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Dokumentation „Ich bitte alle Bürgerinnen und Bürger um Verzeihung“ – Die Erklärung der Kanzlerin im Wortlaut

Angela Merkel hat die Idee eines Ostershutdowns wieder gekippt. Lesen Sie hier das Pressestatement der Bundeskanzlerin im Wortlaut.
24.03.2021 - 14:55 Uhr 1 Kommentar
Die Kanzlerin gibt nach Gesprächen per Videokonferenz mit den Ministerpräsidenten am Mittwoch ihre Erklärung ab. Quelle: dpa
Merkel entschuldigt sich

Die Kanzlerin gibt nach Gesprächen per Videokonferenz mit den Ministerpräsidenten am Mittwoch ihre Erklärung ab.

(Foto: dpa)

Berlin Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat eine Regelung zu einer „erweiterten Osterruhe“ wieder einkassiert. Eigentlich wollten Merkel und die Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten der Bundesländer einen fünftägigen Lockdown verhängen.

Von Gründonnerstag bis Ostermontag sollte das öffentliche, private und wirtschaftliche Leben in Deutschland weitgehend heruntergefahren werden. Erst zu Beginn der Woche hatte Merkel die Entscheidung verkündet. In einer Konferenz mit den Ministerpräsidenten der Länder am Mittwoch zog die Kanzlerin den Vorschlag, der auf ihren Kanzleramtschef Helge Braun zurückging, wieder ein.

Das Pressestatement der Bundeskanzlerin im Wortlaut:

„Meine Damen und Herren, ich danke Ihnen, dass Sie heute Mittag so kurzfristig Zeit gefunden haben, hierher zu kommen. Ich habe mich zu diesem kurzen Pressetermin entschlossen, weil ich heute Vormittag entschieden habe, die notwendigen Verordnungen für die am Montag vereinbarte zusätzliche Osterruhe, also die Ruhetage am Gründonnerstag und Karsamstag, nicht auf den Weg zu bringen, sondern sie zu stoppen.

Um es klipp und klar zu sagen: Die Idee eines Ostershutdowns war mit bester Absicht entworfen worden; denn wir müssen es unbedingt schaffen, die dritte Welle der Pandemie zu bremsen und umzukehren. Dennoch war die Idee der sogenannten Osterruhe ein Fehler. Sie hatte ihre guten Gründe, war aber in der Kürze der Zeit nicht gut genug umsetzbar wenn sie überhaupt jemals so umsetzbar ist, dass Aufwand und Nutzen in einem halbwegs vernünftigen Verhältnis stehen. Viel zu viele Fragen von der Lohnfortzahlung durch die ausgefallenen Arbeitsstunden bis zu der Lage in den Geschäften und Betrieben können, wie die Beratungen der letzten 24 Stunden gezeigt haben, jedenfalls in der Kürze der Zeit nicht so gelöst werden, wie es nötig wäre.

Um auch ein Zweites klipp und klar zu sagen: Dieser Fehler ist einzig und allein mein Fehler; denn am Ende trage ich für alles die letzte Verantwortung, qua Amt ist das so, also auch für die am Montag getroffene Entscheidung zur sogenannten Osterruhe. Das habe ich den Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten vorhin auch in einer kurzen Videokonferenz erläutert und darüber auch die Vorsitzenden der Fraktionen im Deutschen Bundestag informiert, und es ist mir wichtig, das auch hier zu sagen. Ein Fehler muss als Fehler benannt werden, und vor allem muss er korrigiert werden und wenn möglich, hat das noch rechtzeitig zu geschehen.

Gleichwohl weiß ich natürlich, dass dieser gesamte Vorgang zusätzliche Verunsicherung auslöst. Das bedauere ich zutiefst, und dafür bitte ich alle Bürgerinnen und Bürger um Verzeihung. Diese zusätzliche Verunsicherung bedauere ich umso mehr, als wir uns dabei bleibt es leider mitten in der durch die Mutation ausgelösten dritten Welle der Pandemie befinden.

Ich danke einmal mehr allen, die mit ihrem Verhalten dazu beitragen, die dritte Welle mit der tödlicheren und ansteckenderen Mutation des Coronavirus zu bremsen und zu stoppen. Dazu bietet der Beschluss von Montag auch ohne die sogenannte Osterruhe einen Rahmen: mit der Notbremse, mit der Möglichkeit von regional zu entscheidenden Ausgangsbegrenzungen und Kontaktbeschränkungen, mit dem Ausbau des Testens und natürlich auch mit der sich immer weiter verstärkenden Impfkampagne.

Am 12. April werden wir die Beratungen fortsetzen, und ich bin zutiefst davon überzeugt: Wir werden das Virus gemeinsam besiegen. Der Weg ist hart und er ist steinig, er ist von Erfolgen, aber auch von Fehlern und Rückschlägen gekennzeichnet. Aber das Virus wird langsam aber sicher seinen Schrecken verlieren.

Bis dahin setzen wir mit allen Maßnahmen weiter alles daran, dass unser Gesundheitssystem der immensen Belastung standhält und zugleich die so überaus großen Folgen für Wirtschaft, Bildung, Kultur und für unser ganzes Zusammenleben aufgefangen werden.

Ich bitte Sie um Verständnis, dass ich jetzt keine Fragen beantworte, weil ich gleich um 13 Uhr den Abgeordneten im Deutschen Bundestag Rede und Antwort stehe.

Herzlichen Dank!“

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1 Kommentar zu "Dokumentation: „Ich bitte alle Bürgerinnen und Bürger um Verzeihung“ – Die Erklärung der Kanzlerin im Wortlaut"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Hoffen wir dass die Ministerpräsidentenrunde den Schluss daraus zieht, dass die öffentliche Diskussion intern hätte stattfinden müssen. D.h. es müssen Fachleute mit medizinischem und wirtschaftlichem Sachverstand in diese Runden, die auch mal eine Gegenposition klar vertreten können. Die entsprechenden Fachminister wollen/ können/ dürfen das wohl nicht. Aber nur im Austausch von Argumenten und gegenseitigem Ringen um eine beste Lösung findet man die auch.
    Es sind so viele haarsträubende wirtschaftliche Fehler passiert, von Umsatzausgleichen in diversen Hilfspaketen (als gäbe es keinen Materialaufwand) über viel zu teure Schutzmaskenaktionen mit Gutscheinversand (anstatt der Masken) bis zu schachern um den letzten Cent bei den Impfstoffen. Compliance hat man auch erst jetzt entdeckt, nachdem sich Einzelne an Maskendeals bereichert haben. Fehler passieren überall. Nur wenn sich Muster abzeichnen, braucht man wirksame Gegenmaßnahmen. Praktiker aus der Wirtschaft in die Krisenstäbe!

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