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DSGVO Das lukrative Geschäft von Anwälten und Beratern mit dem Datenschutz

Von der Unsicherheit vieler Unternehmen bei der Datenschutz-Grundverordnung profitieren viele Anwälte und Berater. Doch nicht alle Angebote sind seriös.
30.12.2019 - 14:34 Uhr Kommentieren
DSGVO: Das lukrative Geschäft von Beratern mit dem Datenschutz Quelle: dpa
Datenschutz-Grundverordnung

Die neuen EU-Datenschutzregeln bescheren Beratern und Anwälten ein boomendes Geschäft.

(Foto: dpa)

Berlin Die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) verunsichert die Unternehmen weiterhin – und beschert Beratern und Anwälten damit ein boomendes Geschäft. „Es gibt zurzeit kaum Unternehmen, die nicht auf Datenschutzberatung zurückgreifen müssten“, sagte Rebekka Weiß, Leiterin der Abteilung Vertrauen und Sicherheit beim Branchenverband Bitkom, dem Handelsblatt. „Für Anwaltskanzleien und Consulting-Unternehmen hat die DSGVO deshalb zu nie dagewesenen Auftragsvolumen im Bereich Datenschutz geführt.“

Die Unternehmen in Deutschland haben im ersten Jahr der DSGVO allein für die Erstellung einer erforderlichen Datenschutzerklärung insgesamt rund 400 Millionen Euro ausgegeben, teilte der Deutsche Anwaltsverein (DAV) dem Handelsblatt auf Anfrage mit. Der Anteil, der davon an Beratungsdienste floss, dürfte hoch sein.

Der Grund liegt für Bitkom-Expertin Weiß auf der Hand. „Die Umsetzung der Datenschutz-Grundverordnung hat sowohl personell als auch finanziell hohe Aufwände erzeugt – bis heute.“ Das hätten in einer Bitkom-Umfrage aus diesem Jahr auch 95 Prozent der Unternehmen in Deutschland bestätigt. „Der Markt für Datenschutzexperten ist aber weitestgehend leergefegt“, so Weiß, „weshalb der Bedarf an externen Beratern nach wie vor hoch ist.“

Zu dieser Einschätzung kommt auch Thomas Spaeing, Vorstandsvorsitzender beim Berufsverband der Datenschutzbeauftragen in Deutschland (BvD). Seitdem die neuen EU-Datenschutzregeln angewandt werden, habe die Zahl privatwirtschaftlicher Beratungsangebote „erheblich zugenommen“, sagte Spaeing dem Handelsblatt. „Allerdings befinden wir uns nun bereits in der Konsolidierungsphase“, fügte der BvD-Chef hinzu. „Die Goldgräberzeiten, in der jeder mal eben Datenschutzberater war, geht zu Ende.“

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    Die EU-Verordnung ist am 25. Mai 2018 nach einer zweijährigen Vorlaufzeit offiziell in Kraft getreten. In Deutschland galten viele der Bestimmungen bereits vorher. Wer sich als Unternehmen nicht daran hält, dem drohen hohe Bußgelder. Sorgen und Befürchtungen löste die DSGVO vor allem bei kleineren Firmen und Verbänden aus. Womöglich auch deshalb, weil das Thema Datenschutz eher als Nebensache behandelt wurde.

    Aufsichtsbehörden können sich vor Anfragen kaum retten

    „Datenschutz wurde früher nicht ernst genommen und mit der DSGVO auch nur wegen der potentiell hohen Bußgelder widerwillig angefasst“, sagte Datenschutzexperte Spaeing. „Hinzu kommt, dass viele Berater mit sehr wenig Know-how die Unternehmen anfangs in falscher Sicherheit gewogen haben.“ Allmählich werde den Unternehmen aber klar, „dass sie es sich bislang zu einfach gemacht haben“.

    Ein Grund dürfte sein, dass die Behörden Datenschutz-Verstöße zunehmend mit Geldstrafen ahnden. Zuletzt brummte der Bundesdatenschutzbeauftragte dem Mobilfunk- und Festnetzkonzern 1&1 Drillisch wegen Datenschutzverstößen seiner Firma 1&1 Telecom GmbH eine Geldbuße von rund zehn Millionen Euro auf.

    Laut Spaeing suchen deutsche Unternehmen im Moment eher nach renommierten Beratungen, „um die Fehler der Erstberatung auszubügeln und die Anforderungen nun ernsthaft und nachhaltig in ihre Organisation zu integrieren“. Auch bei Handwerks- und Industrieverbänden sowie bei den Datenschutzbeauftragten in den Bundesländern können sich die Unternehmen Hilfe holen. Letztere stoßen angesichts einer Beschwerdeflut von Verbrauchern und der allgemeinen Umsetzung der DSGVO personell allerdings längst an ihre Grenzen.

    Die Aufsichtsbehörden könnten sich vor Anfragen kaum retten, ihnen fehlten aber Ressourcen, um die vielen Anfragen von Nutzern und Unternehmen zu stemmen, sagte Bitkom-Expertin Weiß. „Einige Aufsichtsbehörden haben ihre Beratungsleistungen für Unternehmen bereits verringert – das wiederum vergrößert die Unsicherheit noch weiter.“

    Berufsverband warnt vor unseriösen Datenschutzberatern

    Wohl auch deshalb ist die Nachfrage nach privatwirtschaftlichen Beratungsangeboten so hoch. Doch BvD-Chef Spaeing warnt bei den Beratern vor unseriösen Geschäftemachern: „Leider beobachten wir eine große Anzahl schwarzer Schafe, die mit nur einem kleinen Wissensvorsprung aber einem ansprechenden Vertriebskonzept meist durch sehr niedrige Preise hunderte bis tausende Unternehmen beraten – ohne jemals im Unternehmen gewesen zu sein“, sagte Spaeing.

    Eine „reine“ Telefon- oder Fernberatung zur DSGVO sei aber aufgrund der komplexen Regeln nicht möglich. „Besonders kritisch sind die Anbieter, die den Unternehmen versprechen, ihre Haftung komplett zu übernehmen“, so Spaeing. „Das ist rechtlich schlicht unmöglich und somit glatter Betrug.“

    Spaeings Verband fordert deshalb eine Zertifizierung von Datenschutzbeauftragten. Jedoch: Die Politik ziehe hier nicht mit. „Besser qualifizierte und zertifizierte Datenschutzberater und -beauftragte kosten mehr und dagegen wehrt sich die mittelständische Wirtschaft“, klagte der BvD-Chef.

    Ein Datenschutzbeauftragter mit einer „billigen Ausbildung“ nütze aber nichts. „Der blockiert mit seinem Halbwissen eher wichtige Prozesse, als dass er das Unternehmen voranbringt.“ Ein guter erfahrener Berater könne im Unternehmen hingegen durchaus auch Kosten einsparen und Prozesse besser machen, ist Spaeing überzeugt.

    Aus Sicht des Bitkom würden auch schon handhabbarere Vorschriften helfen. „Eine Vereinfachung der Regeln, insbesondere im Bereich Informations- und Dokumentationspflichten, würde vor allem vielen kleinere und mittlere Unternehmen direkt entlasten“, sagte die Verbandsexpertin Weiß.

    Mehr: Viele bekannte Online-Plattformen erfüllen die Datenschutz-Grundverordnung nur unzureichend. Lesen Sie hier, wie die Bundesregierung darauf reagiert.

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