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Einsatz von KI Frust beim Digitalgipfel: „Hier weht ein Hauch von Cebit“

Die Gewerkschaften fordern von der Politik klare Regeln für die Künstliche Intelligenz und mehr Engagement der Wirtschaft beim Einsatz der Technologie. Die ist zunehmend genervt.
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Auf dem Digitalgipfel der Bundesregierung wurde auch über den Einsatz Künstlicher Intelligenz diskutiert. Quelle: AFP
Blick in die Zukunft mit Angela Merkel (re.) und Peter Altmaier (2.v.li)

Auf dem Digitalgipfel der Bundesregierung wurde auch über den Einsatz Künstlicher Intelligenz diskutiert.

(Foto: AFP)

Nürnberg, DüsseldorfIG-Metall-Chef Jörg Hofmann ist sichtlich verärgert. Pünktlich zum Digitalgipfel hatte eine neue Umfrage der Boston Consulting Group (BCG) ergeben, dass sich weniger als die Hälfte aller deutschen Unternehmen mit der Zukunftstechnologie Künstliche Intelligenz (KI) beschäftigt. „Das ist angesichts der Dynamik des Prozesses unverantwortlich, gerade auch gegenüber den Mitarbeitern“, schimpft er beim zwölften Digitalgipfel der Bundesregierung in Nürnberg am Dienstag.

Die Gewerkschaften haben zunehmend die Sorge, dass Arbeitnehmer bei der Digitalisierung und insbesondere beim Einsatz von KI unter die Räder kommen. Der Verlust von Arbeitsplätzen, weil Unternehmen durch eigene Versäumnisse ihre Geschäftsgrundlage wegbricht, ist nur ein Teil der Befürchtung. Auch die mögliche Verdrängung der Menschen und der Schaden, den eine autonom handelnde Maschine anrichten könnte, beschäftigen die Arbeitnehmer.

In einem Strategiepapier stellt die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi nun als erste Gewerkschaft in Deutschland einen konkreten Forderungskatalog für den Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der Arbeitswelt auf. Zu den 14 Kernpunkten der Beschlussvorlage, die dem Handelsblatt vorliegt, gehört eine Verteilung der Gewinne, die aus dem Einsatz von KI resultieren. Die Gelder sollen etwa genutzt werden, um die sozialen Sicherungssysteme zu stärken.

Zudem fordert die Gewerkschaft eine Kennzeichnungspflicht, wenn intelligente Maschinen zum Einsatz kommen – etwa sollen Kunden beim Anruf bei Hotlines immer informiert werden, wenn sie statt mit einem Menschen mit einem Chatbot reden.

Ethik-Regeln für Maschinen

Zudem definierten die Arbeitnehmervertreter „rote Linien“, wie etwa ein Verbot autonomer Waffensysteme. Für sie steht im Mittelpunkt: Die Beschäftigten sollen beteiligt werden, damit die Angst vor KI abgebaut werden kann.

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Dazu sollen Ethik-Regeln und etwa ein garantierter Schutz von Whistleblowern dienen. „Wir müssen Ängste in Sorgen und Sorgen in Handlungsmuster übersetzen, die der Nützlichkeit dienen“, sagte Lothar Schröder, Verdi-Vorstand und Telekom-Vizeaufsichtsratschef.

Zwar wurde aus der Wirtschaft die Forderung nach einer Steuerung des Einsatzes von KI in der Arbeitswelt begrüßt, die Idee einer Verteilung der Effizienzgewinne stieß jedoch auf Kritik. „Eine Maschinensteuer ist nicht nur ökonomisch in einer globalisierten Wirtschaft fatal, sondern wäre auch in der Praxis nicht umsetzbar“, sagte Jörg Bienert, Vorsitzender des Deutschen KI-Verbands, dem Handelsblatt.

Es sei ein Trugschluss, dass Arbeitnehmer durch KI ersetzt würden. Sie würden hingegen in ihrer Tätigkeit unterstützt.

