Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Drehkreuz für europäische Stromproduktion Netzbetreiber aus Dänemark und Deutschland verknüpfen Windparks in der Ostsee

Die Unternehmen 50Hertz aus Deutschland und Energinet aus Dänemark legen die Basis für den Aufbau einer länderübergreifenden Stromproduktion.
20.01.2021 - 17:04 Uhr Kommentieren
Die EU-Staaten wollen beim Ausbau der Windkraft stärker kooperieren. 50Hertz und Energinet gehen mit einem gemeinsamen Projekt voran. Quelle: dpa
Windpark in der Ostsee

Die EU-Staaten wollen beim Ausbau der Windkraft stärker kooperieren. 50Hertz und Energinet gehen mit einem gemeinsamen Projekt voran.

(Foto: dpa)

Berlin Der deutsche Netzbetreiber 50Hertz und der dänische Netzbetreiber Energinet legen die Basis für den Aufbau einer länderübergreifenden Stromproduktion in der Ostsee. Am Mittwoch unterzeichneten die beiden Unternehmen eine entsprechende Absichtserklärung.

Im Zentrum des Vorhabens seht die dänische Insel Bornholm, das Projekt der Netzbetreiber ist entsprechend als „Bornholm Energy Island“ betitelt. Die Insel soll zum „Offshore Hub“, also zum Drehkreuz für umliegende Windparks beider Länder werden.

Das Projekt hat Modellcharakter. Es soll der Nukleus für eine enge Verbindung der Stromnetze und der Windstromproduktion Dänemarks und Deutschlands werden. Andere Ostsee-Anrainer könnten hinzukommen.

Das gemeinsame Projekt von 50Hertz und Energinet legt somit die Basis für das langfristige Ziel der EU und ihrer Mitgliedstaaten, Nord- und Ostsee zum Kraftzentrum der europäischen Stromproduktion werden zu lassen.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    „Wir gehen damit nicht nur technologisch voran, sondern müssen auch – gemeinsam mit der Politik und der Offshore-Windindustrie – neue regulatorische Wege finden zur länderübergreifenden Nutzung und Vergütung des erzeugten Stroms“, sagte 50Hertz-Chef Stefan Kapferer dem Handelsblatt. „Wir müssen jetzt die Gangart wechseln vom nationalen Ausbau mit einzelnen Windparks hin zu Energieinseln, die nur als transnationale Projekte zu realisieren sind“, sagte Energinet-Chef Thomas Egebo.

    Erst im Herbst vergangenen Jahres hatte die EU-Kommission ihre ehrgeizigen Ziele für die Offshore-Windkraft vorgelegt. Darin spielt der Ausbau der Stromnetze in Nord- und Ostsee eine zentrale Rolle.

    Wir gehen nicht nur technologisch voran, sondern müssen auch – gemeinsam mit der Politik und der Offshore-Windindustrie – neue regulatorische Wege finden zur länderübergreifenden Nutzung und Vergütung des erzeugten Stroms. 50Hertz-Chef Stefan Kapferer

    Ziel der EU ist, dass bis 2050 in europäischen Gewässern Offshore-Windparks mit einer installierten Leistung von 300 Gigawatt (GW) in Betrieb gehen. In der Offshore-Strategie der EU-Kommission werden für den Ausbau der Offshore-Windkraft Investitionen von rund 800 Milliarden Euro veranschlagt.

    Derzeit sind in Europa – ohne Großbritannien und Norwegen – zwölf GW Offshore-Windkraft installiert. Die EU-Kommission will diesen Wert also um den Faktor 25 erhöhen. Der europäische Branchenverband Wind Europe hält sogar 450 GW für realistisch, hat in seine Überlegungen allerdings auch Norwegen und das scheidende EU-Mitglied Großbritannien einbezogen.

    Ein Größenvergleich verdeutlicht die Dimension: Die installierte Leistung von 450 GW entspricht der installierten Leistung von 450 Atomreaktoren oder 450 großen Kohlekraftwerksblöcken.

