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E-Government Analog statt digital – Deutsche nutzen selten das Internet im Umgang mit Behörden

Die Bundesregierung digitalisiert immer mehr Verwaltungsdienstleistungen. Eine Umfrage zeigt: Die Deutschen sind aber noch unzufrieden mit den Angeboten.
Update: 14.07.2019 - 14:09 Uhr Kommentieren
Digitale Verwaltung ist in Deutschland bislang wenig verbreitet. Quelle: dpa
Analog statt digital

Digitale Verwaltung ist in Deutschland bislang wenig verbreitet.

(Foto: dpa)

BerlinDie Deutschen nutzen selten das Internet im Umgang mit Behörden. Das zeigen eine bislang unveröffentlichte Umfrage der Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG), die dem Handelsblatt vorliegt, und am Freitag publizierte Zahlen des Statistischen Bundesamtes.

Nach einer Umfrage von BCG unter insgesamt 14.000 Bürgern weltweit nutzen gerade mal vier von zehn Deutschen regelmäßig digitale Dienstleistungen von Behörden. In den USA und Frankreich sind es rund ein Drittel. In Saudi-Arabien und Indien wählen dagegen 70 Prozent den digitalen statt den analogen Weg im Umgang mit Behörden.

Das Statistische Bundesamt kommt für Deutschland zu ähnlichen Ergebnissen. Laut einer am Freitag veröffentlichten Erhebung nutzten im vergangenen Jahr nur 50 Prozent der Deutschen das Internet für den Kontakt mit Behörden und öffentlichen Einrichtungen. Der Fortschritt ist dabei gering: Vor zehn Jahren hatte dieser Anteil bei 39 Prozent gelegen.

Dass die Deutschen im Vergleich zu Bürgern in anderen Ländern selten auf digitale Angebote von Behörden zurückgreifen, belegen auch andere Studien. In einem aktuellen Ranking der Europäischen Kommission zum Stand des E-Governments in Europa ist die Bundesrepublik sogar noch weiter zurückgefallen und belegt jetzt Platz 24.

Ein Grund für die geringe Nutzung ist auch, dass häufig noch gar keine Behördendienstleistungen digital vorhanden sind. Laut der Erhebung des Statistischen Bundesamtes nutzen Bürger etwa den Onlineversand von Formularen an Behörden neben Datenschutzbedenken auch deshalb nicht, weil das Angebot fehlt.

Die Bundesregierung hat das Ziel ausgegeben, bis 2022 alle 575 Verwaltungsdienstleistungen in Deutschland digital anzubieten. In der vergangenen Legislaturperiode hatte sie sich sogar mit dem Onlinezugangsgesetz dazu verpflichtet. Demnach müssen Bund und Länder ihre Verwaltungsdienstleistungen auch elektronisch über Verwaltungsportale anbieten, die auch miteinander verknüpft werden müssen.

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Doch die Umsetzung ist eine Mammutaufgabe – und derzeit sieht es nicht so aus, als ob Bundesregierung ihre ehrgeizigen Ziele überhaupt erreichen kann. „Weder werden die Vorgänge in den Verwaltungen ausreichend digitalisiert, noch werden die Angebote für die Bürgerinnen und Bürger attraktiv gestaltet.

Solange das Telefax das beliebteste Kommunikationsmittel der Verwaltungen bleibt, so lange bleiben wir auch im Zeitalter der Behördenstuben mit Unterschriften auf Papier vor Ort“, bemängelt der digitalpolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Manuel Höferlin.

Dabei sehen die Bürger selbst großen Nachholbedarf. Laut der Umfrage von BCG sind nur 46 Prozent der Befragten derzeit mit den digitalen Angeboten der Behörden zufrieden, bei den Briten sind es hingegen 63 Prozent und bei den Niederländern 62 Prozent.

Jens Zimmermann, digitalpolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, fordert von dem zuständigen Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) mehr Engagement. „Im Bereich der digitalen Verwaltung gibt es noch Nachholbedarf“, sagte Zimmermann dem Handelsblatt. Die Koalition habe klare Ziele festgelegt. „Für deren zügige Umsetzung nehme ich Herrn Seehofer im Bundesinnenministerium in die Pflicht und sage klar: Es braucht mehr Bemühungen die Digitalisierung der Verwaltung voranzutreiben.“

Immerhin: Die Deutschen spüren bereits eine leichte Veränderung zum Positiven. 61 Prozent gaben bei der BCG-Umfrage an, dass Onlineangebote der Verwaltung in den vergangenen zwei Jahren „etwas besser“ geworden seien, 17 Prozent sagen sogar, dass sie „viel besser“ geworden sind.

In Frankreich sehen 54 Prozent eine geringe Verbesserung und 19 Prozent eine deutliche Verbesserung. Positiver ist die Stimmung in Polen, wo 41 Prozent große Fortschritte bei der Digitalisierung der Verwaltungsdienstleistungen sehen.

Zufrieden zeigten sich die Deutschen insbesondere bei der Onlinebezahlung von Strafen oder Bußgeldern, bei der Beschaffung von öffentlichen Echtzeitinformationen wie Daten zum Wetter sowie beim Erstellen der Steuererklärung. Luft nach oben gibt es noch bei Anträgen für Unterstützung vom Staat oder bei der Neubeantragung von Ausweisen und Lizenzen.

Am häufigsten nutzen die Deutschen laut Statistischem Bundesamt das Internet im Umgang mit Behörden, um nach Informationen zu suchen. Nicht einmal ein Drittel der Bundesbürger lädt sich hingegen amtliche Formulare herunter und gerade mal 16 Prozent nutzen das Internet, um ausgefüllte Formulare an die Behörden zu senden.

Skeptisch sind die Deutschen bei der Anwendung von neuen Technologien in der öffentlichen Verwaltung. Nur rund ein Drittel der von BCG Befragten befürworten den Einsatz von Künstlicher Intelligenz bei Behörden. Insbesondere der Blick auf noch nicht gelöste moralische und ethische Aspekte sowie die mangelnde Transparenz bei Entscheidungen bereitet ihnen Sorgen.

Viele Bürgerinnen und Bürger seien skeptisch, was die Nutzung digitaler Angebote, wie beispielsweise des elektronischen Personalausweises, angehe, so Zimmermann. Hier müsse die Politik das notwendige Vertrauen schaffen, forderte er.

Mehr: Warum Demokratien lernen müssen, Technologien anzuwenden, lesen Sie hier.

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