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DIHK-Umfrage Warum trotz der Konjunktureintrübung Auszubildende fehlen

Die Zahl neuer Azubi-Verträge bleibt auf hohem Niveau. Dennoch könnten Unternehmen weiterhin Probleme haben, alle Lehrstellen zu besetzen, warnt der DIHK.
Update: 15.08.2019 - 17:26 Uhr Kommentieren
Unternehmen fehle es weiterhin an Fachkräften. Quelle: imago/epd
Koch-Azubi

Unternehmen fehle es weiterhin an Fachkräften.

(Foto: imago/epd)

Berlin Von der konjunkturellen Eintrübung ist am Ausbildungsmarkt bisher nichts zu spüren. Die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge werde sich in diesem Jahr voraussichtlich auf dem Niveau des Vorjahres bewegen, sagte der Vize-Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), Achim Dercks, am Donnerstag bei der Vorstellung der jüngsten Ausbildungsumfrage seiner Organisation. Damit sei der langjährige Abwärtstrend in der dualen Ausbildung vorerst gestoppt.

Laut dem Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) wurden in Deutschland bis Ende September 2018 knapp 517.000 neue betriebliche Ausbildungsverträge abgeschlossen – 1,8 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Zahl der von den Unternehmen angebotenen Ausbildungsplätze war sogar um rund drei Prozent auf rund 574.000 gestiegen.

Wenn die neuen Ausbildungsverträge dieses Jahr etwa auf dem Niveau des Vorjahres liegen, sei dies „relativ gesehen ein Erfolg“, weil die Zahl der Schulabgänger weiter zurückgehe, sagte Dercks.

Die Betriebe könnten immer häufiger auch Abiturienten oder Studienabbrecher für eine duale Ausbildung gewinnen. Das erkläre das steigende Durchschnittsalter bei Ausbildungsbeginn.

Auch wenn die Konjunktur sich eintrübt, bleibt der Fachkräftemangel aber die größte Sorge der Unternehmen. Die Knappheit spiegelt sich auch im Ausbildungsgeschehen: Wie die DIHK-Umfrage ergab, konnten 32 Prozent der Betriebe im vergangenen Jahr nicht alle angebotenen Ausbildungsplätze besetzen.

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Der Wert ist damit gegenüber dem Vorjahr nur leicht um zwei Prozentpunkte gesunken. Sorge bereiten muss, dass gerade in Berufen, wo Fachkräfte heute schon knapp sind, das Ausbildungsinteresse weiter unterdurchschnittlich ist. So kamen nach BIBB-Daten auf 100 Lehrstellen für Hörgeräteakustiker nur 85 Bewerber.

18.000 Unternehmen – also fast jeder zehnte Betrieb – haben nach der DIHK-Umfrage keine einzige Bewerbung erhalten. Die größten Schwierigkeiten gab es dabei im Gastgewerbe, im Transport- und Logistiksektor, am Bau und in der Industrie. Das Gastgewerbe habe aber schon viel getan, um das Image zu verbessern, sagte Dercks.

So bemühten sich viele Unternehmen um besser planbare Arbeitszeiten oder täten sich bei der Integration von Geflüchteten hervor. Auch am Bau hat sich die Ausbildungssituation zuletzt verbessert. Hier ist die Zahl der neu abgeschlossenen Verträge 2018 um rund fünf Prozent angestiegen.

Zu wenige Berufsschulen

Dercks erwartet, dass der Ausbildungsmarkt auch in den kommenden Jahren noch ein Azubi-Markt bleiben wird. Das heißt, es sind die Auszubildenden, die sich das passende Unternehmen aussuchen können, nicht umgekehrt. Denn derzeit gingen jährlich rund 300.000 mehr Beschäftigte in den Ruhestand als Schüler die Schule verlassen. Bis 2025 werde die Zahl voraussichtlich auf 500.000 ansteigen.

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Das ist auch ein Grund, warum die konjunkturelle Eintrübung sich bisher nicht bemerkbar macht. Viele Unternehmen, die im vergangenen Jahr keinen Auszubildenden gefunden hätten, seien vielleicht in diesem Jahr erfolgreich, sagte Dercks. Und wenn die Industrie verstärkt wieder Insourcing betreibe, entstünden auch neue Ausbildungsplätze, selbst wenn Unternehmen Jobs abbauten.

Die Werbung für die duale Ausbildung muss aus Sicht der Betriebe noch weiter intensiviert werden. Bei der Berufsorientierung, vor allem in den Gymnasien, werde noch zu selten über die Vorzüge informiert. Sorge bereitet den Unternehmen zudem die zunehmende Ausdünnung des Berufsschulnetzes.

Ein Drittel der vom DIHK befragten Unternehmen gab an, dass der Weg zur nächst gelegenen Berufsschule zu weit sei. Auszubildende, die lange Fahrtwege in Kauf nehmen müssten, würden aber leicht abgeschreckt. Laut Dercks ist die Zahl der Berufsschulklassen in Deutschland in den zurückliegenden 20 Jahren um ein Fünftel gesunken.

Auch die Ausstattung der Berufsschulen lasse vielerorts zu wünschen übrig. Der DIHK sieht einen Finanzbedarf von 2,5 Milliarden Euro, um die für die digitale Arbeitswelt notwendige Modernisierung stemmen zu können. Der DIHK empfiehlt, verstärkt auch Webinare, Videokonferenzen oder Blockunterricht zu nutzen, um den Mangel auszugleichen.

Mehr: Klassische Rollenverteilung bei Ausbildungsberufen ändert sich langsam. Jungen und Mädchen entscheiden sich zunehmend für rollenuntypische Berufe.

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