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DSGVO Starker Datenschutz wird zum „wichtigen Wirtschaftsfaktor“

IT-Sicherheit kann Wettbewerbsvorteile sichern, glauben Politiker und Datenschützer. Das funktioniert aber nur, wenn potentielle Kunden mitspielen.
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Die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) verpflichtet Unternehmen, einen strengen Datenschutz bei ihren Produkten und Dienstleistungen sicherzustellen. Quelle: imago/Christian Ohde
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Die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) verpflichtet Unternehmen, einen strengen Datenschutz bei ihren Produkten und Dienstleistungen sicherzustellen.

(Foto: imago/Christian Ohde)

Berlin Der Netzbetreiber Deutsche Telekom hat gemeinsam mit dem französischen Konzern Orange einen smarten Lautsprecher entwickelt. Das Gerät, das auf der Technologiemesse Ifa in Berlin vorgestellt wurde, hört auf den Zuruf „Hallo Magenta“. In Sachen Spracherkennung und Funktionsumfang wird es zwar kaum mit den Konkurrenzprodukten der US-Konzerne mithalten können. Deren Vorsprung ist einfach zu groß. Die Telekom glaubt indes mit einem starken Fokus auf Datenschutz zumindest die Chance zu haben, einen eigenen Markt zu besetzen.

Der Konzern macht damit in gewisser Weise aus der Not eine Tugend. Denn Unternehmen in Europa sind mit der seit über einem Jahr geltenden Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) verpflichtet, einen strengen Datenschutz bei ihren Produkten und Dienstleistungen sicherzustellen. Das macht ein Umdenken schon bei der Produktentwicklung notwendig. Wer nicht Gefahr laufen will, hohe Bußgelder wegen Datenschutzverstößen zu zahlen, setzt frühzeitig auf sogenannte „Privacy-by-Design“-Lösungen, bei denen der Datenschutz von Anfang an eingebaut ist. Politiker und Datenschützer sind überzeugt: Eine solche Strategie kann der Wirtschaft Wettbewerbsvorteile bringen.

Das Thema berge ein „nicht unerhebliches Potential“, das auch wirtschaftlich ein Erfolgsfaktor sein könne, sagte der Bundesdatenschutzbeauftragte Ulrich Kelber dem Handelsblatt. „Das zeigt sich nicht zuletzt daran, dass sogar große amerikanische IT-Unternehmen erhebliche Summen in Werbekampagnen investieren, die gerade die Datenschutzfeatures ihrer Produkte herausstellen.“

Mit Blick auf den europäischen Markt rechnet der Datenschützer damit, „dass es sicherlich in Zukunft eine noch größere Nachfrage nach datenschutzfreundlichen Produkten und Dienstleistungen geben wird“. Kelber begründete dies mit dem insgesamt gestiegenen Datenschutzbewusstsein in der Bevölkerung sowie der DSGVO, die sich mittlerweile „zu einem Benchmark für neue Datenschutzgesetze auf der ganzen Welt entwickelt“ habe.

Ähnlich sieht es der Hamburger Datenschützer Johannes Caspar. „Die Datenschutzkonformität von Produkten sollte gerade auf dem europäischen Markt Anbietern Wettbewerbsvorteile sichern“, sagte Caspar dem Handelsblatt. Das gelte insbesondere für automatische Sprachassistenzsysteme, deren Einsatz „erhebliche Risiken“ für die Privatsphäre schaffe.

Öffentliche Hand sollte mit gutem Beispiel vorangehen

„Es ist bereits problematisch, dass immer noch Anbieter auf dem Markt sind, die hier nicht auf eine informierte Einwilligung der Nutzer setzen“, erläuterte Caspar. „Das ist eine erstklassige Chance für Anbieter von datenschutzkonformen Lösungen, sich auf dem europäischen Markt gegenüber datenschutzrechtlich zweifelhaften technischen Lösungen abzuheben.“ Caspar rät daher, „europäische Anbieter sollten diese Strategie konsequent verfolgen und das Vertrauen der Menschen in ihre Produkte und Dienstleistungen stärken“.

In der Politik gibt es indes auch Zweifel, ob eine solche Strategie bei den Bürgern verfängt. „Der große Erfolg der Produkte von Amazon bis WhatsApp zeigt, dass besonders ausgeprägter Datenschutz offenbar aus Sicht vieler Nutzer nicht so bedeutsam ist, wie es zuweilen propagiert wird“, sagte der Beauftragte für Digitale Wirtschaft und Startups im Bundeswirtschaftsministerium, Thomas Jarzombek (CDU), dem Handelsblatt. „Dennoch oder vielleicht gerade deshalb ist es wichtig, dass der Staat die Regelungen zum Datenschutz korrekt und nachvollziehbar durchsetzt.“

Der SPD-Digitalpolitiker Jens Zimmermann, sieht vor allem die Unternehmen vor der Herausforderung, die Vorteile eines hohen Datenschutzniveaus den Verbrauchern deutlich zu machen. „Denn obwohl eine sehr hohe Sensibilität gegenüber Datenschutzverstößen in Deutschland existiert, ändert das häufig wenig an den Kaufentscheidungen der Kunden“, sagte Zimmermann dem Handelsblatt. Dabei werde dem Datenschutz angesichts des zunehmenden Einsatzes von Algorithmen und Künstlicher Intelligenz (KI) „eher noch mehr Bedeutung“ zukommen.

Zimmermann gab in diesem Zusammenhang zu bedenken, dass die DSGVO überall dort besonders populär sei, wo es einen schwachen Datenschutz gebe wie zum Beispiel in den USA. „Insofern bietet sich hier für europäische Unternehmen eine große Chance“, sagte er. „Ich bin überzeugt, dass Datenschutz ein wichtiger Wirtschaftsfaktor ist.“

Ähnlich sieht es Saskia Esken, Berichterstatterin der SPD-Bundestagsfraktion für Datenschutz und Informationsfreiheit. Bei digitalen Infrastrukturen und Dienstleistungen würden künftig der Schutz persönlicher Daten und die Privatsphäre ebenso wie die IT-Sicherheit eine „wachsende Rolle“ spielen. Deutschen und europäischen Herstellern böte sich damit die Gelegenheit einen Vorsprung zu entwickeln, auch wenn sie technologisch noch einiges aufzuholen hätten.

Zugleich sieht Esken den Staat in der Pflicht, Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass für digitale Produkte ein „stabiler Markt“ entstehen könne. Die Politik müsse etwa „mit klaren Regeln und Innovationsförderung für gleiche Marktbedingungen gegenüber den globalen Playern“ sorgen. Außerdem sollte die öffentliche Hand mit gutem Beispiel vorangehen, indem sie sich „in Beschaffung und Vergabe auf nachweislich datenschutzkonforme und sichere Produkte beschränkt und open Source bevorzugt“.

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