Doku über Duisburg-Marxloh Die Politiker-WG im Problembezirk

Zum Bürgerdialog kommt Kanzlerin Angela Merkel morgen nach Duisburg-Marxloh. Schon heute zeigt der WDR die Erlebnisse von sieben Politikern, die in den Problembezirk zogen – und sich in einer anderen Welt wiederfanden.
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Von den 19.000 Einwohnern des Bezirks haben 64 Prozent ausländische Wurzeln, 16 Prozent sind arbeitslos.
Marxloh

Von den 19.000 Einwohnern des Bezirks haben 64 Prozent ausländische Wurzeln, 16 Prozent sind arbeitslos.

DüsseldorfEinst war Duisburg-Marxloh ein stolzer Arbeiterstadtteil mitten im Ruhrgebiet, heute traut sich hier abends nicht mal mehr die Polizei ohne weiteres auf die Straße. Verwahrloste Familien, Straßenkriminalität, Gewaltexzesse, überforderte Behörden: Die Polizei warnt vor rechtsfreien Räumen, sogenannten „No-Go-Areas“.

Von den 19.000 Einwohnern haben 64 Prozent ausländische Wurzeln, 16 Prozent sind arbeitslos. Genau hierhin platzierte der WDR sieben Politiker für sieben Tage in einer Wohngemeinschaft mitten im Problembezirk, die Vertreter von SPD, CDU, FDP, Grüne und Linke sollten mit anpacken – und das Innenleben des Bezirks kennenlernen. Dabei waren die Lokal- und Bundespolitiker nur die Vorhut: An diesem Dienstag kommt Bundeskanzlerin Angela Merkel höchstselbst zu Besuch nach Marxloh.

Bis in die 1970er-Jahre hinein war der Duisburger Stadtteil eine beliebte Einkaufs- und Wohngegend, Deutsche und Gastarbeiten lebten und arbeiteten hier zusammen in den Werken. Doch mit dem Niedergang der Stahlindustrie veränderte sich das Bild, Tausende verloren ihre Jobs. Junge und besser ausgebildete Arbeitskräfte verließen das Viertel.

Eine urbane Abwärtsspirale kam in Gang: Durch den Massenabzug fielen die Immobilienpreise, es blieben die weniger kaufkräftigen Bewohner und Migranten. Der Abstieg dauert nun schon Jahrzehnte an. Heute sind Straßenkreuzungen oft unsichtbare Grenzen zwischen ethnischen Gruppen. Anwohner sprechen von „der“ Straße der Kurden oder „der“ Straße der Rumänen. Eine Gruppe steht unter besonderer Beobachtung: libanesische Großfamilien, denen kriminelle Machenschaften angelastet werden.

Dabei teilen sich die Migranten in Marxloh selbst in Ausländer „erster und zweiter Klasse“ ein. Am Ende der Nahrungskette stehen Bulgaren und Rumänen, die von Türken, Kurden und anderen Muslimen regelmäßig gruppenweise in die Mangel genommen werden.

Ein schwierigeres Terrain hätte der WDR seinen Lokal- und Bundespolitikern nicht suchen können, um ihre „Macher“-Qualitäten zu testen. Die jüngste in der Truppe ist die erst 17-Jährige Paula Purps, eine Hoffnung der CDU. Der erfahrenste ist Klaus Franz. Der 62-Jährige will demnächst Bürgermeister von Bochum werden. Aus Duisburg selbst konnte oder wollte der WDR keinen Politiker engagieren.

Die, die sich nach Marxloh getraut haben, wurden in einer leerstehenden Bäckerei untergebracht, im Obergeschoss hat jeder sein eigenes Zimmer. Hier durfte die Kamera nicht rein, bei den täglichen Besprechungen im Gemeinschaftsraum sowie beim Frühstück und Abendessen waren Kameras und Mikrofone dann aber an: „Big Brother machen wir nicht. Es geht um die Inhalte – wir wollen keine Inszenierungen“, betont der WDR-Redakteur Simon Pützstück.

Die Politiker bei einer ihrer Besprechungen.
In Marxloh

Die Politiker bei einer ihrer Besprechungen.

