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Digitalisierung Sind iPads an Schulen überhaupt sinnvoll?

Während Deutschland die Digitalisierung an Schulen gerade erst einführt, sind Tablets an niederländischen Schulen schon längst Pflicht. Eine Lehrerin aus Amsterdam erzählt, warum sie trotzdem Stifte und Hefte einsetzt.
  • Dana Hajek
27.03.2019 - 09:14 Uhr Kommentieren
Schuljunge mit Tablet
Schuljunge mit Tablet

„Momentan bin ich mehr damit beschäftigt, den Schülern zu sagen, sie sollen das iPad weglegen.“ (Foto: Imago)

Dieser Artikel ist am 27. März 2019 bei Orange - dem jungen Portal des Handelsblatts - erschienen.

Deutschland steht mit iPads in Schulen noch ziemlich am Anfang. In keinem anderen Industrieland kommen Computer in Schulen so selten zum Einsatz wie bei uns. Das soll sich mit dem „Digitalpakt“ ändern. Fünf Milliarden Euro zahlt die Regierung an die Bundesländer, damit sie WLAN, intelligente Tafeln, Laptops und Tablets an Schulen bringen können.

iPads an Schulen: „Der größte Nachteil ist die Ablenkung!“

Unser Nachbarland Niederlande ist da schon eine Klasse weiter: Die 24-Jährige Sanne ist seit September Spanisch-Lehrerin auf einem Gymnasium in Amsterdam, iPads gehören an ihrer Schule zur Standardausstattung. Sie nutzt sie trotzdem nur selten. Ich habe sie angerufen und gefragt, woran das liegt.

Sanne, benutzen viele Schulen in den Niederlanden Tablets?
Ja. Nicht nur weiterführende Schulen, sondern schon in der Grundschule. Wobei ich sagen muss, dass viele Schulen das iPad-Programm zwar probiert haben, aber es sich dann nicht durchsetzen konnte. Die Hälfte der Schulen in den Niederlanden, die damit angefangen haben, haben relativ zeitig aufgehört, iPads zu benutzen.

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    Warum?
    Im Vergleich zur klassischen Lehre mit Textbüchern ist der iPad-Unterricht komplett anders. Eigentlich bräuchtest du alle Methoden, mit denen du gerne unterrichten würdest, auf dem elektronischen Gerät. Das funktioniert aber nicht.

    Wie läuft dein Unterricht konkret ab?
    Für Spanisch drucke ich die Übungen aus, das Textbuch lesen die Schüler auf ihren iPads. Sie lesen Texte auf dem Tablet und schreiben dann Antworten zu Fragen auf die ausgedruckten Übungsbögen. Manchmal nutzen wir die iPads, um Youtube-Videos anzugucken oder etwas online nachzuschauen.

    Was ist der größte Nachteil der digitalen Geräte?
    Definitiv die Ablenkung durch Social Media und Gaming-Apps. Du brauchst viel Disziplin, insbesondere als Teenager, während des Unterrichts nicht auf die Apps zu gehen. Wenn ich vor der Klasse stehe, sehe ich nicht alles und da passiert es schnell, dass Schüler mit zwei Klicks eine App oder ein Spiel öffnen. Dann beschäftigen sie sich nicht mehr mit Spanisch.

    Betrifft das alle Altersklassen?
    Die älteren Schüler sind verantwortungsvoller. Sie wissen, dass sie Klausuren bestehen müssen, deswegen lassen sie die Apps ungeöffnet und konzentrieren sich auf den Unterricht. Für die Jüngeren ist es natürlich ein Erlebnis, nach dem Motto: Oh, ich kann ein Riesentelefon in der Klasse benutzen mit allen Apps, die ich mag. Überall Ablenkung! Super!

    Musst du deine Klasse häufiger ermahnen, das iPad wegzulegen?
    Leider ja. Mittlerweile gibt es aber das Programm „ZuluDesk“, mit dem die Lehrerin entscheiden kann, welche App die Schüler öffnen dürfen und welche nicht. Wenn das wirklich funktioniert, dann bin ich zuversichtlich. Momentan bin ich mehr damit beschäftigt, den Schülern zu sagen, sie sollen das iPad weglegen, als zu unterrichten.

    Was magst du gerne am Unterrichten mit iPads?
    Lern-Apps. Zum Beispiel benutze ich Kahoot, Socrative, Quizzlet und Flipquiz. Das sind Programme, mit denen man sehr simpel ein Quiz erstellen kann, das ich dann mit Spanisch-Aufgaben fülle. Es bietet sich wunderbar an, wenn man ein neues Grammatik-Thema behandelt. Alle können mitmachen, entweder alleine, in Teams oder im Wettbewerb. Da gibt es viele Möglichkeiten.

    Was noch?
    Was wirklich praktisch ist: Man kann zwischen den verschiedenen Spanisch-Niveaus der Kinder unterscheiden. Dann sage ich zu der einen Schülerin, sie soll auf einen bestimmten Link oder eine Website klicken – und ein anderer lieber auf eine andere. Je nach individuellem Level.

    Was soll in Zukunft im iPad-Unterricht besser werden?
    Ich finde, die App „ZuluDesk“ ist ein guter Anfang. Das Problem ist aber, dass viele Schüler ein privates iPad im Unterricht nutzen, das muss man erst für die App registrieren. Das dauert lange, weil jeder einzelne Schüler sein iPad zum Sekretariat bringen muss, um das Programm runterzuladen. Dafür müssen die Schüler ihr OK und die Eltern eine schriftliche Einwilligung geben.

    Hattest du eine Schulung, bevor du das iPad im Unterricht benutzt hast?
    Nein. Aber ich hatte Glück, weil ich mein letztes Praktikum an einer iPad-Schule gemacht habe. Die haben mir damals ein iPad und Laptop geliehen und so hatte ich ein ganzes Jahr, um mich daran zu gewöhnen. Wenn die Erfahrung nicht gewesen wäre, wäre die jetzige Schule die Erste, an der ich ein iPad benutze.

    Wie sieht es mit technischen Problemen aus?
    Das passiert leider oft. Mal ist das iPad nicht richtig geladen oder das WLAN zu langsam, deswegen können Programme nicht geöffnet werden. Für technische Probleme haben wir einen IT-Service in der Schule. Denen schreiben wir dann eine Mail oder die Schüler gehen dorthin, wenn es wirklich nötig ist.

    Hast du einen Ratschlag für Lehrer, die künftig mit iPads unterrichten wollen?
    Schaut euch nach Apps wie „ZuluDesk“ um. Und die Quiz-Apps kann ich auch für untere Klassen sehr empfehlen. Die Jüngeren fühlen sich nämlich in einem digitalen Lernumfeld sehr wohl. Außerdem sind iPads auch klasse, um Sprachaufnahmen, Videos und Fotos zu machen.

    Vielen Dank für das Gespräch, Sanne!

    Mehr: Was sich Schulen in Sachen Digitalisierung von der Wirtschaft abschauen können

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