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Eklat bei Kreuzberg-Visite Bitte einen leckeren Döner für Thilo Sarrazin!

Zwischen Hysterie, Desinteresse und Beleidigtsein: Wo Integrationskritiker Thilo Sarrazin bei seinem Kiezspaziergang auch hinkam, schlossen sich die Türen. Wie ein "geprügelter Hund" habe er sich weggeschlichen.
  • Özlem Topcu
16 Kommentare
Der ehemalige Berliner Finanzsenator Thilo Sarrazin steht zusammen mit einem Kamerateam des ZDF bei einem Gemüsehändler in Berlin Kreuzberg. Quelle: dpa

Der ehemalige Berliner Finanzsenator Thilo Sarrazin steht zusammen mit einem Kamerateam des ZDF bei einem Gemüsehändler in Berlin Kreuzberg.

(Foto: dpa)

Berlin Türkische Sprichwörter sind beliebt. Und einige helfen sogar in Deutschland. Sana taş atana, sen ekmek at zum Beispiel, was so viel heißt wie: »Wenn dich jemand mit Steinen bewirft, wirf Brot zurück.« Wahlweise gibt es den Spruch auch mit Rosen. 

Nun war Thilo Sarrazin also bei den Türken und Arabern in Berlin-Kreuzberg. Geplant war eine »lockere Begegnung«, sagen die Macher der ZDF-Kultursendung Aspekte, die den Ex-Bundesbankvorstand und Integrationskritiker mit der Kamera begleiteten. Die Stationen dieses Kiezspazierganges waren der »Türkenmarkt« am Maybachufer (was wohl dem besonderen Interesse des Bestsellerautors an Obst- und Gemüsehändlern Rechnung tragen sollte), ein türkisches Restaurant, wo sich Sarrazin bei einem Mittagessen mit dem erfolgreichen Besitzer unterhalten wollte, und ein Besuch bei der Alevitischen Gemeinde. 

Wie locker das alles tatsächlich wurde, kann man in einem vorab veröffentlichten Video auf YouTube sehen. Wo Sarrazin auch hinkam, schlossen sich die Türen. Es fanden sich überall ein oder zwei meist türkischstämmige Kreuzberger, die deutlich machten, dass er sich doch bitte aus »ihrem« Kreuzberg entfernen solle. Für wen sie sprachen, wurde nicht klar. Sie führten sich aber auf, als seien sie die Rächer der entehrten türkischstämmigen Kreuzberger. Oder gleich aller Deutschtürken. Bei der Alevitischen Gemeinde fand sich sogar eine kleine Gruppe, die Sarrazin im Chor »Hau ab!« entgegenrief.

Es gab also kein Brot für den Mann, durch den sich viele Einwanderer auf ihren genetischen Code reduziert sahen. Und auch keine Rosen. Dabei wäre es die beste Gelegenheit gewesen, sich mit Thilo Sarrazin und seinen Thesen, die sich mehr als eine Million Mal verkauft haben, auseinanderzusetzen. Auf dem Türkenmarkt: ihn mit einem Kilo Tomaten zu beschenken und ihm dabei zu erzählen, wie hart es ist, jeden Tag um drei Uhr morgens aufzustehen und Gemüsekisten zu schleppen. Im Restaurant: dem Ex-Finanzsenator von Berlin den besten Döner zu servieren, ihn exquisit zu bedienen, natürlich nicht abzukassieren und über Vor- und Nachteile der Risikobereitschaft von migrantischen Unternehmern für die deutsche Volkswirtschaft zu debattieren. Bei den Aleviten: gemeinsam über die Bedeutung des Humanismus in den unterschiedlichen Glaubensrichtungen nachzudenken. Und bei der Gelegenheit den Beweis anzutreten, dass die Tendenz, beleidigt zu sein, vielleicht eine Frage der Mentalität, nicht aber des Glaubens ist.

Es wäre die Gelegenheit gewesen, zu reden und gehört zu werden. Reden und notfalls streiten ist immer besser, als die Tür zuzuschlagen.

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16 Kommentare zu "Eklat bei Kreuzberg-Visite: Bitte einen leckeren Döner für Thilo Sarrazin!"

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  • Ein Depp ist, wer wie ein Depp handelt und sich wie ein Depp benimmt. So ist es Jedem selbst überlassen, ein Depp zu sein. Wenn so ein "edler" Türke ein Depp sein will - Bitteschön! Er darf dann auch ruhig die beleidigte Leberwurst sein, wenn man ihm den Spiegel vorhält.

  • Balci also "Quotentürkin" - höhöhö, wenn man als Türkin gut integriert ist, gilt man also als Quotentürkin. Solch eine dümmliche Polemik lässt auf einen rassistischen, turknationalen Loser schliessen, dem die Integration NICHT gelungen ist. Auch die weiteren Ergüsse (Rattenfänger-Methoden) lassen auf logikresistente Hysterie schliessen, die aufgrund fehlender Argumente bei Linksfaschisten so üblich ist.

