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DRV-Umfrage Reiseverband befürchtet Pleitewelle

Die Coronakrise sorgt für einen starken Umsatzeinbruch bei Veranstaltern und Reisebüros. Der Reiseverband sieht viele Unternehmen in ihrer Existenz bedroht.
27.08.2020 Update: 27.08.2020 - 15:53 Uhr Kommentieren
Die Krise in der Touristik verschärft sich. Quelle: Reuters
Palma de Mallorca

Die Krise in der Touristik verschärft sich.

(Foto: Reuters)

Berlin Der Deutsche Reiseverband (DRV) befürchtet infolge der Coronakrise eine Pleitewelle in der Tourismusbranche. Das geht aus einer Umfrage des Verbands unter fast 650 Mitgliedsunternehmen hervor, die dem Handelsblatt vorliegt.

Über 60 Prozent der Reisebüros sehen sich demnach unmittelbar von der Insolvenz bedroht, bei den Reiseveranstaltern ist es gut die Hälfte, die ihre Situation so einschätzt. Knapp die Hälfe der Reisebüros musste bereits Mitarbeiter entlassen, ähnlich verhält es sich bei den Reiseveranstaltern.

„Unser Branchencheck belegt eindrucksvoll, dass die Krise für die Reisewirtschaft noch lange nicht vorbei ist“, sagte DRV-Präsident Norbert Fiebig dem Handelsblatt. „Viele Unternehmen sind in ihrer Existenz bedroht und müssen kämpfen, um die Krise zu überstehen.“ Dies zeige, wie wichtig und richtig es sei, dass jetzt die staatlichen Überbrückungshilfen bis zum Jahresende verlängert worden seien.

Die Große Koalition hatte in der Nacht zu Mittwoch die Überbrückungshilfen für kleine und mittelständische Betriebe bis Ende des Jahres verlängert. Das Programm war bisher bis Ende August befristet. Für die Zuschüsse hatte der Bund 25 Milliarden Euro eingeplant.

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    Der tourismuspolitische Sprecher der Unions-Bundestagsfraktion, Paul Lehrieder (CSU), stellte weitere Hilfen für Reisebüros und Reiseveranstalter in Aussicht. „Ich befürchte, dass die Lage für die Reisebranche noch lange angespannt bleiben wird“, sagte Lehrieder dem Handelsblatt. „Die Buchungen werden schon wegen der verschiedenen Reisewarnungen nicht so stark anziehen können, dass die Reisebüros und Reiseveranstalter aufatmen können.“ Ende des Jahres werde man daher überlegen müssen, ob weitere Hilfen notwendig seien. „Wir werden wohl deshalb noch eine vernünftige Brücke zur Existenzsicherung für möglichst viele gesunde Unternehmen bauen müssen.“

    Starker Umsatzeinbruch

    Die SPD-Tourismuspolitikerin Gabriele Hiller-Ohm verwies auf die bereits bestehenden Hilfsmaßnahmen. „So können Reisebüros beispielsweise entgangene Provisionen und Reiseveranstalter verlorene Margen über die Überbrückungshilfen geltend machen“, sagte die Bundestagsabgeordnete dem Handelsblatt. Zudem erhielten sie Zuschüsse zu Personalkosten und für ihre Auszubildenden. „Dass diese staatlichen Hilfen weitergeführt werden, ist für das Überleben der Reisebranche sehr wichtig“, betonte die SPD-Politikerin.

    Die Coronakrise sorgt aktuell für einen starken Umsatzeinbruch bei den 2300 Veranstaltern und 11.000 Reisebüros. Laut der DRV-Umfrage beziffern 70 Prozent der Reisebüros ihren derzeitigen Umsatz auf weniger als 25 Prozent des Vorjahresumsatzes. Bei den Veranstaltern sind es knapp zwei Drittel, die ihren momentanen Umsatz im Vergleich zum Vorjahr auf unter 25 Prozent sehen.

    85 Prozent der Reiseveranstalter haben zudem Kurzarbeit (Reisebüros: fast 80 Prozent), 76 Prozent Überbrückungshilfen (Reisebüros: fast 85 Prozent) beantragt. Wie bei den Reisebüros sei hier aber der Großteil der zugesagten Mittel bisher noch nicht angekommen, berichtet der Reiseverband.

    Auch Sicht des Grünen-Tourismusexperten Markus Tressel dürften vor allem kleine und mittlere Unternehmen mitten in der Krise nicht allein gelassen werden, sonst gingen gerade im Tourismussektor wichtige Strukturen und auch Arbeitsplätze verloren. „Das wäre auch für viele Tourismusregionen und die Wirtschaft insgesamt katastrophal“, sagte Tressel dem Handelsblatt.

    Bei der der Gewährung von Überbrückungshilfen müsse aber auch darauf geachtet werden, dass wirklich die Unternehmen gefördert würden, die nicht schon vorher in einer existenziellen Schieflage waren. „Was definitiv nicht geht, egal mit welchem Fördermittel, ist eine Bevorzugung von Konzernstrukturen“, mahnte Tressel. „Hier muss Förderung auch konditioniert werden im Hinblick auf soziale und ökologische Standards.“

    Damit Reiseveranstalter ihr Geschäft wieder aufnehmen können, seien auch „verlässliche Rahmenbedingungen“ wichtig. „Widersprüchliche Signale seitens der Politik, etwa was die Bedeutung von Reisewarnungen betrifft, sind nicht hilfreich“, sagte Fiebig. „Wir brauchen verlässliche Kommunikation und, wo möglich, differenzierte Reisehinweise statt pauschaler Reisewarnungen.“

    Kritik an neuer Reisewarnung

    Der tourismuspolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Marcel Klinge, machte denn auch die Bundesregierung für die momentan schwierige Lage der Reisebranche mitverantwortlich. „Leider ist die Bundesregierung für viele notleidende Betriebe in der Touristik ein Brandbeschleuniger“, sagte Klinge dem Handelsblatt. Die jetzige Verlängerung der staatlichen Überbrückungshilfen sei zwar richtig und wichtig. „Aber wo die Große Koalition mit der einen Hand gibt, nimmt sie den Betrieben mit der anderen Hand ihre Geschäftsfähigkeit.“

    Mit der Verlängerung der weltweiten Reisewarnung, dem „Zickzackkurs“ bei den Coronatests und der „praxisfernen“ neuen Quarantänestrategie belaste die Regierung den Reisemarkt, Arbeitgeber und Steuerzahler schwer. Solange Schwarz-Rot weiter so „undifferenziert und sprunghaft“ agiere, werde sich die Touristikbranche nicht erholen können. „Wir müssen dringend den Markt stabilisieren“, mahnte Klinge. „Dazu brauchen wir klare, praxistaugliche Regeln und echte Orientierungshilfen für die Reisenden, die auf der tatsächlichen Gefährdungslage basieren.“

    Die Bundesregierung hatte am Mittwoch die Reisewarnung für Touristen wegen der Corona-Pandemie für mehr als 160 Länder außerhalb der Europäischen Union bis zum 14. September verlängert. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte vorgeschlagen, die kostenlosen Coronatests nach der Sommerreisesaison abzuschaffen und stattdessen auf eine vorübergehende verpflichtende Quarantäne für Rückkehrer aus Risikogebieten zu setzen.

    Mehr: Leben mit der zweiten Corona-Welle: Infektionszahlen steigen in vielen europäischen Ländern

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