinFür Julia von Weiler ist die Sache ganz einfach. Die Regierungsberaterin fordert ein Smartphone-Verbot für Kinder unter 14 Jahren. „So, wie wir Kinder vor Alkohol oder anderen Drogen schützen, sollten wir sie auch vor den Risiken einer zu frühen Smartphone-Nutzung schützen“, sagte die Internetexpertin im Fachbeirat des Missbrauchsbeauftragten der Bundesregierung der Funke-Mediengruppe.

Weiler erhofft sich davon vor allem Fortschritte im Kampf gegen die Verbreitung von Nacktbildern von Gleichaltrigen. „Täter und Opfer werden immer jünger“, sagte von Weiler. Schon Neun- bis Elfjährige schauten heutzutage pornografische Bilder. Von Weiler ist auch Vorsitzende von Innocence in Danger. Der Verein engagiert sich für Kinderschutz im Internet.

Der IT-Verband Bitkom kritisierte die Forderung scharf. „Verbote sind keine Antwort auf die Digitalisierung“, sagte Bitkom-Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder dem Handelsblatt. „Wer schwarz-weiß denkt und Handys einfach verbieten will, macht es sich zu einfach.“

Rohleder gab zu bedenken, dass fast 90 Prozent aller 13-jährigen heute ein Smartphone verwendeten. „Das ist die Realität.“ Sie nutzten es vor allem für die Kommunikation mit Freunden und der Familie (86 Prozent), für Spiele (84 Prozent) sowie zur Recherche von Informationen (36 Prozent).

Es gehe daher nicht darum, ob, sondern wie Kinder Smartphones nutzten. Kinder und Jugendliche sollten aus Rohleders Sicht „frühzeitig lernen, verantwortungsvoll mit Handys umzugehen und sich sicher, souverän und selbstbewusst in der digitalen Welt zu bewegen“. „Genauso wie Lesen und Schreiben sollte Medien- und Digitalkompetenz in den Schulen vermittelt werden“, sagte der Bitkom-Hauptgeschäftsführer. Außerdem seien Eltern gefordert, ihre Kinder in der digitalen Welt ebenso zu begleiten wie in der analogen Welt.

Die Polizei bestätigt indes die Entwicklung, die von Weiler anprangert. „Die Zahl der Anzeigen in diesem Bereich ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen“, sagte Judith Dobbrow vom Landeskriminalamt. Die Ermittler seien inzwischen im Schnitt alle zwei Wochen in einer Schule, um dort einer Anzeige nachzugehen.

Die französische Nationalversammlung brachte im Juni 2018 ein Handyverbot in Schulen auf den Weg. Dies war ein Wahlkampfversprechen des heutigen Präsidenten Emmanuel Macron. Die Entscheidung stieß auch in Deutschland eine neue Debatte an.

Hierzulange gibt es bisher keine einheitlichen Regelungen, weil die Bundesländer für Bildung zuständig sind. Meist ist es nur untersagt, das Smartphone während des Unterrichts zu nutzen. In Bayern beschloss die Landesregierung im Jahr 2006 ein generelles Nutzungsverbot für Handys. Smartphones müssen an Schulen seitdem ausgeschaltet sein.

Der Psychiater und Buchautor Manfred Spitzer fordert ein generelles Verbot für Schüler. Handys schadeten der Gehirnentwicklung, erklärte er im September in der Talkshow „Hart aber fair“. Er sieht Kurzsichtigkeit sowie Aufmerksamkeits- und Angststörungen bei Kindern als Folge intensiver Smartphone-Nutzung und will mobile Telefone deshalb sogar erst ab 18 Jahren erlauben.

Helmut Holter, der damalige Präsident der Kultusministerkonferenz, sprach sich im Sommer gegen ein bundesweites Verbot aus. „Ich bin der Überzeugung, dass die Schulen selbst entscheiden sollten, ob es ein partielles oder ein generelles Verbot im eigenen Haus geben soll“, sagte der Linkenpolitiker, der Thüringer Bildungsminister ist. Auch in den Ländern gibt es wenig Zustimmung für die Forderung nach einem Verbot.

Die Kultusministerin von Baden-Württemberg, Susanne Eisenmann, sprach sich im Juli 2018 dagegen aus. In der Schule seien gemeinsame Regeln im Umgang mit Handys für ungestörten Unterricht unausweichlich. Dennoch stellte sie in den „Stuttgarter Nachrichten“ klar: „Das Handy ist für die meisten von uns ein ständiger Begleiter im Alltag. Dagegen ist auch nichts einzuwenden.“

Johannes-Wilhelm Rörig, der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, hält nicht allzu viel von der Forderung nach einem Smartphone-Verbot. „Eine gesetzliche Altersbeschränkung für Smartphones wäre möglicherweise eine schnelle und vermeintlich einfache Lösung“, sagte er der Funke-Mediengruppe. Dies löse aber nicht das Grundproblem des fehlenden Schutzes im Netz.

Mit Agenturmaterial

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

Mehr zu: Digitalisierung - Internetexpertin der Bundesregierung will Smartphone-Verbot für Kinder unter 14 Jahren

1 Kommentar zu "Digitalisierung: Internetexpertin der Bundesregierung will Smartphone-Verbot für Kinder unter 14 Jahren"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Man will Kinder fitter machen für die digitale Welt, die digitale Ausstattung der Schulen verbessern und gleichzeitig Kindern die Benutzung der Technik verbieten.