  • Dieser Artikel ist eine Zumutung und dem Handelsblatt m.E. nicht würdig! Er macht zum einen deutlich, dass der Autor nicht den differenzierten Beitrag auf ZDF gesehen hat und sich stattdessen mit den vorab veröffentlichten Videos auf Youtube zufrieden gibt. Und was er fordert ist eine einzige Frechheit. Der Türke soll bitteschön nicht beleidigt sein, auch wenn er pauschal wegen seiner Ethnie für blöd erklärt wird. Er soll sich bitteschön auch nicht mit demokratischen Mitteln - wohlgemerkt, hier war keine Gewalt im Spiel! - wehren. Stattdessen soll er wie Jesus nach der ruinierten rechten Wange auch noch die linke hinhalten.

    Merke: In jedem Fall ist er der Depp, der Türke, und macht immer alles falsch.

  • Dieser Artikel ist eine Zumutung und dieser Zeitung nicht würdig! Er macht zum einen deutlich, dass der Autor nicht den differenzierten Beitrag auf ZDF gesehen hat und sich stattdessen mit den vorab veröffentlichten Videos auf Youtube zufrieden gibt. Und was er fordert ist eine einzige Frechheit. Der Türke soll bitteschön nicht beleidigt sein, auch wenn er pauschal wegen seiner Ethnie für blöd erklärt wird. Er soll sich bitteschön auch nicht mit demokratischen Mitteln - wohlgemerkt, hier war keine Gewalt im Spiel! - wehren. Stattdessen soll er wie nach der ruinierten rechten Wange auch noch die linke hinhalten.

    Merke: In jedem fall ist er Depp, der Türke, und macht immer alles falsch.

  • "Es wäre die Gelegenheit gewesen, zu reden und gehört zu werden. Reden und notfalls streiten ist immer besser, als die Tür zuzuschlagen."

    Herr Sarrazin hat sich vorher auch keine Mühe gemacht sich in Gespräche mit den Türken zu verwickeln, warum kam er nicht vor seinem Buch?
    Erst Geld machen, dann die Wogen glätten und am Besten gleichzeitig den schwarzen Peter auf die anderen Schieben.
    Özlem Topcu hat auch nicht verstanden waurm die Menschen verletzt wurden.

  • Ungeachtet des Verständnisses für die Positionen der Kontrahenten muss klar und unstreitig bleiben: Unsere Bevölkerung muss sich in ihrer Heimat frei bewegen dürfen. Wer dies infrage stellt oder relativiert oder individuell einschränkt führt die Benesch-Dekrete nun auch hier ein und duldet die örtliche Auslese von Ethnien. Erstaunlich ist die Gelassenheit unserer Behörden gegenüber dieser völlig inakzeptablen Situation. Nun verlangt niemand, dass die Exekutive und Judikative auf ethnisch motivierte Straftaten plädieren und damit Öl ins Feuer gießen. Auf den Tatvorwurf der Nötigung sollte dagegen nicht verzichtet werden dürfen. Wir werden hellhörig, nachdem Sarrazin dort angepöbelt worden ist, sind uns aber nicht bewusst, dass Angehörige anderer Religionen dort seit Langem nicht nur unwillkommen, sondern existenziell bedroht sind.

  • Sarrazin.....nur peinlich. Schade, dass sich Aspekte dazu hergibt diesem populistischem Brandstifter ein Forum zu bieten.

  • Ich fand die Aktion absolut in Ordnung. Sarrazins Action wahr reine Selbstdarstellung und ein weiter Versuch Migranten für eigene Zwecke zu instrumentalisieren. Was hat er erwartet? Küsse und Umarmungen? Nein, selbstbewusste Migranten die ihr Recht auf Meinungsfreiheit zu nutzen wissen.

    Sarrazin hat es nicht mal geschafft auf anderen Ebenen objektiv zu diskutieren. Warum sollte es jetzt ausgerechnet in Kreuzberg funktionieren (ein Bezirk das er in 15 Jahren nicht einmal besucht hat). Es gibt bessere Diskussionspartner als Sarazzin.

  • Bislang sind mir (männliche) Türken nicht unbedingt als besonders (selbst-) kritikfähig aufgefallen. Das ist bei der landestypischen Erziehung der Jungen auch nicht unbedingt zu erwarten.

    Also höchste Zeit, deutlichen Assimilationsdruck aufzubauen - etwa durch Kita-Zwang ab dem 2. Lebensjahr. Natürlich ohne Geschlechtertrennung! Schließlich gilt hier das Grundgesetz.

  • Der Absatz seines "Bestsellers" ist in den letzten Wochen zurückgegangen. Medial wurde es unheimlich ruhig um ihn. Was käme da am gelegensten? Mit der nächsten "Quotentürkin" an seiner Seite samt Kamerateam und mit freundlicher Unterstützung des Springerverlags mal in Kreuzberg vorbeischauen! Die mehr als durchsichtig geplante Aktion ist an Heuchlerei nicht zu überbieten! Wenn ihm am Dialog gelegen wäre, hätte er dies noch vor Erscheinen seines Buches getan. So bleibt nur ein sehr fader Beigeschmack. Zudem frage ich mich, wie ein mit unseren Steuergeldern hochdotierter ehem. Finanzsenator und späterer Bundesbänker es unter einen Hut gebracht hat, parallel seinem Job nachzugehen und sein Buch zu schreiben!? Das traurigste ist allerdings, dass soviele in diesem Land seinen Rattenfänger-Methoden hereinfallen...

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