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Dr. Annette Schavan Die Stunde der Plagiatsjäger

Hat sie oder hat sie nicht? Bildungsministerin Annette Schavan soll laut eines unveröffentlichten Gutachtens der Uni Düsseldorf in ihrer Dissertation betrogen haben. Handelsblatt Online hat sich einige Stellen angeschaut
15.10.2012 - 15:50 Uhr 37 Kommentare
Bundesbildungsministerin Annette Schavan ist ihren Titel los. Quelle: dapd

Bundesbildungsministerin Annette Schavan ist ihren Titel los.

(Foto: dapd)

Düsseldorf Ausgerechnet die Bildungsministerin. Und dann auch noch die Frau, deren Dissertation den Titel „Person und Gewissen“ trägt. Annette Schavan soll betrogen haben. Sie soll einige Stellen in ihrer Doktorarbeit nicht so kenntlich gemacht haben, wie sie es hätte tun müssen – und wie es in wissenschaftlichen Arbeiten üblich ist – stellt ein Gutachten der Universität Düsseldorf fest.

Der Vorwurf ist nicht neu. Schon im Mai hatte der Gründer der Internet-Plattform VroniPlag, Martin Heidingsfelder, der CDU-Politikerin vorgeworfen, an deutlich mehr Stellen abgeschrieben zu haben als bis dahin bekannt gewesen war. Seitdem überprüft die Universität Düsseldorf die Doktorarbeit. Neu ist jedoch der Bericht eines der Gutachter der Universität, der vorab – noch bevor die Bildungsministerin das Ergebnis selbst auf dem Schreibtisch liegen hatte – im „Spiegel“ und in der „Süddeutschen Zeitung“ bekannt wurde. Das Urteil: Schavan hat getäuscht.

Die Dissertation von Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) mit dem Titel

Die Dissertation von Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) mit dem Titel "Person und Gewissen" aus dem Jahr 1980.

(Foto: dpa)

Wo aber hat Schavan nun eindeutig plagiiert? „Zum Beispiel auf Seite 37 ihrer Dissertation“, sagt der Plagiatsjäger Heidingsfelder: „Durch die Gründung und Erhaltung von politischen Gemeinwesen schließlich schafft menschliches Handeln die Bedingungen für eine Kontinuität der Generationen und damit für Geschichte“, heißt es in der Doktorarbeit der Bildungsministern. Abgeschrieben hat sie es aber wohl – ohne eine Quelle zu nennen – so Heidingsfelder, bei Hannah Arendts „Vita activa oder Vom tätigen Leben.“ Dort heißt es auf Seite 15: „[...] das Handeln schließlich, soweit es der Gründung und Erhaltung politischer Gemeinwesen dient, schafft die Bedingungen für eine Kontinuität der Generationen, für Erinnerung und damit für Geschichte.“

Ein weiteres Beispiel: Auf Seite 322 kommt Schavan zu folgendem Schluss. „Zusammenfassend kann man feststellen, daß in dem Maß, in dem im Jugendalter neben die heteronomen Normen selbstüberprüfte Normen treten, bzw. erstere nach kritischer persönlicher Überprüfung ersetzt oder aber gutgeheißen und als autonome Normen zur Grundlage des Entscheidens und Handelns werden, man von einem autonomen, bzw. personalen Gewissen sprechen kann und damit von einer geglückten Personalisation.“

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    Hat Annette Schavan also betrogen oder nicht?
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    37 Kommentare zu "Dr. Annette Schavan: Die Stunde der Plagiatsjäger"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • 4. erübrigt sich durch die Ausführungen zu 3.
      Es ist aber zu bedenken, dass die Dame nicht so beliebt ist, wie Sie unterstellen. Sie wurde auffällig durch ihre Reisen zum Papst und sonstige Verschwendung von Steuergeldern und hat sich durch den durch sie ausgelösten Fall des Barons zu Guttenberg viele Feinde in dessen Anhängerschaft geschaffen. Das Argument könnte sich u. U. ins Gegenteil verkehren.

    • ad. 2. Rückendeckung

      Der Doktorvater zu Guttenbergs ist ihm zunächst auch beigesprungen. Erst als die Stellen sich ausweiteten und er sich die Chose ansah, tauchte er unter; dass eine Politikerin aus dem Wissenschaftsbetrieb Rückenwind bekommt, versteht sich von selbst. Denn auch dort werden sich – wie im Rest der Bevölkerunge – ca. 35 % CDU-Wähler befinden. Würden ihr (fast) alle beispringen, wäre das ein Argument. Der Entdecker von zu Guttenbergs Plagiat hat folgendes von sich gegeben (Kölner Stadtanzeiger):
      “Das, was bisher an Text-übernahmen bekannt ist,
      rechtfertigt nicht zwingend den Schluss, von einer Täuschungsabsicht
      zu sprechen”, sagte er dem “Kölner Stadt-Anzeiger”
      (Mittwoch-Ausgabe). “Es gibt in der Doktorarbeit zwar durchaus sehr
      problematische Passagen. Doch bleiben sie in der Summe und Qualität
      unter dem, was Gerichte bisher als Täuschung eingestuft haben.
      Zwischen den Mängeln in Guttenbergs Doktorarbeit und der von Schavan
      liegen Welten.”