Der Sender stellte den Politikern Aufgaben, die sie innerhalb einer Woche bewältigen sollten. Eine davon war, den vielen Marxlohern ohne Krankenversicherung schnell und unbürokratisch eine bessere medizinische Versorgung zukommen zu lassen. In seinem Pfarrhaus verarztet Pater Oliver mit seinem Team jede Woche Dutzende Erkrankte in einer kostenlosen Sprechstunde. An ruhigen Tagen kommen 40, manchmal sind es 90 Leute.

Tausende Zuwanderer leben nach Schätzungen ohne Krankenversicherung in der Stadt, die meisten davon haben ausländische Wurzeln. Im Krankenhaus müssen sie so pro Behandlung bis zu 100 Euro bezahlen – nicht machbar ohne Job, wenn zuhause eine Großfamilie versorgt werden muss.

Wie aus einer anderen Welt
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23 Kommentare zu "Doku über Duisburg-Marxloh: Die Politiker-WG im Problembezirk"

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  • Die Probleme sind doch hausgemacht.
    Hier in Bayern gibt es sowas nicht. Auch die Polizei verschafft sich den nötigen Respekt unter diesen Gruppen, falls nötig kommt das USK Bayern und bricht ein paar Knochen.
    Das ist einzig und allen Ergebnis des Multi-Kulti Wahn dieser linksextremisten Regierung in NRW.

  • Sie müssen das entspannter und vor allem toleranter sehen.....

    Sicher hat irgendjemand z.B. einen Koran zerissen o.ä. - dann sind die Islamgläubigen natürlich "not amused" und wehren sich dagegen.

    Die Lösung kann sein, die unterschiedlichen Gruppen räumlich zu trennen.
    Dann bekommen ggf. eben die Albaner Marxloh für sich alleine, die Türken und andere Gruppen werden in jeweils eigene, heute noch weitgehend von Deutschen besiedelte Stadtteile verteilt.
    Oder die Türken bleiben in Marxloh und die Albaner und die Anderen werden umgesiedelt.
    Das müsste natürlich im Vorfeld mit den betroffenen Aussiedlern ausreichend diskutiert und dann Basis-Demokratisch beschlossen werden.
    Die Deutschen braucht man dazu nicht befragen. Die freuen sich schon auf die Bereicherung.

  • Amerikanische Verhältnisse. Die logische Folge von Sozialabbau. Statt zur Bankenrettung hätte man unsere Steuergelder besser in Sozialprojekte gesteckt. Das wär's wert gewesen.

  • "Wie alltäglich öffentliche Massenschlägereien sind, erfährt WG-Politikerin Kathrin Vogel am eigenen Leib. Während sie einen Anwohner vor einer Kneipe befragt, geht drinnen auf einmal die Post ab. Aus einem kleinen Konflikt wird eine Massenprügelei rivalisierender Gruppen. 50 Personen sind direkt Beteiligt, 300 Sympathisanten stehen drum herum – die wurden schnell mit dem Handy herbeigerufen."

    Und warum wird mit den Teilnehmern einer solchen Schlägerei lange diskutiert? Warum werden diese Typen, wenn sie keinen deutschen Paß haben, nicht einfach abgeschoben? Wenn da tausend bürokratische Hemmnisse der EU dagegenstehen, dann müssen diese Hemmnisse eben beseitigt werden.

  • Ich dachte jeder in Deutschland muss krankenversichert sein? Somit kommen doch wirklich nur Illegale in Frage. Da sollte man dafür sorgen, dass die abgeschoben werden, statt sie auch noch zu unterstützen.

    Dann zum "Kochkurs" In dem Fall wahrscheinlich ganz gut das nix draus wurde. Aber - wenn ich schon über/in einer ehemaligen Bäckerei wohne, dann sollte es mit vereinten Kräften kein Problem sein diese Räumlichkeiten so her zu richten, dass dort ein Kochkurs abgehalten werden kann.

