Elektromobilität Bayern ist Spitzenreiter bei den Ladestationen für E-Autos

Die Zahl der Ladestationen für E-Autos hat sich bundesweit in fast zweieinhalb Jahren mehr als verdreifacht. Doch besonders die neuen Bundesländer haben noch großen Nachholbedarf.
Update: 29.09.2018 - 09:03 Uhr Kommentieren
Akuten Handlungsbedarf sehen die Experten beim Ausbau der privaten Ladeinfrastruktur. Quelle: dpa
Ladestationen

Akuten Handlungsbedarf sehen die Experten beim Ausbau der privaten Ladeinfrastruktur.

(Foto: dpa)

Berlin2559 – mit dieser Zahl liegt Bayern ganz vorn. Kein anderes Bundesland hat bisher so viele öffentlich zugängliche Ladestationen für Elektroautos. Das geht aus einer Übersicht der Bundesnetzagentur hervor, die dem Handelsblatt vorliegt. Die Zahlen hatte der Grünen-Verkehrspolitiker Stephan Kühn bei der Bundesregierung abgefragt.

Hinter Bayern folgen die Länder Nordrhein-Westfalen mit 2054 Ladepunkten, Baden-Württemberg (1609), Niedersachsen (1074) und Hessen (1001). Schlusslicht ist das Saarland mit 23 Ladepunkten. Davor rangieren auf Platz 15 Bremen (78), Mecklenburg-Vorpommern (145) und Brandenburg (159).

Die Übersicht zeigt, dass der Aufbau der öffentlichen Ladeinfrastruktur in den alten Bundesländern deutlich weiter vorangeschritten ist als in den neuen Bundesländern. Nur knapp elf Prozent der verfügbaren Ladepunkte stehen demnach in Ostdeutschland – Berlin nicht mit eingerechnet. Bemerkenswert ist auch: Nur sieben von 17 Behörden des Bundesverkehrsministeriums besitzen Ladesäulen. Gar keine Ladepunkte gibt es unter anderem beim Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) und bei der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt).

Insgesamt sind in Deutschland derzeit 12102 öffentliche Ladepunkte in Betrieb. Zum Vergleich: Bis März 2016 waren erst 3626 Ladepunkte deutschlandweit öffentlich zugänglich. Damit hat sich die Zahl der Ladestationen für Elektroautos in fast zweieinhalb Jahren mehr als verdreifacht.

Seinerzeit war Nordrhein-Westfalen mit 980 öffentlich zugänglichen Ladestationen Spitzenreiter in Deutschland, gefolgt von Bayern (877), Niedersachsen (363), Berlin (357) und Baden-Württemberg (280). Schlusslichter waren damals das Saarland und Bremen, die noch keine Ladestationen in Betrieb hatten.

Die Zahlen verheißen nichts Gutes für das Ziel der Bundesregierung, mehr Schwung in den bisher eher schleppenden Ausbau der Elektromobilität in Deutschland zu bringen. Regierungsberater gehen offiziell davon aus, dass Deutschland sein Ziel für 2020, eine Million Elektroautos auf die Straße zu bringen, erst mit zwei Jahren Verspätung erreicht. So steht es im Fortschrittsbericht der Nationalen Plattform Elektromobilität (NPE), den die Experten kürzlich an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) übergeben haben.

Gemessen an den heute vorhandenen Ladestationen für E-Autos müssen die Anstrengungen beim Ausbau der Infrastruktur deutlich verstärkt werden, um das selbst gesteckte Ziel zu erreichen. Für Union und SPD gilt nach wie vor das, was im Koalitionsvertrag steht. Die dort genannten 100.000 öffentlich zugänglichen sowie gewerblichen Ladepunkte sollen zusätzlich zu den bereits jetzt existierenden bis 2020 verfügbar sein, heißt es in der Regierungsantwort auf die Grünen-Anfrage.

Die NPE-Fachleute gehen davon aus, dass für die Versorgung von einer Million Elektrofahrzeuge die Installation von 77.100 öffentlichen Ladestationen sowie von rund einer Million private Ladepunkte notwendig sein wird.

Mehr öffentliche Ladepunkte sollen etwa mittels neuer Innovationsnetzwerke und -partnerschaften entstehen, heißt es in dem NPE-Fortschrittsbericht. „Die Initiative von Daimler, BMW, Ford und dem VW-Konzern, europaweit bis 2020 ein Schnellladenetz mit 400 Schnelladesäulen zu errichten, ist ein Beispiel.“

Akuten Handlungsbedarf sehen die Experten beim Ausbau der privaten Ladeinfrastruktur. Dort müssten ungefähr 2,4 bis 3,5 Millionen private Ladepunkte im Jahr 2025 installiert sein. „Um ihre Installation zu erleichtern sind Anpassungen im Miet- und Wohnungseigentumsrecht notwendig“, empfehlen die Fachleute.

Hierbei ist jedoch noch nicht mit schnellen Entscheidungen zu rechnen. Die Bundesregierung prüft erst noch, wie die private Ladeinfrastruktur gefördert werden kann, wie aus ihrer Antwort auf die Grünen-Anfrage hervorgeht.

Zu möglichen gesetzlichen Änderungen heißt es darin, dass „Diskussionsentwürfe“ des Bundesjustizministeriums und des bayerischen Staatsministeriums für Justiz den Ländern, den betroffenen Verbänden, den Bundesressorts und der Wissenschaft übersandt worden seien.

Bis zum 10. September 2018 habe die Möglichkeit bestanden, zu den Entwürfen Stellung zu nehmen und weiteren Änderungsbedarf aufzuzeigen. „Nach Auswertung der Stellungnahmen und deren weiterer Beratung sollen im Spätsommer des Jahres 2019 die Ergebnisse vorliegen und können dann als Grundlage für einen Gesetzentwurf dienen“, heißt es in der Regierungsantwort.

Der Grünen-Abgeordnete Kühn kritisierte das zögerliche Vorgehen. „Die Behäbigkeit der Bundesregierung ist völlig unverständlich“, sagte Kühn dem Handelsblatt. „Es kann nicht sein, dass sich die Unsicherheit für E-Auto-Käufer noch mindestens ein ganzes Jahr hinziehen soll.“ Anstatt neuer Arbeitsgruppen seien endlich Entscheidungen notwendig, die die Elektromobilität voranbringen.

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