DIHK-Präsident Eric Schweitzer warnt vor „Akademisierung“

Unternehmen suchen händeringend nach Azubis, im vergangenen Jahr gab es 4,5 Prozent weniger neue Ausbildungsverträge. Das liegt vor allem daran, dass immer mehr junge Menschen studieren, glaubt der DIHK-Präsident.
5 Kommentare
Der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) Eric Schweitzer Quelle: dpa

Der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) Eric Schweitzer

(Foto: dpa)

BerlinDer Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Eric Schweitzer, hat vor einer „Akademisierung“ des Ausbildungsmarktes gewarnt. Jahrelange und undifferenzierte Forderungen nach einer Erhöhung der Studierendenquote hätten dazu geführt, „dass Hörsäle aus allen Nähten platzen, während Unternehmen händeringend Azubis suchen“, sagte er den „Ruhr Nachrichten“. In allen Regionen Deutschlands könnten Ausbildungsplätze nicht besetzt werden. „Dem Wirtschaftsstandort Deutschland droht nachhaltiger Schaden, wenn der Trend zur Akademisierung um jeden Preis nicht gestoppt wird.“

Bei den in den Industrie- und Handelskammern vereinten Unternehmen wurden 2013 nach Schweitzers Angaben 4,5 Prozent weniger Ausbildungsverträge als im Vorjahr abgeschlossen. „Bei neuen Ausbildungsverträgen gab es einen Rückgang von rund 330 000 auf 315 000.“ Es sei absurd, dies den Unternehmen anzulasten.

Eine weitere ungebremste Akademisierung könne sogar zu einer höheren Arbeitslosigkeit führen, wenn bestimmte Qualifizierungsprofile am Arbeitmarkt nicht gebraucht würden, fügte Schweitzer hinzu. Rund 25 Prozent der Studienanfänger - in den Ingenieurwissenschaften sogar 50 Prozent - beendeten ihr Studium ohne Abschluss, weil sie offensichtlich falsche Vorstellungen hätten.

„Ich bin früher Müllwagen gefahren“

  • dpa
Startseite

5 Kommentare zu "DIHK-Präsident: Eric Schweitzer warnt vor „Akademisierung“"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Daß der Akademisierungswahn absurd ist, ist natürlich richtig - gut daß zumindest der DIHK Chef das erkannt hat.
    Die Erkenntnis sollte allerdings auch in die Mitgliedsunternehmen und vor allem die dortigen Personalabteilungen getragen werden.
    Es ist doch ganz klar so, daß jeder der kein Abitur hat oder "nur" Geselle oder Meister nicht nur in der Hierarchie eher weit unten zu finden ist (das wäre noch einigermaßen o.k.), sondern vor allem auch als Mensch kaum/noch weniger geachtet wird.
    Ein absoluter Höhepunkt, was sich da so manches Prinzesschen in den Personalabteilungen meint rausnehmen zu können.
    Daher ist jeder, der es irgendwie schafft ist froh, wenn er keinen Blaumann oder Sicherheitsschuhe mehr tragen muß.
    In vielen Ausbildungberufen gilt das Abitur als de-facto Eingangsvoraussetzung - auch wenn das eigentlich sinnlos ist.

    Komisch nur, das zum Beispiel der Herr Grupp mit seinem Laden es immer hinbekommt genug Azubi-Nachwuchs in den Betrieb zu bekommen. Hier gab es vor einiger Zeit einen Artikel in dem stand, daß bei Trigema nur zwei "Studierte" im Betrieb arbeiten.
    Vielleicht sollte da der ein oder andere DIHK-Betrieb da genauer hinschauen und wieder lernen wie man ganz bodenständig den Nachwuchs den man braucht "abholt" (nicht verhätschelt!) und dann mit ordentlichen langfristigen Perspektiven weiterentwickelt.

  • wer nach der ausbildung den meister macht und einen eigenen betrieb mit angestellten unterhält, verdient oft mehr als solche, die studiert haben...
    vg

  • Inzwischen werden Abiturienten in vielen Berufen bevorzugt. Selbst Realschüler bleiben zunehmend auf der Strecke. Das Schulsystem krankt.

    Und trotzdem: Perspektive hat nur der Akademiker, wenigstens mal mehr als einen mickrigen Durchschnittslohn eines Facharbeiters im Mittelstand zu verdienen und Aufstiegschancen zu haben. Und genau das aber ist die soziale treibende Kraft zum Studium.

  • Das Problem, das er aufgreift, hat eine lange Geschichte und ist u.a. das Ergebnis von zahlreichen ideologisch getriebenen Schulreformen. Diese haben u.a. dazu geführt, daß ein Teil der Schulabgänger für das Handwerk nicht mehr zur Verfügung stehen. Nicht weil sie studieren, sondern weil ihr Bildungsniveau so gesenkt wurde, daß ihnen die nötige Bildung fehlt. Sie haben einen Hauptschulabschluß, mit dem sie in viel zu vielen Fällen nichts anfangen können, weil das, was im Handwerk heute verlangt wird, in der Schule nicht mehr gelehrt wird und die Hauptschule von Politikern zur Restschule gemacht und von ihnen auch so bezeichnet wird.
    Ein anderer Punkt ist, daß sich in diesem Land ein Dünkel breit gemacht hat, bei dem nur der etwas gilt, der Abitur und studiert hat. Alle anderen haben den Status der Minderwertigkeit. Diese Haltung wird von viel zu vielen Gym-Lehrern vertreten und verbreitet. Was in D fehlt, ist eine Schulpolitik, die darauf ausgerichtet ist den jungen Menschen den Horizont zu verbreitern, sie neugierig zu machen sich zu interessieren. Lehrer, die dies heute tun, werden ihn ihren Kollegien geschnitten, sind störende Außenseiter. Der eigentliche Störfaktor in Bezug zur Schule sind allerdings Politiker und Gewerkschaften, die jede wirkliche Schulreform verhindern und ihre, stets mit politischer Indoktrination verbundenen Ziele, einen „neuen Menschen“ schaffen zu wollen, durchsetzen. Auf diesem Wege verblöden immer mehr junge Menschen zu reinen Konsumenten. Den Firmen sei angeraten ihre Lehrstellen attraktiver zu machen, indem sie den jungen Menschen nach erfolgreicher Ausbildung einen gut bezahlten Arbeitsplatz bieten, der ihnen ein auskömmliches Leben ermöglicht und sie zu einem Teil der Firma werden läßt, mit der sie sich identifizieren. Ich hatte noch das Glück eine Volksschule besuchen zu dürfen.

  • Es besteht in der Tat die Gefahr,dass sich z. B. die Kinder von gut bezahlten Technikern oder Meistern über ein nutzloses Studium mit späterem Niedriglohn auf ein Abstellgleis begeben und die offenen Techniker- und Meisterstellen von Eu- Ausländern besetzt werden (müssen). Viele Politiker der sog. Altparteien würden so etwas als Erfolg einer konsequenten Bildungsrevolution propagieren, Hauptsache der Wähler glaubt an diese Utopien undwählt solche Politiker.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%