      Auch dieses als Freispruch durch den Guttenberg-Entdecker zu werten, ist doch äußerst gewagt, Frau Richter? Es ist kein In-Schutz-Nehmen, sondern eine Relativierung gegenüber des Machwerks zu Guttenbergs. Zudem haben Sie die kleinen, aber feine Wörtchen "nicht zwingend" und „bisher“ völlig überlesen.


    • ad 1. Text original kopiert aus schavanplag,
      __________

      Überschrift: V. Stand der Dokumentation:
      "Ich habe die aktive Suche nach Plagiaten abgeschlossen. Es ist aber aufgrund diverser Indizien im Text wie prägnanter Formulierungen, überraschendem Kontextwissen oder Zitierung “entlegener” Titel zu vermuten, dass außer den drei schon ermittelten nicht aufgeführten Quellen (s.o.) noch weitere Literatur in der Dissertation verwandt wird, die dort unerwähnt bleibt. Falls ich konkrete Nachweise entsprechender Stellen erhalten sollte, werde ich diese noch einpflegen."

      Wie man da auf die Idee kommen kann, dass selbst die hochkritische Wikiplag-Gruppe dies nicht als Fall ansieht, ist mir schleierhaft. Es bedeutet lediglich, dass die Suche ohne Internet (!) so aufwändig ist, dass der Jäger die Arbeit einstellt, aber jederzeit wieder aufnehmen kann (und nun wohl auch wird).


    • Null Toleranz für die feminazi [email protected]ägertrupps!

    • Ich weiss nicht, wo Sie studiert haben, aber wo ich meinen letzten Master gemacht habe, galt das Plagiatsverbot im Masterkurs genauso und das wurde auch deutlich so kommuniziert. Geistiges Eigentum kann man verwenden, aber bitte Ehre, wem Ehre gebührt und nicht mal kurz abkupfern und so tun, als ob man einen Beitrag geleistet hat.
      Kostet sehr viel Zeit und Mühe (min. 2 Jahre intensive Arbeit bei einem Master, wobei vollkommen selbstfinanziert), ausserdem musste man auch ein eigenes Untersuchungsprojekt erstellen, die Messinstrumente dafür konzipieren und das Ganze dann statistisch richtig auswerten, was im Gesamtumfang etwas kleiner ist wie bei einer Dissertation.

      Aber Niveaus von Universitäten sind ja verschieden. Somit gibt es bei den besseren Universitäten den klaren und konkreten Anspruch, dass auch "normale" Studenten bereits in der Lage sein sollten, korrekt wissenschaftlich zu arbeiten und nicht erst auf Doktorniveau.

      Plagiat geht garnicht und vor allen Dingen bei einer Bildungs- und Forschungsministerin nicht.

    • +++ Beitrag von der Redaktion gelöscht +++ Bitte bleiben Sie sachlich.

    • Die ergaunerten Dr. Titel sind sicher nur die Spitze des Eisberges und ein Teil des Probelms:
      Ich erinnere mich an die - von vielen begeistert aufgenomme und verinnerlichte - Polemik eines gewissen Willy Brandt in den 1970er Jahren, der die Forderung nach Leistung als "inhuman" versuchte, verächtlich zu machen.
      Das Ergebnis ist heute überall sichtbar und in seinen verheerenden Folgen schmerzlich zu erleben:
      *Schulen, die Begabte beim Bildungserwerb (ein Anspruch gem. Dt. Grundgesetz) massiv behindern (sei es durch das System der Gleichmacherei in den Gesamtschulen, sei es durch eine Mehrheit von Mitschüler, die die deutsche Sprache nicht sprechen)
      *massenhaft Abiturienten, die nur grob fehlerhaft schreiben und rechnen können
      *Studenten, die am Ende ihres Studiums nicht einmal den Stoff der Grundvorlesungen ihres Faches beherrschen
      *Doktoranden mit denselben Defiziten.
      Und all das sind nicht wenige, sondern ganz viele!
      Welcher Dr.-Vater wird da nicht das Handtuch werfen und froh sein, wenn er Dummschwätzer wie z.B. Annettchen Schavan los wird?!
      Aber das Problem hört da ja nicht auf:
      Diese Dr. Dünnbrettbohrer überschwemmen z. B. Universitäten (Schavan ist ja nur syptomatisches Beispiel) Insider können ein Lied davon singen, wie auch Forschungseinrichtungen parteipolitisch durchseucht sind und von diesen leistungsunfähigen Nieten dann leistungsorientiertes Arbeiten be- oder verhindert wird.
      Ich bin kein besonderer Freund der US-amerikanischen Gesellschaft. Aber dort ist es einfacher, solche Nieten zu entfernen, in Deutschland sind sie nicht mehr los zu werden, insbesondern bei guten Beziehungen zum Betriebsrat.