Beim Digitalgipfel in Nürnberg bedankte sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bei den Gewerkschaften, dass sie sich Gedanken darüber machten, was die Digitalisierung für die Arbeitswelt bedeutet. Die Bundesregierung habe sich der Qualifizierung und Weiterbildung verschrieben, betonte sie. „Ich halte das für sehr wichtig.“

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) sieht genau wie IG-Metall-Chef Hofmann aber auch die Unternehmen in der Pflicht, sich bei der Entwicklung und der Nutzung von Künstlicher Intelligenz stärker zu engagieren. Neue Arbeitsplätze sollten in Deutschland und nicht in Amerika oder China entstehen. „Die Ausgangsposition ist nicht immer überall hervorragend“, sagte er.

Eine Kritik, die auch Merkel äußerte. Gerade im Mittelstand sei die „Durchdringung“ noch nicht so, wie sie sein sollte. „Wir alle bewegen uns in einer Sphäre, in der wir uns nicht so gut auskennen“, so Merkel. Früher habe sie dazu Neuland gesagt, das habe ihr einen „großen Shitstorm“ eingebracht. Aber jedenfalls sei es „noch nicht durchschrittenes Terrain“.

Altmaier stört besonders, dass Forschungsergebnisse von deutschen Unternehmen häufig nicht in konkrete Geschäftsmodelle übertragen werden. Wenn Erfolg versprechende Unternehmen gegründet werden und, um wachsen zu können, Geld benötigten, würden die schnell von amerikanischen Investoren übernommen. „Wir müssen uns überlegen, wie wir es schaffen können, dass wir dieses Geld auch bei uns hier verfügbar machen können“, mahnte er.

Kritik der Start-up-Branche

Für die Vertreter insbesondere der jungen Digitalunternehmen ist dieses Problem nicht neu. Seit Jahren schon klagen sie über zu wenig Geld in der Wachstumsphase, das aus Deutschland kommt.

Entsprechend genervt zeigten sich die Teilnehmer bei der Veranstaltung. „Der Digitalgipfel wirkt aus der Zeit gefallen“, sagte ein Vertreter der Start-up-Branche.

Kritisiert wurde etwa, dass auf den Podien überwiegend ältere Männer saßen und immer wieder abgedroschene Phrasen wie „Daten sind das neue Rohöl“ zum Besten gegeben wurden. „Hier weht ein Hauch von Cebit“, raunte einer der Teilnehmer in Anspielung auf die Technikmesse, deren Aus vergangene Woche mitgeteilt wurde. Zuletzt hatten dort viele Aussteller abgesagt.

Auch beim Digitalgipfel fehlten wichtige Akteure: Arbeitsminister Hubertus Heil und Bundesinnenminister Horst Seehofer ließen sich von ihren Staatssekretären vertreten.

Wer mit den Teilnehmern aus der Wirtschaft sprach, hörte immer wieder Frust heraus. Beispiel KI-Strategie. KI-Verbandschef Bienert sieht zwar positive Ansätze in dem Plan der Bundesregierung. Allerdings enthalte er keine messbaren Ziele, kritisierte er. Daher sei noch viel Konzeptarbeit nötig. „Wenn nichts passiert, ist die Strategie nur eine nette Ideensammlung.“

Ein guter Anfang, nicht mehr, nicht weniger – das war bei vielen Vorträgen und auf Podien der Tenor. Dietmar Harhoff, Leiter des Max-Planck-Instituts für Innovation und Wettbewerb in München, sagte zwar, Deutschland sei bereits ein guter Standort für die Forschung.

Allerdings sieht er noch Nachholbedarf beim Wissenstransfer: Es brauche ein Ökosystem aus Start-ups, Mittelständlern, Konzernen wie auch Wissenschaftseinrichtungen, „die zusammenarbeiten, um Anwendungen zu fördern“.

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