Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Elektroautofabrik Brandenburg stellt Tesla 280 Millionen Euro Förderung in Aussicht

Der Bau des Tesla-Werks könnte schon in diesem Monat beginnen, schätzt Brandenburgs Wirtschaftsminister. Auch zu einer Projektförderung sei das Bundesland bereit.
02.03.2020 Update: 02.03.2020 - 18:17 Uhr 1 Kommentar
Befürworter der geplanten Tesla-Fabrik in Grünheide: Von Sommer 2021 sollen die ersten E-Autos vom Band rollen. Quelle: dpa
Pro-Tesla-demo

Befürworter der geplanten Tesla-Fabrik in Grünheide: Von Sommer 2021 sollen die ersten E-Autos vom Band rollen.

(Foto: dpa)

Berlin Reno in Nevada, Schanghai und jetzt Grünheide bei Berlin: Der Bau der geplanten Fabrik des US-amerikanischen Elektroauto-Herstellers Tesla könnte schon in den nächsten Wochen beginnen. „Wir rechnen im Lauf der zweiten Märzhälfte mit dem Spatenstich“, sagte Brandenburgs Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“.

Zur finanziellen Unterstützung des Landes sagte Steinbach: „Theoretisch könnte Tesla rund 280 Millionen Euro Förderung vom Land bekommen. Wie viel es am Ende tatsächlich wird, entscheidet die EU-Kommission.“ Dieses Verfahren dauere mindestens ein Jahr.

Kritik an möglichen Subventionen wies Steinbach zurück. „Wir schenken Tesla kein Geld, und es gibt auch keine Lex Tesla.“ Wie andere Regionen setze die Landesregierung lediglich Anreize, damit Unternehmen in strukturschwachen Regionen Arbeitsplätze schaffen. Die in Aussicht gestellten Fördermittel seien angesichts des Investitionsvolumen von geschätzten vier Milliarden Euro ohnehin überschaubar.

Tesla will in Grünheide vom nächsten Jahr an rund 500.000 Elektrofahrzeuge im Jahr produzieren. Der Konzern will in der geplanten Fabrik bis zu 12.000 Menschen beschäftigen, wie er auf seiner Internetseite schreibt. Zum Vergleich: Momentan beschäftigt das Unternehmen rund 5500 Menschen europaweit.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Die IG Metall stellt sich indes auf harte Auseinandersetzungen mit dem Elektroautobauer Tesla ein. Wenn der US-Konzern für sein geplantes Werk bei Berlin deutsche Infrastruktur nutze und zugleich niedrig entlohnte Arbeitskräfte aus Polen hole, sei das „purer Kapitalismus“, hatte IG-Metall-Chef Jörg Hofmann kürzlich erklärt. „Ich sehe da ordentlich Krach für uns“, sagte Hofmann.

    Weitere Klagen erwartet

    Steinbach sieht auch hier keine unüberwindbaren Hürden. „Wir haben Tesla von Anfang an gesagt, dass von einem Unternehmen dieser Größenordnung erwartet wird, dass es sich der Mitbestimmung und Tarifverträgen stellt“, sagte er. „Und ich gehe fest davon aus, dass Tesla das auch tun wird.“

    Eine Mehrheit der Brandenburger befürwortet einer Umfrage zufolge die Ansiedlung. 82 Prozent seien für die geplante Fabrik für Elektroautos, wie eine Forsa-Umfrage im Auftrag der „Märkischen Allgemeinen“ ergab. Nur 15 Prozent sprechen sich demnach dagegen aus.

    Die meisten gaben zudem an, dass das US-Unternehmen der Region Grünheide und Brandenburg wirtschaftlich gut tun werde: 62 Prozent gehen davon aus, dass Brandenburg „sehr profitiert“, 32 Prozent glauben, dass Region und Land „etwas“ von dem Unternehmen profitieren. Für das Vorgehen mehrerer Umweltverbände, die die Rodung des Waldes auf dem Tesla-Grundstück vorübergehend gestoppt hatten, zeigten nur 34 Prozent Verständnis.

