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Einkaufsmanagerindex Geschäfte deutscher Industrie laufen so schlecht wie seit 2012 nicht mehr

Der Handelsstreit und Brexit belasten die Geschäfte deutscher Unternehmen. Der IHS-Markit-Einkaufsmanagerindex fiel im März überraschend stark.
Update: 22.03.2019 - 11:06 Uhr Kommentieren
Das Barometer für die gesamte Privatwirtschaft gab um 1,3 auf 51,5 Punkte nach. Quelle: dpa
Deutscher Industriesektor

Das Barometer für die gesamte Privatwirtschaft gab um 1,3 auf 51,5 Punkte nach.

(Foto: dpa)

Berlin Die deutsche Industrie gerät wegen der schwachen Weltkonjunktur immer stärker in den Abwärtsstrudel: Ihre Geschäft liefen im März so schlecht wie seit über sechseinhalb Jahren nicht mehr. Der Einkaufsmanagerindex fiel um 2,9 auf 44,7 Punkte, wie das Institut IHS Markit am Freitag zu seiner monatlichen Umfrage unter Hunderten Unternehmen mitteilte. Von Reuters befragt Ökonomen hatten hingegen einen Anstieg auf 48,0 Punkte erwartet. Erst bei mehr als 50,0 signalisiert das Barometer ein Wachstum.

„Angesichts verstärkter Rückgänge bei Produktion, Auftragseingang und Exporten hat sich die Talfahrt des deutschen Industriesektors weiter beschleunigt“, sagte Markit-Experte Phil Smith. „Die Unsicherheit hinsichtlich des Brexit und der Handelsbeziehungen zwischen den USA und China, die Schwäche der Automobilindustrie und die generell nachlassende weltweite Nachfrage belasteten in ganz erheblichen Ausmaß und sorgten für die stärksten Geschäftseinbußen seit 2012.“

An den Börsen kamen diese Nachrichten nicht gut an: Der Dax drehte ins Minus, während der Euro um etwa ein halbes Prozent abwertete. Viele Anleger flüchteten in Staatsanleihen, was die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe erstmals seit Oktober 2016 wieder unter null Prozent drückte. „Alles unter 45 Punkten kann man als Signal für eine bevorstehende Rezession interpretieren“, erklärte Analyst Jochen Stanzl vom Online-Broker CMC Markets das Verhalten der Anleger mit Blick auf die Indexzahlen.

Industrie baut Stellen ab

Der Binnenmarkt schlägt sich dagegen recht gut: Der Einkaufsmanagerindex für die Dienstleister fiel zwar leicht um 0,4 auf 54,9 Zähler, signalisiert aber immer noch ein robustes Wachstum. „Die Frage ist nur, wie lange er sich dem Abwärtssog der Industrie entziehen kann“, sagte Smith. „Der erste Stellenabbau in der Industrie seit drei Jahren ist sicher ein Warnsignal für die Binnennachfrage.“

Die Wirtschaftsweisen haben gerade erst ihr Prognosen für das Wachstum des deutschen Bruttoinlandsproduktes in diesem Jahr auf 0,8 Prozent nahezu halbiert.

Die deutsche Schwäche belastet inzwischen auch die Euro-Zone: Der Einkaufsmanagerindex - Industrie und Dienstleister zusammen - fiel um 0,6 Punkte auf 51,3 Zähler. Das ist der drittschlechteste Wert in den vergangenen rund viereinhalb Jahren. „Die Wirtschaft der Euro-Zone beendete das erste Quartal verhalten“, sagte Markit-Chefvolkswirt Chris Williamson. Die Daten signalisierten lediglich ein Wachstum der Wirtschaft um 0,2 Prozent. „Zukunftsindikatoren wie Konjunkturoptimismus und Auftragsbestand deuten darauf hin, dass das Wachstum im zweiten Quartal noch schwächer ausfallen könnte“, warnte der Experte.

Auch fiel das Industrie-Barometer auf Werte, die normalerweise in Rezessionszeiten zu beobachten sind. „Eine Erholung der Konjunktur im Verlauf der ersten Jahreshälfte ist nach den Daten noch unwahrscheinlicher geworden“, sagte Commerzbank-Ökonom Christoph Weil. Er gehe aber davon aus, dass das chinesische Konjunkturprogramm im Sommer seine Wirkung entfaltet und damit weltweit der Industrie wieder Rückenwind gibt. Die Regierung in Peking hat beispielsweise Steuern gesenkt und will Milliarden in die Infrastruktur stecken.

  • rtr
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