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Ein Jahr nach tödlicher Messeattacke Weniger Zulauf als erwartet bei rechter Demonstration in Chemnitz

Statt der angekündigten 1000 Teilnehmer kommen nur etwa 450 Personen zu einer rechten Demo in Chemnitz. Weitaus mehr Menschen besuchen andere Veranstaltungen.
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Teilnehmer der rechtsextremistischen Bewegung Pro Chemnitz versammeln sich im Zentrum von Chemnitz zu einer Kundgebung. Quelle: dpa
Chemnitz

Teilnehmer der rechtsextremistischen Bewegung Pro Chemnitz versammeln sich im Zentrum von Chemnitz zu einer Kundgebung.

(Foto: dpa)

Chemnitz Ein Jahr nach einer tödlichen Messerattacke in Chemnitz haben erneut Rechtsextreme in der Stadt demonstriert. Dem Aufruf des Bündnisses Pro Chemnitz folgten am Sonntagabend aber weit weniger Menschen als angekündigt. Statt der angemeldeten 1000 Teilnehmer kamen nach Angaben von Polizei und Ordnungsbehörde rund 450.

Die Polizei war mit knapp 700 Beamten aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen sowie der Bundespolizei im Einsatz. Ein Teilnehmer wurde nach dem Zeigen des Hitlergrußes laut Polizei aus der Demo gezogen.

Viel mehr Zulauf als Pro Chemnitz hatten am Wochenende andere Veranstaltungen in der Stadt. Zu einem dreitägigen Bürgerfest kamen nach Angaben der Organisatoren 67.000 Besucher. Der DGB zählte zudem bei seinem Sommerfest am Sonntag 7500 Gäste.

Auch in der sächsischen Landeshauptstadt Dresden wurde Flagge gegen Fremdenhass gezeigt. Einem Aufruf des Bündnisses „Unteilbar“ folgten nach dessen Angaben am Samstag 40.000 Menschen. Es war die wohl größte Demonstration in Dresden seit dem Mauerfall. In einer Woche wird in Sachsen gewählt. Es wird ein abermaliges Erstarken der AfD erwartet.

Am 26. August 2018 war am Rande des Chemnitzer Stadtfestes ein Deutscher erstochen worden. Die Tat hatte rechte Demonstrationen und rassistische Übergriffe ausgelöst, die Chemnitz monatelang erschütterten. Für die ersten Demos hatten vor allem Hooligans aus dem Umfeld des Chemnitzer FC mobilisiert. Danach rief regelmäßig Pro Chemnitz zu Aufmärschen auf. Die Wählervereinigung wird im sächsischen Verfassungsschutzbericht 2018 als rechtsextremistisch eingestuft. Auch am Sonntag waren bei der Pro-Chemnitz-Kundgebung erkennbare Hooligans in T-Shirts der Band Kategorie-C dabei. Für kommenden Freitag kündigte das Bündnis eine weitere Demo an.

Wegen der tödlichen Attacke war am Donnerstag ein Syrer zu neuneinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Der Angeklagte hatte im Prozess geschwiegen, in einem Fernseh-Interview jedoch bestritten, den 35-Jährigen erstochen zu haben. Nach einem zweiten Verdächtigen aus dem Irak wird weltweit gesucht.

Die Chemnitzer Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig (SPD) sagte, Pro Chemnitz suche die Bühne. Im vorigen Jahr sei das dem Bündnis gelungen. „In einer Demokratie gibt es ein Versammlungsrecht. Das genießt gerade Pro Chemnitz“, sagte die Stadtchefin. Sie hoffe aber, „dass das Bild dieser Stadt nicht nur das ist“. Veranstaltungen wie das dreitägige Bürgerfest seien „die stärkste Antwort“ auf die Ereignisse vom vorigen Jahr.

Das Bürgerfest, das ein eigens gegründeter Verein als Ersatz für das abgesagte Chemnitzer Stadtfest organisiert hat, soll auch 2020 stattfinden. „Wir haben das letzte Wochenende im August 2020 schon reserviert“, sagte der Vereinssprecher Sebastian Thieswald der Deutschen Presse-Agentur.

Auf zehn Bühnen und an weiteren Plätzen in der Innenstadt hatten Künstler, Schausteller und Vereine ein buntes Programm geboten. Man sei mit der Qualität der Veranstaltung zufrieden, hätte sich aber einen größeren Besucherzuspruch gewünscht. „Wir würden uns wünschen, dass mehr Chemnitzer in die Stadt kommen“, sagte Thieswald. Das Bürgerfest sei ein neues Format, dem noch etwas Skepsis entgegenschlage.

Man habe mit Blick auf den ersten Jahrestag des tödlichen Messerangriffs an diesem Montag das Wochenende davor absichtlich mit dem Bürgerfest belegt. „Es war doch klar, an diesem Wochenende guckt die Welt auf diese Stadt“, sagte Thieswald. Man wolle Chemnitz nicht Radikalen überlassen. „Wir kämpfen wie die Löwen darum, dass die Mitte aufgefüllt wird“, betonte der selbstständige Unternehmer. Und er fügte an: „Wir wollen Chemnitz zeigen, wie es wirklich ist: attraktiv, freundlich, friedlich. Und man kann fröhlich miteinander feiern. Der Dialog darf nicht enden.“

Die Veranstalter der „Unteilbar“-Demo in Dresden zeigten sich von der Resonanz überwältigt. „Die Zukunft kann nur eine Solidarische sein. Eine Politik, die immer mehr auf Abschottung setzt und Rassismus weiter hofiert, kann keine Lösung sein“, sagte Bündnis-Sprecherin Susann Riske.

Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) zollte den Teilnehmern Respekt, blieb aber selbst fern. Als Regierungschef und CDU-Vorsitzender könne er nicht „bei einer Veranstaltung dabei sein, bei der auch Kräfte wie die Antifa mit von der Partie sind“, begründete er.

Mehr: In die Debatte um den richtigen Umgang mit der AfD hat sich Industrieverbandschef Kempf eingeschaltet. Andere Wirtschaftsvertreter warnen auch vor der AfD.

  • dpa
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