    Zum Jugendtreff. Der alte wird nicht mehr genutzt weil es dort nur Schlägereien gibt und alles demoliert wird. Also muss ein neuer (Bus) her. Ja, sorry, geht's noch? Dann muss man dafür sorgen, dass die Randalierer nicht mehr dahin kommen. Muss die Randalierer vor den Kadi bringen und dieser sollte mal besondere Urteile fällen. Nämlich, dass die Herrschaften die zerschlagenen Teile zu reparieren oder in Handarbeit zu ersetzen haben. Auch solche Maßnahmen tragen dazu bei, dass künftig weniger zerschlagen wird.

    Zum Artikel selbst: Wie kann man schreiben, dass eine Gruppe Menschen am Ende der Nahrungskette steht. Ist dem Autor nicht bekannt was eine Nahrungskette ist?? Kannibalen werden wohl auch in Marxloh nicht leben.

    Ende vom Lied: Alles was die Politiker geschafft haben ist Geld bzw. Dienste von anderen einzubringen. Sich selbst hat keiner eingebracht. Wenn Sie es schon nicht schaffen mit den Menschen zu reden, weil sie sich nicht in deren Leben einfühlen können, wie können sie dann erwarten etwas an dem leben zu verbessern?

  • "Das letzte Projekt der Politiker-Truppe war dagegen doch noch ein Erfolg. Für die Jugendlichen des Stadtteils wird ein mobiler Jugendtreff in einem eigens dafür organisierten Bus untergebracht, der einmal in der Woche durch Marxloh fährt. Samt Playstation an Bord, damit auch wirklich jemand vorbei kommt. In vier Wochen schaut der WDR erneut vorbei und prüft, wie das Angebot angenommen wird."

    Das ist natürlich ein toller, besonders hervorzuhebender Erfolg.....

    Ein Mathe-, Deutsch- oder Praktikumsangebot für eine altmodische Berufsausbildung ist langweilig - damit lockt man keinen hinter dem Ofen vor.
    Den Bus, den Sozialarbeiter, die Playstation und natürlich die Politiker, die solch tolle Ideen haben, bezahlen die Idioten, die noch in der Vergangenheit leben, morgens jeden Tag zur Arbeit gehen und dafür höchste Steuern und Abgaben zahlen, um das zu unterstützen.

  • nein - das sind "Altlasten"

    wenn die vielen gut ausgebildeten Facharbeiter, Ärtzte und Ingenieure erst integriert sind, geht es in Deutschland so richtig aufwärts.

    Sie müssen nur ganz fest daran glauben und die gute Sache unterstützen - dann klappt das bestimmt.

  • Dieser Beitrag des WDR zeigt das Versagen der Politik deutlich, vermeidet aber jeden Kommentar. Die WG- Politiker hatten sich weder auf die Realität vorbereitet, noch hatten sie dazu einen Lebensbezug. Wer nur unter seinesgleichen philosophiert, der lebt an den wirklichen Problemen vorbei. Ja, er lässt diese eskalieren. Der einzige wählbare Politiker wäre Pater Oliver, der aber offensichtlich nicht zur Verfügung steht, denn über ihm steht das reale Leben.
    Leider ist der Beitrag der Spiegel der Gesamtgesellschaft und der zerbricht zu Scherben. Beschwichtigen hilft nur dem, dem das Chaos nützt.

  • und was sagen gabriel und merkel dazu ? "brett bohren" ? selten soviel schwachsinn gelesen/gehoert. und mit den 800tsd die jetzt noch kommen wird alles jetzt nur noch schlimmer.

  • Andere Welt? Nein die Politiker haben sich diese Welt geschaffen zu Lasten der Deutschen. Warum lebt Frau Merkel nicht hier?. Warum nicht alle Politiker, die hier Ihre Kulturbereicherung finden? Wieso gibt es hier No-Go-Bereiche, wo sich noch nicht einmal die Polizei hintraut! Dies ist die Willöe unserer Politiker um Deutschland zu vernichten! Dafür erhöhen Sie sich laufen d die Diäten. Mieterhöhungen für Rentner von über 200 € sind normal für diese Leute, da die Rente ja auch min um 500 € erhöht wird. Von den Energiekoste zu schweigen, die explodieren auf Gefehl der Frau Merkel. Deutsche dürfe sich Energie nicht mehr leisten können!

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