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Ehemaliger SPD-Chef Sigmar Gabriel wird Politikberater der US-Denkfabrik Eurasia Group

Nach seiner Absage an den VDA wird der frühere SPD-Chef Sigmar Gabriel künftig Investoren und Managern die Welt der Politik erklären.
Update: 12.11.2019 - 17:58 Uhr Kommentieren
Sigmar Gabriel wird Politikberater der US-Denkfabrik Eurasia Group Quelle: dpa
Sigmar Gabriel

Bei der Eurasia Group kann der Niedersachse nun ohne parteipolitische Zwänge globale Themen analysieren und erklären.

(Foto: dpa)

Berlin Wenige Tage nach seinem Rückzug aus der aktiven Politik hat Sigmar Gabriel einen neuen Job: Der frühere SPD-Vorsitzende und Bundesaußenminister berät künftig die amerikanische Denkfabrik Eurasia Group. Gabriel hatte zum 1. November sein Bundestagsmandat niedergelegt, nachdem er für höhere politische Ämter in der Großen Koalition nicht mehr infrage kam.

Wer Gabriel kennt, weiß, dass der 60-Jährige seine Zeit nicht auf den hinteren Bänken des Bundestages fristen würde. Bei der Eurasia Group kann der Niedersachse nun das tun, was seine Leidenschaft ist: politische Zusammenhänge erklären.
Die Eurasia Group wurde 1998 von dem Amerikaner Ian Bremmer mit dem Ziel gegründet, Investoren und Wirtschaftsführern die Auswirkungen und Risiken politischer Entwicklungen auf internationale Märkte zu erklären.

Heute ist Eurasia eine global arbeitende Politikberatung, die auf vier Kontinenten vertreten ist. Bremmer selbst ist Politikwissenschaftler, gilt bei Managern und Politikern als „Guru“ für geopolitische Risiken und lehrt als Professor an der New York University. Als einer der Ersten hat er die Folgen eines Rückzugs der USA aus der Führungsrolle in der Welt analysiert.

Sigmar Gabriel habe auf höchster Ebene der deutschen Regierung gearbeitet und sei „eine Schlüsselfigur für europäische und globale Angelegenheiten“, sagte Bremmer zu seiner Neuverpflichtung. „Sein Wissen und seine Erfahrung werden unseren Kunden dabei helfen, durch die aktuelle geopolitische Rezession zu navigieren.“

Globale Machtverschiebungen

Gabriel sieht die Lage ähnlich dramatisch wie sein neuer Arbeitgeber: „Noch nie war die internationale Zusammenarbeit bei wichtigen Themen wie dem Klimawandel oder der weltweiten Migration so gering“, sagte der Ex-Politiker dem Handelsblatt. Ihn interessierten besonders „die tektonischen Machtverschiebungen in der Welt“. Statt nur auf US-Präsident Donald Trump zu blicken, solle man sich besser mit dem wachsenden Einfluss Chinas zum Beispiel durch die neue Seidenstraße befassen.

„Unternehmen und Investoren in Europa wollen mehr über diese geopolitischen Veränderungen wissen. Zum Beispiel darüber, ob sich die digitale Welt und damit auch die Märkte in politische Einflusszonen aufspalten.“

In Deutschland gebe es bislang keine Politikberatung, die sich so intensiv mit geopolitischen Fragen befasse, wie die Eurasia Group dies tue. „Das liegt auch daran, dass uns die Vereinigten Staaten lange Zeit die geopolitischen Risiken abgenommen haben“, betonte Gabriel. Damit sei es aber jetzt vorbei. Erst mit Verzögerung beginne auch hierzulande eine geopolitische Debatte.

Lange habe er nicht überlegen müssen, als er das Angebot von Eurasia-Chef Bremmer erhielt, sagte Gabriel. Wohl auch deshalb nicht, weil die Eurasia Group zwar politisch unabhängig ist, politische Meinungen aber durchaus zulässt. „Niemand hat von mir verlangt, dass ich mich künftig politisch zurückhalten muss. Das wäre auch gar nicht gegangen.“

Eine Vollzeitbeschäftigung sei seine neue Tätigkeit bei Eurasia ohnehin nicht. Das nährt zwar Spekulationen, Gabriel könnte demnächst noch weitere Verpflichtungen annehmen, doch er selbst winkt erst einmal ab. „Im Moment bin ich ganz gut ausgelastet.“
Seinen Rückzug aus der aktiven Politik hatte Gabriel damit begründet, „dass ich mit 60 Jahren jetzt noch einmal die Chance habe, etwas Neues anzufangen“.

Der frühere Minister ist bereits Vorsitzender der Atlantik-Brücke zur Pflege der deutsch-amerikanischen Beziehungen. Außerdem arbeitet er als Autor für die Holtzbrinck Gruppe, in der auch das Handelsblatt erscheint.

Bis vor Kurzem war Gabriel auch als neuer Präsident des Verbands der Automobilindustrie (VDA) im Gespräch. Nach „reiflicher Überlegung und aufgrund anderer Aufgaben“ habe er sich jedoch dagegen entschieden. „Mit dem Angebot der Eurasia Group hat meine Absage an den VDA jedoch nichts zu tun“, betonte er. „Das hatte andere Gründe.“

Mehr: Nach dem Rückzug von Sigmar Gabriel könnte Hildegard Müller oberste Auto-Lobbyistin werden. Doch diese Lösung braucht noch Zeit.

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