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Diversity Geschlossene Gesellschaft: Im Sportbusiness sind Managerinnen eine Seltenheit

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Tarek Brauer, Werder Bremen: Der Babyschaukler

„Wir arbeiten in vielen Bereichen an Veränderungen.“ Quelle: privat
Tarek Bauer

„Wir arbeiten in vielen Bereichen an Veränderungen.“

(Foto: privat)

„Ich war gewissermaßen das Role-Model“, sagt Tarek Brauer, Direktor beim Fußball-Bundesligisten Werder Bremen. Nach der Geburt seines Sohns 2013 blieb der Personalchef zwei Monate lang zu Hause beim Kind. Sein Geschäftsführer hat ihn unterstützt, andere Kollegen dagegen waren skeptisch. Brauer musste den ein oder anderen Spruch einstecken. „Babyschaukeln“ war noch das Harmloseste, erinnert sich der Sportmanager.

Heute ist Elternzeit bei Werder unabhängig vom Geschlecht der Mitarbeiter selbstverständlich. „Seit einigen Jahren arbeiten wir in vielen Bereichen an Veränderungen“, sagt Brauer. Dazu gehöre auch eine neue Kultur im Personalbereich, ergänzt der 40-Jährige. Es gehe um „Achtsamkeit und Respekt im Umgang miteinander“.

So werden an der Weser wichtige Arbeitsmeetings aus Rücksicht auf Kollegen in Teilzeit terminlich so koordiniert, dass eine Teilnahme für alle möglich ist. „Da beginnt für mich das kollegiale Miteinander“, sagt Brauer. Das Ziel bei Werder ist es, die Mitarbeiter bestmöglich dabei zu unterstützen, Familie und Beruf vereinbaren zu können – unabhängig von der Geschlechterfrage.

„Wir verstehen es als Hauptführungsaufgabe, sich für die Bedürfnisse der Mitarbeiter und ihre privaten Umstände zu interessieren und flexibel darauf zu reagieren“, sagt Brauer. „Leistung soll nicht über Anwesenheit, sondern über Ergebnisse gemessen werden.“ Brauer ist stolz darauf, was bei Bremen bereits erreicht worden ist, „wenn man bedenkt, dass es bis 2012 noch gar keine HR-Abteilung gab“. Doch es ginge immer noch besser. Zum Beispiel könne der Verein die digitalen Möglichkeiten noch besser nutzen, Videokonferenzen etwa würden zu weiterer Flexibilität führen.

Alexander von Preen, Intersport: Der Marktkenner

„Wir können es uns nicht erlauben, auf 50 Prozent des Marktes zu verzichten.“ Quelle: Intersport
Alexander Preen

„Wir können es uns nicht erlauben, auf 50 Prozent des Marktes zu verzichten.“

(Foto: Intersport)

Nicht nur die Vereine, auch Sponsoren sprechen sich für mehr Frauen in Führungspositionen im Spitzensport aus – und das auch mit einer betriebswirtschaftlichen Ratio. „Wir können es uns nicht erlauben, auf 50 Prozent des Marktes zu verzichten“, sagt der Ex-Kienbaum-Berater Alexander von Preen. Er ist heute Chef des Einkaufsverbunds Intersport. Von Preen weiß, dass Verhandlungen mit potenziellen Partnern der Branche, die Intersport sponsern möchte, von Männern dominiert sind.

Auch im eigenen Unternehmen sieht er klar Nachholbedarf. „In der Chefetage sind es bei uns noch zu wenige Frauen“, gibt von Preen zu. Sein Ansatz: weibliche Nachwuchskräfte mithilfe eines Coachs an die Besonderheiten der Branche heranzuführen. Das soll gerade jungen Managerinnen die Sicherheit geben, in Meetings, in denen häufig nur Männer sitzen, wirkungsvoll zu kommunizieren und sich Gehör zu verschaffen.

Neben einem Business-Coaching, das rund zehn Stunden umfasst, gibt es externe Schulungen zu den Themen Kommunikation und Führung. Und eine kollegiale Fallberatung, bei der sich monatlich Führungskräfte treffen, um Probleme aus dem Führungsalltag zu besprechen. Mit dabei ist neben einem Coach auch ein Mediator, der das entsprechende Thema anonym und vertraulich behandelt. Bislang liegt der Frauenanteil bei Intersport im höheren Management bei 13 Prozent. Für von Preen ist es oberste Aufgabe des Vorstands, diese Zahl nach oben zu treiben.

Stefan Heim, VfB Stuttgart: Der Talentförderer

„Wir müssen um die besten Talente kämpfen, nicht nur auf dem Platz.“ Quelle: Daniel Naupold/dpa
Stefan Heim

„Wir müssen um die besten Talente kämpfen, nicht nur auf dem Platz.“

(Foto: Daniel Naupold/dpa)

Stefan Heim bezeichnet sich gern selbst als „Kind des Vereins“. Sein Verein – das ist der VfB Stuttgart. Und Heim war es, der dem VfB erstmals einen professionellen Personalentwicklungsplan verpasst hat. Im Jahr 2016. Beim VfB können Nachwuchskräfte seit Sommer dieses Jahres zum Beispiel berufsbegleitend studieren, an einer Akademie, die der Verein zusammen mit der Allianz als Förderer ins Leben gerufen hat.

Wer möchte, kann dort seinen Bachelor in Sportmanagement machen oder einen Master in Gesundheitspsychologie. „Studiengänge, die junge Menschen fit machen auch für die Arbeit in einem professionellen Fußballverein“, sagt Heim. Wer später dann als Führungskraft Beruf und Familie unter einen Hut bringen muss, der kann mit seinem Vorgesetzten individuell Teilzeitlösungen vereinbaren.

Für Heim geht es darum, professionellere Strukturen zu schaffen, den VfB vergleichbar zu machen mit deutschen Wirtschaftsunternehmen. „Zunächst sind es erfolgreiche Einzelfälle, die aber zeigen, dass wir auf einem guten Weg sind“, sagt er. „Wir müssen um die besten Talente kämpfen, nicht nur auf dem Platz.“

Ein Satz, den sich Fritz Keller zu Herzen nehmen sollte. Der neue DFB-Präsident wird in Zukunft auch daran gemessen werden, welches Personal ihm bei seiner Zielerreichung zur Seite steht.

Mehr: Von den 100 größten deutschen Konzernen werden nur zwei von Frauen geführt. Neue Studien zeigen: Weibliche Führungskräfte bezweifeln, dass sich daran etwas ändert.

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