„Dr.“ nicht mehr im Pass Grüne starten Angriff auf Deutschlands Elite

Der Fall Schavan hat die Bedeutung von Doktortiteln ins Zentrum des öffentlichen Interesses gerückt. Geht es nach den Grünen, könnte sich das bald ändern. Sie wollen den  „Dr.“ aus allen Pässen verbannen.
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Absolventen der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität in Bonn feiern in Talare gekleidet ihren Abschluss. Quelle: dpa

Absolventen der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität in Bonn feiern in Talare gekleidet ihren Abschluss.

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BerlinIst es ein Stück deutscher „Kulturtradition“ - oder schlicht nur Titelhuberei und Eitelkeit? Anders als in fast allen anderen Industrienationen können sich in Deutschland und Österreich Besitzer eines Doktortitels den akademischen Grad in Personalausweis und Reisepass eintragen lassen. Und auf der Kreditkarte macht sich der kleine „Dr.“-Zusatz vor dem Namen auch nicht schlecht.

Doch für die Grüne Krista Sager ist das ein alter Zopf - der schleunigst abgeschnitten werden sollte. Das hat auch mit den jüngsten Plagiatsaffären in Union und FDP zu tun. Zuletzt wurde Annette Schavan der Doktortitel aberkannt. Die CDU-Politikerin trat daraufhin von ihrem Amt als Bundesbildungsministerin zurück. Schavan hat Klage gegen den Titel-Entzug eingereicht. Auch die FDP-Europapolitikerin Silvana Koch-Mehrin klagt ihren wegen Plagiaten entzogenen Titel derzeit ein. Heute findet dazu eine Verhandlung am Verwaltungsgericht Karlsruhe statt.

Geht es nach den Grünen, spielen Doktortitel in der Gesellschaft keine herausragende Rolle mehr. Das Ziel ist, dass der der „Dr.“ künftig nicht mehr in Pässen, Personalausweisen neben dem Familiennamen steht. Die wissenschaftspolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion, Sager, kündigte einen Neuanlauf für eine entsprechende Gesetzesinitiative an. „Es wäre an der Zeit, den Doktorgrad von gesellschaftlichen Überhöhungen zu entlasten. Zum Teil wird er wie eine Art bürgerlicher Adelstitel oder Namensbestandteil behandelt“, sagte Sager Handelsblatt Online. „Es würde Diskussionen rund um Plagiatsfälle sicherlich versachlichen, wenn Promotionen also auf ihre eigentliche Bedeutung – als Nachweis der besonderen wissenschaftlichen Qualifikation – zurückgeführt würden.“

Als Schritt dazu hätten die Grünen in einem Gesetzentwurf beantragt, den Doktorgrad künftig nicht mehr in Pass und Personalausweis einzutragen. „Dies wäre auch ein Beitrag zum Bürokratieabbau und zur Anpassung an international übliche Standards“, sagte Sager.

25.000 Promotionsarbeiten pro Jahr
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  • Ich frage mich ob hier alle denen der Grüne Geifer ob Ihrer mein Titel ist im Ausweis weg Angst die Backe runterläuft, auch gelesen haben das eine der ersten Initiativen bezüglich des Ausweistitels von Schäuble kam. Wer so promoviert hat wie mancher hier kommentiert der sollte sich nicht nur sorgen um das Streichen des Titels aus dem Ausweis machen.

  • Der Dr. in der Medizin darf sich genauso nennen wie der in der Naturwissenschaft, dazwischen liegen Welten. Die deutsche Titelgeilheit ist im angelsächischem Raum unbekannt dort ist Understatement angesagt und der Dr. im deutschen Pass sorgt eher für Heiterkeit als für Anerkennung.
    Die Initiative ist daher richtig, wenn sie im Ergebnis zu weniger Promotionen führt die eher von dem Hang zur Selbstdarstellung als von wissenschaftlichem Erkenntnisstreben geleitet werden dann umso besser.

    Aufjaulen dürften hier nur die ganzen Profilneurotiker und deren in Parteien sitzenden Lobbykumpels, aber beide werden zu Recht mit dieser Initiative geqäult. Hoffentlich hat der bisherige Schwachsinn bald ein Ende.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • Grüne: Dr-Titel sind diskrimierend. Das ist "Rassismus" und muss bekämpft werden.

