Einschnitte bei den Streitkräften Zu Guttenberg rüstet Deutschland ab

Nach den Plänen von Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg sollen die deutschen Rüstungsausgaben deutlich schrumpfen. EADS-Chef Louis Gallois fürchtet um die Zukunft seines Unternehmens und den Verlust Tausender Arbeitsplätze. Auf der heutigen Sicherheitstagung ist Streit programmiert.
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Der Verteidigungsminister macht Ernst: Nach der geplanten Aussetzung der Wehrpflicht drohen jetzt auch der Rüstungsindustrie drastische Einschnitte. Quelle: APN

Der Verteidigungsminister macht Ernst: Nach der geplanten Aussetzung der Wehrpflicht drohen jetzt auch der Rüstungsindustrie drastische Einschnitte.

MAZAR-I-SHARIF. Die Boots mit Wüstensand bedeckt, die blaue Bomberjacke angestaubt, steht der deutsche Verteidigungsminister im afghanischen Hauptquartier der Bundeswehr. Karl-Theodor zu Guttenbergs Blick schweift über ein gepanzertes Patrouillen-Fahrzeug. Dann schüttelt er den Kopf. „Wahrhaft groteske Verträge mit der Industrie sind die früher im Ministerium eingegangen“, sagt er. Das werde sich ändern – und zwar bald.

Der Verteidigungsminister macht Ernst. Nach der geplanten Aussetzung der Wehrpflicht drohen jetzt auch der Rüstungsindustrie drastische Einschnitte. „Härtere Gangart gegenüber der Industrie“ nennt zu Guttenberg das. Allein in den nächsten vier Jahren soll die Bundeswehr 8,3 Mrd. Euro einsparen. Alle großen Projekte stehen auf dem Prüfstand, heißt es in Berlin.

Zwei Jahrzehnte nach Ende des Kalten Kriegs rüstet Deutschland ab. Die Rüstungsindustrie ist alarmiert. Der Chef des größten europäischen Luft- und Raumfahrtkonzerns, EADS, Louis Gallois, warnt: „Wenn wir bei den Neuentwicklungen kürzen, setzen wir die Zukunft des Unternehmens aufs Spiel.“ Das werde „wahrscheinlich Auswirkungen auf Jobs haben“, sagte er dem Handelsblatt. Am Dienstag treffen sich die Vertreter der Branche auf der Handelsblatt-Tagung Sicherheit und Verteidigung in Berlin.

Schon jetzt gibt Deutschland im internationalen Vergleich wenig für die Rüstung aus. 2009 waren es 48 Mrd. Dollar. In Frankreich und Großbritannien beträgt der Militäretat jeweils fast 70 Mrd. Dollar.

Leidtragender der Berliner Sparpolitik ist EADS. In dessen Büchern landet die Hälfte der Beschaffungsausgaben der Bundeswehr. Insgesamt macht der Konzern einen Umsatz von 43 Mrd. Euro. Ein Viertel davon im Bereich Rüstung. EADS liefert den Militärs den Eurofighter, den geplanten Militärtransporter A400M oder den Kampfhubschrauber Tiger. Viele dieser Projekte fielen in der Vergangenheit vor allem durch Kostenüberschreitungen und Lieferverzögerungen auf.

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6 Kommentare zu "Einschnitte bei den Streitkräften: Zu Guttenberg rüstet Deutschland ab"

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  • Den Jäger 90 haben wir noch in der Entwicklung mitgemacht, damals in den 90-zigern. Wenn Sie sich Fragen warum nur EADS, nur deshalb weil Sie die Nachfolgerfirma der AEG AG ist. Schauen Sie mal nach ULM ex AEG AG Gelände.
    Zum Jäger 90 gab es in den USA schon die F16, dreimal besser wie dies olle Ding. Aber es muss ja was Deutsches sein, wegen den Arbeitpätzen usw.
    Wenn Sie die Organisation der AEG in Ulm kannten, dann graut es einen heute noch davon, wie die gedacht und gearbeitet haben.
    Hier hat einer Recht, es liegt an der Überalterung in Deutschland. Wir haben keine Kinder mehr und somit für die Zukunft keine Soldaten mehr, Ps übrigens auch nicht mehr für die Hochschulen die als nächstes Abgeschafft werden muessen. Dann sollten sie mal den Aufschrei hören, wenn die erste UNi geschlossen wird. Herr Lokomotive vorwärts rückwärts von und zugenäht muss reagieren, weil er der einzige ist der was im Kopf hat. Lieber füher wie später.

  • interessant das Zitat - in Anfghanistan schimpft der Minister über die beschaffungspolitik der letzten Jahre, die offensichtlich völlig am bedarf vorbei geschah.

    Und dass die eher linkseingestellten Gewerkschaften nun auf einmal vor Einschnitten bei der Rüstungsproduktion warnen ist auch interessant.

  • Lasst euch nicht mit so unwichtigen Dingen ablenken !
    Wichtigstes Thema : Währungsreform und grundlegende politische Erneuerung !!!!

  • Der Eurofighter, ehemals das "Jäger 90"-Projekt, und der Kampfhubschrauber Tiger sind die besten beispiele dafür, welchen irrsinn EADS fabriziert.
    Die Entwicklung des Eurofighter dauerte über 20 Jahre, der Tiger ist bis heute in der bundeswehr nicht im Dienst. bestünde bei Rüstungsprodukten für die bundeswehr tatsächlich Konkurrenzkampf, wäre EADS wohl schon länger pleite. Denn dann würde die bundeswehr Flugzeuge aus Frankreich oder Russland kaufen, die pro Stück nicht einmal ein die Hälfte des Eurofighters kosten und schon seit Jahren bei anderen Armeen erfolgreich im Einsatz sind.
    Zu Guttenberg hat also vollkommen recht, wenn er die Verträge mit den Rüstungskonzernen überprüfen will!

  • Wer hätte geglaubt, das in Deutschland 70 Jahre nach dem 2. Weltkrieg Vernunft und wirtschaftliches Denken auch vor den Streitkräften nicht mehr halt machen. Muss an einem höheren Reifegrad der Verantwortlichen liegen.

  • Wer hätte geglaubt, dass sich Deutschland 70 Jahre nach den 2. Weltkrieg keine nennenswerte Armee mehr leisten will. Muss an der Überalterung liegen.

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