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DIW-Studie Gut 1,8 Millionen Beschäftigte verdienen weniger als den Mindestlohn

Die Lohnuntergrenze greift in Deutschland bei vielen Beschäftigten nicht. Die DIW-Wirtschaftsforscher machen dafür auch mangelnde Kontrollen verantwortlich.
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Nach einer neuen Studie bekommen viele Arbeitnehmer weniger als den gesetzlichen Mindestlohn für ihre Arbeit. Quelle: imago/Manngold
Studie zum Mindestlohn

Nach einer neuen Studie bekommen viele Arbeitnehmer weniger als den gesetzlichen Mindestlohn für ihre Arbeit.

(Foto: imago/Manngold)

BerlinSeit 2015 gilt der gesetzliche Mindestlohn, der nicht unterschritten werden darf. Doch die Lohnuntergrenze greift längst nicht für alle Beschäftigten. 2017, als der Mindestlohn noch bei 8,84 Euro pro Stunde lag, verdienten mindestens 1,3 Millionen Arbeitnehmer im Haupterwerb noch weniger, zeigt eine neue Auswertung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). Hinzu kommt eine halbe Million beschäftigte in einer Nebentätigkeit.

Die Berliner Forscher haben dafür Daten des sozioökonomischen Panels (SOEP) ausgewertet, einer regelmäßigen repräsentativen Umfrage mit rund 30.000 Teilnehmern. Diese liegen bis zum Jahr 2017 vor.

Die Umfrageteilnehmer werden unter anderem nach ihrem vertraglich vereinbarten Stundenlohn und nach ihrer Arbeitszeit befragt. Aus der Kombination dieser Daten errechnete das DIW, dass 2017 rund 2,4 Millionen Beschäftigte weniger verdienten als den damals geltenden Mindestlohn. Ein Jahr zuvor, als die Lohnuntergrenze noch bei 8,50 Euro pro Stunde lag, wurde sie bei rund 1,8 Millionen Beschäftigten unterschritten.

Allerdings weist das DIW selbst darauf hin, dass die Berechnungsmethode über den Stundenlohn und die Arbeitszeit fehleranfällig ist, beispielsweise wenn geleistete Überstunden zu einem späteren Zeitpunkt ausgeglichen werden oder die Arbeitszeit über die Wochen eines Monats variiert.

Für das Jahr 2017 wurden die SOEP-Teilnehmer deshalb erstmals auch direkt gefragt, wie hoch ihr Stundenlohn war. Nach dieser Methode verdienten noch 1,3 Millionen Menschen in einer Hauptbeschäftigung weniger als den Mindestlohn. Hinzu kamen rund eine halbe Million beschäftigte in einer Nebentätigkeit, zusammen also 1,8 Millionen.

„Nach wie vor bekommen in Deutschland viele Beschäftigte nicht den Stundenlohn, der ihnen gesetzlich zusteht“, sagt Studienautor Markus Grabka. Das Ausmaß der Mindestlohnumgehung habe zugenommen, weil im Jahr 2017 bis dahin geltende Ausnahmeregelungen für bestimmte Branchen ausgelaufen waren und viele Unternehmen die Erhöhung von 8,50 Euro auf 8,84 Euro scheuten, schätzen die Forscher.

Zu wenige Zöllner für die FKS

Ein Problem sei aber auch die weiter niedrige Kontrolldichte: „Der Handlungsbedarf ist enorm, denn flächendeckende und intensive Kontrollen des Zolls, der die Einhaltung des Mindestlohns kontrollieren soll, gibt es mangels Personal bisher praktisch nicht“, sagt DIW-Forscher Carsten Schröder, der ebenfalls an der Studie beteiligt war.

Zwar hat die Bundesregierung eine deutliche Aufstockung der Finanzkontrolle Schwarzarbeit (FKS) beschlossen. Doch nach wie vor gibt es zahlreiche unbesetzte Stellen und die Ausbildung neuer Zöllner dauert.

Dass die Lohnuntergrenze noch häufig umgangen wird, hatte auch die Mindestlohnkommission in ihrem im Juni 2018 vorgelegten zweiten Bericht zu den Auswirkungen des Mindestlohns konstatiert. Demnach verdienten im Jahr 2016 – je nach Befragungsmethode – noch 750.000 bis 1,8 Millionen Beschäftigte weniger als die damals geltenden 8,50 Euro pro Stunde. Die Obergrenze markierten damals die vom DIW über das SOEP ermittelten Daten.

Wie das Statistische Bundesamt bereits Ende Juni 2018 mitgeteilt hatte, wurden im April 2017 in Deutschland knapp 1,4 Millionen Jobs mit dem gesetzlichen Mindestlohn von 8,84 Euro bezahlt. Laut der Statistiker hatten rund 800.000 Beschäftigte einen niedrigeren Stundenlohn, obwohl sie prinzipiell unter das Mindestlohngesetz fielen. Das Bundesamt stützt sich dabei auf Daten der Verdiensterhebung, für die rund 8.000 repräsentativ ausgewählte Betriebe Auskunft über Bruttoverdienste und Arbeitszeiten von rund 76.000 Beschäftigten gaben.

Nach Angaben des DIW wird der Mindestlohn besonders häufig im Gastgewerbe, im Einzelhandel, bei persönlichen Dienstleistungen und in der Zeitarbeit unterschritten. Verstöße nehmen dabei mit der Unternehmensgröße und dem Alter der Beschäftigten ab, in Ostdeutschland wird die Lohnuntergrenze häufiger verfehlt als im Westen, Frauen werden häufiger um den Mindestlohn geprellt als Männer.

Seit Beginn dieses Jahres beträgt der Mindestlohn 9,19 Euro brutto pro Stunde, zum 1. Januar 2020 wird er auf 9,35 Euro angehoben. So hat es die paritätisch mit Vertretern von Arbeitgebern und Gewerkschaften besetzte Mindestlohnkommission beschlossen. Sie ist laut Gesetz gehalten, sich bei ihrer Entscheidung an der Tariflohnentwicklung zu orientieren.

Die Einführung des Mindestlohns hatte die Entgelte in der Gruppe der zehn Prozent der Beschäftigten am untersten Ende der Lohnskala von 2014 bis 2016 kräftig um 13 Prozent steigen lassen, schreibt das DIW. Dieser Trend habe sich aber trotz der Erhöhung des Mindestlohns von 8,50 Euro auf 8,84 Euro im Jahr 2017 nicht fortgesetzt.

Mehr: Seit fünf Jahren gibt es den Mindestlohn. Die Lohnuntergrenze hat keine Jobs gekostet. Das könnte sich jedoch bald ändern, befürchten Experten.

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