    Bislang folgt der Ausbau der Offshore-Windkraft und der dazu erforderlichen Stromnetzinfrastruktur noch stark den Plänen der einzelnen Ost- und Nordsee-Anrainerstaaten. Das ändert sich nun schrittweise. Das Bundeswirtschaftsministerium hatte die deutsche EU-Ratspräsidentschaft im zweiten Halbjahr 2020 dazu genutzt, um die erforderlichen Kooperationen voranzutreiben.

    Der Ausbau der Offshore-Windkraft ist ein Schlüssel, um die Klimaziele zu erreichen. Die enge Kooperation der EU-Staaten soll die Kosten des Ausbaus senken und zudem die Verfügbarkeit des Stroms erhöhen: Durch die geplante Vermaschung der Netze lassen sich Stromangebot und Nachfrage besser in Einklang bringen.

    Wir müssen jetzt die Gangart wechseln vom nationalen Ausbau mit einzelnen Windparks hin zu Energieinseln, die nur als transnationale Projekte zu realisieren sind. Energinet-Chef Thomas Egebo

    Der Unterzeichnung der Absichtserklärung von 50Hertz und Energinet am Mittwoch waren grundlegende politische Weichenstellungen vorausgegangen. So haben im September 2020 die Ostsee-Anrainerstaaten, darunter auch Deutschland und Dänemark, eine gemeinsame Erklärung zur Kooperation bei Offshore-Windkraftprojekten unterzeichnet, damit mehr Flächen als bisher für erneuerbare Energien genutzt werden können.

    Auf dieser Basis haben sieben Übertragungsnetzbetreiber – darunter Energinet und 50Hertz – im Dezember die „Baltic Offshore Grid Initiative“ gegründet, um dabei mitzuhelfen, das Windenergie-Erzeugungspotenzial in der Ostsee von rund 93 GW zu erschließen. Auch hatten die Regierungen Deutschlands und Dänemarks im Dezember vereinbart, beim Ausbau der Offshore-Windenergie noch intensiver zu kooperieren.

    50Hertz und Energinet übernehmen nun eine Pionierrolle. Dabei ist die Ostsee prädestiniert. Bornholm bietet sich als geografisch günstig gelegene Insel an, um länderübergreifende Infrastrukturen aufzubauen.

    In der Nordsee sind die Bedingungen anspruchsvoller. Dort spielt der Netzbetreiber Tennet eine Schlüsselrolle. Das niederländische Unternehmen plant in der Nordsee ebenfalls Offshore-Drehkreuze; sie sind aber nach bisherigen Planungen als künstliche Inseln vorgesehen, was die Umsetzung aufwendig und teuer macht. Mit einer Realisierung ist erst in einigen Jahren zu rechnen.

    Grafik

    50Hertz und Energinet hatten bereits im vergangenen Jahr ein erstes Kabel in Betrieb genommen, das deutsche und dänische Windparks verknüpft und die Stromnetze der beiden Länder miteinander verbindet.

    Mit dem neuen Offshore Hub auf der Insel Bornholm wollen die beiden Netzbetreiber ihre Kooperation ausbauen. Ziel ist es, zunächst eine Windenergieleistung von zwei GW anzubinden. Die Windparks sollen in einer Entfernung von etwa 20 Kilometern südlich und südwestlich von Bornholm im Meer errichtet und via Seekabel mit dem Offshore-Hub auf der Insel verbunden werden. Weitere Windparks sollen hinzukommen.

    Mehr: Wie Nord- und Ostsee zum Zentrum der europäischen Stromerzeugung werden sollen

    Startseite
    Mehr zu: Drehkreuz für europäische Stromproduktion - Netzbetreiber aus Dänemark und Deutschland verknüpfen Windparks in der Ostsee
    0 Kommentare zu "Drehkreuz für europäische Stromproduktion: Netzbetreiber aus Dänemark und Deutschland verknüpfen Windparks in der Ostsee"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%