      Politer haben - systembedingt - die Macht, diese Entwicklung zu beeinflussen und sie tun es seit Jahren zu ihren eigenen Vorteil: Es ist doch eine schöne Erfahrung zu erleben: "Die Leute aus meiner Umgebung sind noch viel ungebildeter als ich selbst." Wer will schon auf seine und seiner Kinder Defizite ständig hingewiesen werden?

    • @Gaestle

      Wer interessiert sich denn für Diplomarbeiten? Bachelor, Master, Diplom muss man locker sehen. Studenten! Die machen Fehler. Und wenn sie bis zur Anmeldung der Prüfung geschafft haben, dann können sie ja garnicht so doof sein. Schlampiges Zitieren? Das wird über die Note bestraft, solange es nicht dreist daherkommt. Geschenkt!

      Gerade bei technischen Studiengängen ist ja viel wichtiger ob ein Absolvent es "richtig" macht (z.B. Baustatik richtig berechnen, richtige Toleranzgrenzen für Maschinenteile, keinen Kurzschluss im Schaltplan, ...). Die Schwierigkeit der Aufgabenstellung und deren Ausführung ist die Qualität der Arbeit (Und nicht ob aus irgendeiner lateinischen Schrift Newton richtig zitiert, weil viel Prosa geschrieben wurde).

      Ein Plagiatsjäger würde sich total lächerlich machen, wenn er seine Zeit mit Diplomarbeiten vergeudet. Das ganze mit dem "deins, nee meins" ist nur wichtig, wenn jemand von sich behauptet etwas Neues herausgefunden zu haben. Und diese Sache mit "neuen Erkenntnissen" ist das Anspruchsniveau von Dokteranten (=Leute die forschen lernen) und Forschern.

    • @Gaestle

      Es gilt noch immer: Wenn Du nix zu sagen hast, dann belästige den Leser (Prof) nicht mit Geschwafel. Er wird dafür dankbar sein.

    • Mich würde der Zeitaufwand interessieren, den der Plagiatsjäger betrieben hat, um die Diss zu untersuchen.

      Ich habe mir die Textstellen auf dem schavanplag mal stichprobenartig angeguckt. Die fehlenden Quellenangaben sind oft nicht offensichtlich. Als Fachfremder kommt man da nicht wirklich dahinter. Und selbst für Software wären manche Passagen ziemlich schwierig.

      Aber generell stimme ich den Plagiatsjägern zu, dass in einer wissenschaftlichen Arbeit klar erkenntlich sein muss (a) was andere gesagt, entdeckt, vermutet, bewiesen, usw. haben (z.B. durch klare Quellenangaben), und (b) der Autor selbst herausgefunden, synthesiert, entdeckt, bewiesen, usw hat. Ich meine durch klares Zitieren wird ja umso mehr akzentuiert was der eigene Beitrag zum wissenschaftlichen Erkenntnishorizont ist.

      Die Verfehlung liegt eigentlich beim betreuenden Professor des Dokteranten, wenn er seinen Zögling nicht frühzeitig für schlechtes Schreiben bzw. Darstellung eigener Ergebnisse tadelt, und ihn am Ende sogar noch durchwinkt. Das soll natürlich keine Ausrede für einen Dokteranten der die zu niedrig gelegte Hürde dankend annimmt.

      Zur Frage ob man ein Plagiatsbundesamt bräuchte? Nein. Die Unis und Lehstühle bezahlen mit ihren Ruf. Daher sollten die Unis und Lehrstühle selber zusehen sich selbst schützen. Es besteht kein dringender Bedarf eine zentrale offentliche Dienstleistung bereitzustellen um Pfusch an Unis zu entdecken. Wissenschaft ist international, eine nationalstaatliche Kontrollstelle passt dazu nicht.
      Vielmehr können sich Plagiate sogar hinter einem fragwürdigen Bundes-TÜV-Stempel verstecken. Was die Plagiatsjäger machen ist vollkommen legitim, und schon garnichts Neues, weil es jeder Person offen ist eine wissenschaftliche Arbeit anzuzweifeln. Solche Zweifel sind nicht zuletzt der "Motor" der Wissenschaft, weil es zu neuen Erkenntnisse führen kann.

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