  • Schweden hinterherhinken?

    Mona Sahlin, die Führerin der schwedischen Sozialdemokratischen Partei, bestätigte, dass ihre Partei und die Grünen 2010 eine Koalitionsregierung eingehen wollen. Welcher Art von Politik würde solch eine Regierung folgen? Miljöpartiet de Gröna, die schwedischen Grünen, sagen auf ihrer offiziellen Homepage, dass das Erziehungssystem in jungem Lebensalter beginnen sollte, auf “Gender-Gleichheit” hinzuwirken; dass Kinder Gegengewichte für die Gender-Rollen benötigen würden, in die hinein sie aufwachsen. Deshalb müssten Lehrer und das Personal von Kinderbetreuungsdiensten eine Ausbildung in Gleichheit absolvieren, bevor sie ihr Examen bekommen. ...

    Die Grüne Partei befürwortet den ideologischen Globalismus in seiner reinsten Form. Sie wollen eine “Weltbürgerschaft”, die die nationale Staatsangehörigkeit ersetzt, völlig freie Migration auf globaler Ebene, globale Steuern und eine verstärkte UN, um eine gerechte Weltordnung zu garantieren:

    “Wir glauben nicht an konstruierte Grenzen. Wir haben die Vision einer unbeschränkten Einwanderung und Auswanderung, mit der die Menschen das Rechthaben, zu leben und zu arbeiten wo immer sie wollen. [...] Wir wollen, dass Schweden ein internationales Vorbild wird, indem wir einen Plan entwerfen, unbegrenzte Einwanderung umzusetzen.”

    Sie haben einen starken Schwerpunkt auf Antidiskriminierung und Rassismus gelegt, und sie fordern harte und schnelle Bestrafung für “Diskriminierung”, jedoch milde Strafen für viele andere Verbrechen."

    http://fjordman.wordpress.com/2008/12/03/schweden-der-triumph-des-kulturmarxismus/

  • Warum hinken wir anderen Ländern, wie Schweden, in der sozialen Entwicklung hinterher? Titelsucht, Sie und Du in der Anrede, keine Einzelbesteuerung, schlechte Betreuung der Kinder, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Hierarchien anstelle von Teamwork. Die Liste der verpassten Gelegenheiten ist Land. Deshalb begrüsse ich die Initiative der Grünen.

  • Seitdem unisex nicht nur an Unis sondern auch im freien Verkauf in aller Munde, kommt der Mensch nicht mehr aus dem Staunen heraus.

    Die Welt steht am Abgrund, keiner sieht das Loch. Andere ertasten es blind oder doch nur Blinde an den Tasten, daß solche Möglichkeiten der Erhöhung aus den Pässen gestrichen werden soll. Neue Pässe kosten immerhin Geld und das scheint mir wiederum eine neue Quelle der Einnahmen. Dabei kann natürlich der Preis nach oben wieder angehoben werden, damit niemand benachteiligt wird.

    Irgendwann geht auch dem Letzten in diesem Lande die Lampe an, falls noch genügend Strom da bzw. bezahlbar.

    Ich finde jammern bringt es nicht. Lahme können gehen, Blinde sehen, Taube hören und Stumme sprechen wieder. Nur beim Geruch kommt keiner mehr auf den Geschmack.

    In deutschen Landen typisch, so sinnvoll, irgendwie kann ich dann auch verstehen wollen, unisex wird vielleicht das Einzige sein, das überlebt, ich meine das Wort. Alles Andere wäre in der Tat echt gemein. Es könnte ja die Frage auftauchen, wie geht das. Und mit der Erklärung, die muß nicht jeder abgeben, das wäre in der Tat regelrecht infam.

    Tot ziens, Dames end Heren.

  • Es ist schon erstaunlich, wie wenige sich die Mühe des Lesens machen. Die, mir nicht sonderlich symphatischen, Grünen wollen nicht die Promotion abschaffen, sondern nur die Verwendung des "Dr." als Namenszusatz! Das würde den Anreiz, für Guttenberg und Co., sich einem Promotionsverfahren zu stellen, deutlich reduzieren.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

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