    Wirtschaftsminister Steinbach sieht vereinzelte Widerstände gegen das Projekt gelassen. „200 Demonstranten an einem Wochenende, das ist keine Größenordnung, die das Projekt gefährdet. Zumal darunter auch etliche Protesttouristen aus Berlin sind.“

    Die „Grüne Liga Brandenburg“ und der „Verein für Landschaftspflege und Artenschutz in Bayern“ halten die vorzeitige Genehmigung für das Baumfällen auf dem Gelände für rechtswidrig, weil das endgültige grüne Licht dafür noch aussteht.

    Das Oberverwaltungsgericht (OVG) Berlin-Brandenburg hatte kürzlich die weitere Rodung aber erlaubt und Eilanträge der beiden Umweltverbände zurückgewiesen. Nach einem vorübergehenden Stopp ist ein Teilstück Wald dort praktisch gerodet.

    Bis Donnerstag sind noch Einwendungen gegen das Projekt beim Landesamt für Umwelt in Potsdam, in den Rathäusern Grünheide und Erkner oder im Amt Spreenhagen möglich. Am 18. März ist bislang geplant, die Einwendungen zu erörtern. „Möglichst bis zum Sommer soll die endgültige Genehmigung vorliegen“, sagte Steinbach. „Dann müssen wir noch mal mit Klagen rechnen“, ist der SPD-Politiker überzeugt.

    Minister hofft auf Musk-Besuch zum Baubeginn

    Dass Tesla deshalb noch einen Rückzieher machen könnte, glaubt Steinbach aber nicht. „Die Wahrscheinlichkeit, dass diese Fabrik kommt, liegt aus meiner Sicht bei 90 Prozent“, sagte er. Das Unternehmen habe schon so viel in das Projekt investiert, dass es sehr aufwendig und teuer wäre, doch woandershin zu gehen.

    Der Präsident des Münchner Ifo-Instituts, Clemens Fuest, kam vor kurzem zu einer ähnlichen Einschätzung. Wenn Tesla wirklich „ernsthaft“ an der Ansiedlung in Brandenburg interessiert sei, sagte Fuest dem Handelsblatt, müsste sich das Unternehmen mit den gesetzlichen Rahmenbedingungen vertraut gemacht haben und wissen, dass es Auflagen gebe. „Sollte Tesla sich wegen der Umsiedlung einiger Ameisenhaufen von dem Projekt zurückziehen, muss man davon ausgehen, dass das Interesse nicht so ernsthaft war wie behauptet“, so Fuest.

    Die Ameisenhügel auf dem Gelände sind jedoch keine Hürde mehr für das Projekt. Sie wurden nach Auskunft von Umweltschutzverbänden bereits umgesiedelt, Echsen und Nattern würden an einen anderen Standort gebracht, sobald sie aus ihrer Winterstarre erwachen. Auf zwei Bäumen waren zudem Fledermäuse entdeckt worden, sie sollen nach ihrem Winterschlaf aber anderswo untergebracht werden.

    Steinbach setzt darauf, dass der Tesla-Ansiedlung weitere Unternehmensansiedlungen folgen. „Ich hoffe, dass man in zwanzig Jahren auf Brandenburg so schaut wie heute auf Bayern, dass wir dann unter den Top 3 der Bundesländer sind.“

    Zunächst hofft der SPD-Politiker aber, dass die Elektroautofabrik wie geplant realisiert wird. Er würde sich wünschen, dass Konzernchef Elon Musk zum Baubeginn nochmal nach Deutschland kommt. „Das wäre für die Menschen vor Ort ein wichtiges Signal.“ Und es scheint, als würde der Wunsch erfüllt. Beim Kurznachrichtendienst Twitter reagierte der Tesla-Gründer auf den entsprechenden Beitrag eines Users, der die Frage stellte, ob Musk vor Ort sein werde. „Definitiv“, lautete seine Antwort.

    Mehr: Lesen Sie hier, warum der BDI gegen Umweltverbände mobil macht.

    Startseite
    Mehr zu: Elektroautofabrik - Brandenburg stellt Tesla 280 Millionen Euro Förderung in Aussicht
    1 Kommentar zu "Elektroautofabrik: Brandenburg stellt Tesla 280 Millionen Euro Förderung in Aussicht"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Wuerde ein deutsches Unternehmen die gleiche Foerderung bekommen? Woher nimmt
      das hoch-defizitaere Brandenburg das Geld?

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%