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DIHK-Ausbildungsumfrage 17.000 Firmen erhalten keine einzige Bewerbung auf ausgeschriebene Lehrstellen

Der Fachkräftemangel zeigt sich schon in den Ausbildungsbetrieben. Jeder dritte Betrieb kann nicht alle Lehrstellen besetzen.
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Immer mehr Studienabbrecher nutzen anschließend die duale Ausbildung. Quelle: obs
Elektrotechniker

Immer mehr Studienabbrecher nutzen anschließend die duale Ausbildung.

(Foto: obs)

BerlinWer in diesen Sommertagen durch die Innenstädte radelt oder auf der Autobahn im Stau steht, der sieht die Schilder in Schaufenstern, an Bürohäusern oder Lkw: „Wir stellen ein“, „Verkäufer dringend gesucht“, „Wollen sie nicht bei uns im Fahrerhaus Platz nehmen?“.

Immer größere Teile der deutschen Wirtschaft suchen händeringend Personal. Und Auszubildende. Mehr als jeder dritte Betrieb konnte im vergangenen Jahr nicht alle angebotenen Lehrstellen besetzen. Das zeigt die neueste Ausbildungserhebung des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) auf Basis einer Online-Umfrage unter gut 10.000 Unternehmen.

Rechnet man die Ergebnisse auf die DIHK-Mitglieder hoch, erhielten 17.000 Firmen keine einzige Bewerbung mehr. Das entspricht jedem vierten der Betriebe, die nicht alle angebotenen Ausbildungsstellen besetzen konnten, oder fast jedem zehnten aller Unternehmen. Ganz leer aus gingen vor allem Ausbildungsbetriebe in der Gastronomie, am Bau sowie im Verkehrsbereich.

„Sehr gefährliche Entwicklung“

DIHK-Präsident Eric Schweitzer sieht im zunehmenden Fachkräftemangel eine „sehr gefährliche Entwicklung“. Zuerst blieben Aufträge länger liegen, dann müssten Unternehmen sogar ganz passen, warnte Schweitzer bei der Vorstellung der Zahlen. „Bis dahin, dass ganze Branchen in ein schwieriges Fahrwasser geraten.“

Während im Durchschnitt 34 Prozent der befragten Betriebe nicht alle Lehrstellen besetzen konnten, waren es in der Transport- und Logistikbranche 40 Prozent, im Baugewerbe 45 Prozent und im Gastgewerbe gar 57 Prozent. In der Industrie melden vor allem Unternehmen der  Metall- und Elektrotechnik und der Nahrungsmittelbranche größere Schwierigkeiten, Ausbildungsplätze zu besetzen.

In Ostdeutschland fällt die Suche nach Berufsnachwuchs dabei weiter schwerer als im Westen.

Dabei tun die Unternehmen viel, um Bewerber anzuziehen. 16 Prozent der Betriebe ködern Auszubildende mit „Goodies“ wie einem Smartphone, einem Vertrag für das Fitnessstudio oder einer übertariflichen Ausbildungsvergütung. Weil Bewerber knapp sind, bieten acht von zehn Unternehmen inzwischen auch Jugendlichen eine Chance, die die Schule nur mit Ach und Krach geschafft oder gar keinen Abschluss haben. Das sind zwölf Prozentpunkte mehr als noch vor vier Jahren.

41 Prozent der Unternehmen geben selbst Nachhilfe, viele nutzen aber auch externe Unterstützung wie ausbildungsbegleitende Hilfen der Arbeitsagenturen oder die assistierte Ausbildung. Potenzial sieht DIHK-Präsident Schweitzer zudem bei den jährlich rund 140.000 Studienabbrechern. Von ihnen suchten zuletzt 43 Prozent ihre zweite Chance in einer dualen Ausbildung, 2008 war es nur gut jeder fünfte.

Trotzdem müsse auch die Politik aktiv werden, um dem Personalmangel in den Betrieben entgegenzuwirken, fordert Schweitzer. Schon in diesem Jahr gingen in Deutschland eine Million Beschäftigte in Rente, während nur 700.000 Schulabgänger nachrückten. Dieses negative Delta werde sich ab 2020 auf eine halbe Million ansteigen.

Der DIHK fordert deshalb etwa eine stärkere Werbung für die duale Ausbildung auch in den Gymnasien, eine bessere Berufsorientierung in den Schulen und eine Stärkung der Berufsschulen. Zwar sind fast neun von zehn Ausbildungsbetrieben mit deren Leistung zufrieden oder sehr zufrieden. Doch die Ausdünnung des Berufsschulangebots gerade in ländlichen Regionen erschwert den Unternehmen die Nachwuchsgewinnung.

Drei Viertel der Firmen suchen nach Auszubildenden mit IT-Kenntnissen

Der stellvertretende DIHK-Hauptgeschäftsführer Achim Dercks fordert zudem, die Berufsschulen rasch fürs digitale Zeitalter fit zu machen. Die fünf Milliarden Euro, die die Bundesregierung für den „Digitalpakt Schule“ eingeplant hätten, reichten sicher nicht aus. Allein für die Berufsschulen veranschlagt Dercks den Bedarf auf 2,5 Milliarden Euro.

Denn die Digitalisierung macht auch vor den klassischen Ausbildungsberufen nicht Halt. Für 72 Prozent der Unternehmen sind IT-Kenntnisse heute ein wichtiges Einstellungskriterium für Azubis. „Es geht nicht darum, schon zur Ausbildung fertige Informatik-Cracks zu rekrutieren“, sagt DIHK-Präsident Schweitzer. „Allerdings ist ein Grundverständnis der digitalen Welt, Offenheit und eine schnelle Auffassungsgabe entscheidend.“    

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1 Kommentar zu "DIHK-Ausbildungsumfrage: 17.000 Firmen erhalten keine einzige Bewerbung auf ausgeschriebene Lehrstellen"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Sehr geehrter Herr Specht,

    jahrzehntelang habe ich Jahr für Jahr die Äußerungen der Lehrherren gelesen. Stets war zu hören, dass der neue Jahrgang an Schulabgängern kaum lesen, schreiben oder rechnen kann, dass die Jugendlichen keine Arbeitshaltung haben und im Grunde genommen völlig ungeeignet für eine betriebliche Ausbildung sind.

    All diese Schimpftiraden über menschlichen Schrott höre ich dieses Jahr glücklicherweise nicht mehr. Aber wie sich die Betriebe attraktiver für eine duale Ausbildung machen wollen, wird anscheinend auch nur am Rande diskutiert. Ich hätte einmal so eine Idee: Wie wäre es, auch ältere Mitarbeiter mit über 45 Jahren mit Wertschätzung zu begegnen? Oder auch einmal einen leistungsgeminderten Mitarbeiter einzustellen? Vielleicht ist es diese Menschlichkeit, mit der ein Betrieb auch bei den Jugendlichen Pluspunkte sammelt.

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