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Digitalisierung Spahn erkundet Blockchain-Lösungen für das Gesundheitswesen

Bei der Digitalisierung des Gesundheitswesens will Minister Spahn auch die Möglichkeiten der Blockchain-Technologie nutzen. Die Krankenkassen zögern noch.
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Was genau die Blockchain-Technologie zur von Spahn vorangetriebenen Digitalisierung des Gesundheitssystems beitragen kann, weiß man im Ministerium auch noch nicht. Quelle: dpa
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Was genau die Blockchain-Technologie zur von Spahn vorangetriebenen Digitalisierung des Gesundheitssystems beitragen kann, weiß man im Ministerium auch noch nicht.

(Foto: dpa)

Bislang ist es nicht mehr als ein Ideenwettbewerb: Das Bundesgesundheitsministerium hat Start-ups und Forscher aufgerufen, Konzepte für die Anwendung der Blockchain-Technologie im Gesundheitsbereich einzureichen. Die dezentralen Datenbanken im Internet seien „eine der spannendsten, eine der verheißungsvollsten neuen Technologien, die durch die Digitalisierung kommen“, sagt Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU).

Seit der Ausschreibung im Herbst sind nach Angaben des Ministeriums mehr als 100 Bewerbungen eingegangen. Sie werden von einem Expertengremium bewertet, ausgesuchte Vorschläge sollen Ende Februar bei einer „Zukunftswerkstatt“ im Gesundheitsministerium vorgestellt werden. Die besten Ideen werden mit Preisgeldern von insgesamt 30.000 Euro prämiert.

Was genau die Blockchain-Technologie zur von Spahn vorangetriebenen Digitalisierung des Gesundheitssystems beitragen kann, weiß man im Ministerium auch noch nicht. Vielleicht könnten die Datenketten beim Aufbau eines Registers der Organspender in Deutschland zum Einsatz kommen, vielleicht bei Einverständniserklärungen von Patienten, ihre Gesundheitsdaten für Forschungsprojekte zur Verfügung zu stellen.

Alle würden über Blockchain reden, sagt Spahn. Oft sei es aber schwierig, jenseits von der Kryptowährung Bitcoin konkrete Anwendungsfälle zu finden. Daher wolle man im Gesundheitsministerium ein „Gefühl“ für mögliche Einsatzbereiche bekommen.

Durch den – mittlerweile abgeflauten – Bitcoin-Hype hat das Schlagwort Blockchain auch in der Bundesrepublik eine breitere Öffentlichkeit erreicht. Vereinfacht gesagt handelt es sich dabei um ständig wachsende Datenketten, die auf die Computer der Netzwerkteilnehmer verteilt gespeichert sind.

Mit jeder Aktualisierung des Datensatzes kommt ein verschlüsselter Block hinzu, der mit der Geschichte der Blockchain verknüpft ist. Änderungen an den gespeicherten Informationen sind also für alle Beteiligten nachvollziehbar.

Die kollektiv geführten Datenbanken bieten besseren Schutz vor Manipulationen und Cyberangriffen – so sehen es jedenfalls die Fans der Technologie. Gerade in einem so sensiblen Bereich wie den Gesundheitsdaten sollte die Sicherheit an erster Stelle stehen, meint Daniel Nill von der Berliner Digitalagentur Turbine Kreuzberg.

In einem Projekt mit Studenten der Berlin Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) hat Nills Agentur ein Konzept für eine elektronische Patientenakte entwickelt, das auf der Blockchain-Technologie aufbaut. Die Vernetzung der bislang auf Ärzte, Kliniken und Krankenkassen verstreuten Patientendaten ist das Herzstück von Spahns Digitalagenda. Bis spätestens 2021 müssen die Kassen ihren Versicherten eine digitale Akte bereitstellen.

Die Berliner Studenten schlagen eine „dezentrale elektronische Gesundheitskette“ vor, in der Patientendaten gespeichert werden. Anders als bei öffentlichen Blockchains, bei der Transaktionen für jeden einsehbar sind, wäre der Zugang nur autorisierten Teilnehmern wie Krankenkassen, Ärzten und Patienten erlaubt.

Medizinische Dokumente wie Röntgenbilder würden in Datenschnipsel aufgeteilt und jedes Puzzlestück an einem anderen Ort im Netzwerk gespeichert. Mit einem digitalen Schlüssel können sie wiederhergestellt werden. Die Kassen, so die Idee, könnten mit ihren Apps auf die Gesundheitskette aufsetzen.

Krankenkassen reagieren zurückhaltend

Während Blockchain-Anhänger wie Nill auf die Überlegenheit der Datenketten schwören, sind die Krankenkassen zurückhaltend. „Wir behalten die laufende Entwicklung im Auge, sehen aber derzeit noch keine sinnvollen Einsatzmöglichkeiten“, heißt es etwa beim Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV).

Der AOK-Bundesverband teilte mit, es sei zwar grundsätzlich denkbar, die Blockchain-Technologie zu nutzen. Konkrete Planungen gebe es aber noch keine. Ähnlich reserviert gibt sich die Techniker Krankenkasse (TK): Man prüfe, „ob sich für uns interessante Anwendungsmöglichkeiten ergeben“.

Etwas mehr Fantasie hat die Barmer. Als Einsatzmöglichkeit sieht die zweitgrößte deutsche Krankenkasse das geplante Transplantationsregister, das die Daten von Organspendern und -empfängern zusammenführen soll. Denkbar seien Blockchain-Anwendungen auch bei Registern für meldepflichtige Krankheiten oder bei der Nachverfolgung von Arzneimittel-Lieferketten.

Allerdings schränkt die Barmer ein: Viele der diskutierten Anwendungsfälle würden Probleme adressieren, für die bereits technische Lösungen bestünden. „Letztlich muss die Frage beantwortet werden, ob mit der Blockchain-Technologie Anwendungen besser etabliert werden können als mit herkömmlichen Technologieansätzen.“ So interessant diese Technologie auch sei: „Wir werden allein deshalb jedenfalls kein Projekt starten.“

Die DAK prüfte nach eigenen Angaben zwischenzeitlich, ein Bonusprogramm auf Blockchain-Basis einzuführen. In einem digitalen Bonusheft könnten die Leistungen in Echtzeit verwaltet und abgerechnet werden. Damit würde für die Versicherten der Aufwand entfallen, Papierformulare beim Arzt abstempeln zu lassen. Das Vorhaben sei aber zurückgestellt worden, unter anderem wegen des ungeklärten rechtlichen Rahmens.

Auch bei der Digitalakte analysierte die DAK das Potenzial der Blockchain-Technologie. Allerdings habe es keine „auch nur ansatzweise praktikablen Vorschläge“ gegeben, erklärte die drittgrößte deutsche Krankenkasse. Ein Problem seien nicht zuletzt die riesigen Datenmengen, schließlich wachse die Blockchain mit jeder neuen Transaktion immer weiter.

Ohnehin haben sich Spahn und die Akteure im Gesundheitssystem zumindest bei der elektronischen Patientenakte bereits festgelegt: Im September einigten sich Krankenkassen und Ärzteschaft unter Aufsicht des Gesundheitsministeriums auf eine einheitliche Architektur, die unter anderem eine zentrale Speicherung der Patientendaten auf Servern in Deutschland vorsieht.

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