Elektromobilität Elektroautos finden kaum Abnehmer – jetzt soll ein neuer Masterplan her

Die Regierung verfehlt ihr Ziel von einer Million Elektroautos bis 2020. Nun soll Merkels Berater Kagermann den Ausbau der E-Mobilität vorantreiben.
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Tesla, Daimler und Co.: Elektroautos finden kaum Abnehmer Quelle: AUDI AG
E-Auto in Berlin

Das Eine-Million-Ziel für elektrische Autos wird voraussichtlich auf 2022 verschoben.

(Foto: AUDI AG)

BerlinEs wird ein Termin der gemischten Gefühle für Kanzlerin Angela Merkel (CDU) sein, wenn sie an diesem Mittwochvormittag Henning Kagermann trifft. Der einstige Chef der Softwareschmiede SAP, Innovationsberater der Kanzlerin und Leiter der Nationalen Plattform Elektromobilität (NPE), wird erklären, wie es denn nun steht um den Ausbau der Elektromobilität.

Es ist ein Termin unter Physikern, bei dem es um Grundsätzliches geht wie um die Zukunft der Mobilität – ein Thema, mit dem sich die Kanzlerin gerne beschäftigt. Die Tagespolitik wird allenfalls am Rande zur Sprache kommen, wenn es um drohende Fahrverbote geht, um eine neue Abwrackprämie für alte Diesel und eine üppigere Kaufprämie für E-Autos. Schließlich ist Wahlkampf in Hessen, in dessen Metropole Frankfurt ab 2019 Fahrverbote bevorstehen. CDU-Anhänger erwarten Hilfe aus Berlin.

Unangenehmer ist für Merkel die Botschaft, die Kagermann mitbringt: E-Mobile werden kurzfristig nicht helfen, das Dieselproblem zu lösen, jedenfalls nicht bis 2020. Die Regierung und die von ihr 2010 ins Leben gerufene NPE haben es nicht vermocht, die Rahmenbedingungen so zu setzen, dass bis dahin auf deutschen Straßen eine Million elektrisch betriebene Autos fahren.

Dies steht im Fortschrittsbericht, den Kagermann Merkel übergeben wird. Er liegt dem Handelsblatt vor. Darin heißt es: „Ausgehend von der derzeitigen Marktdynamik verschiebt sich das Eine-Million-Ziel voraussichtlich auf 2022.“

Ihren Optimismus gibt die NPE aber nicht auf. Bis 2020 erwarten Kagermann und Co., dass die E-Mobil-Produktion weltweit „von aktuell weniger als einem Prozent auf über zehn Prozent“ steigen wird „und bis zu 25 Prozent im Jahr 2025“. Dies entspräche zwei bis drei Millionen Einheiten und einem Anteil im deutschen Markt „von vier bis 6,5 Prozent“.

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Die 150 Mitglieder der NPE, einer konzertierten Aktion aus Industrie, Gewerkschaften, Politik und gesellschaftlichen Gruppen, haben über die Jahre versucht, einen neuen Markt zu schaffen, damit die deutschen Autobauer auch künftig weltweit führend sind und klimafreundliche Fahrzeuge verkaufen.

Sie haben über Standards, etwa bei Steckern, beraten, über Batterien, Stromnetze, Forschung, politische Rahmenbedingungen und vieles mehr. Zwar wächst die Nachfrage nach E-Autos, doch auf einem niedrigen Niveau. In Deutschland sind es heute weniger als ein Prozent und gerade einmal etwas mehr als 100.000.

Deutsche Hersteller reagierten zu spät

Aus Sicht der Plattform gibt es dafür mehrere Gründe: Zum einen haben die Hersteller zu spät E-Modelle auf den Markt gebracht und sie zu wenig vermarktet. Während ein Elon Musk mit seinem Tesla für Furore sorgt, stehen die E-Modelle von Daimler und Co. in den Autohäusern versteckt.

Auch die Politik hat sich aus Sicht Kagermanns zu lange zögerlich verhalten. Er spielte darum mit dem Gedanken, als NPE-Chef zurückzutreten. Unter anderem hatte er immer eine Kaufprämie gefordert. Am Ende bekam er sie. Doch den erhofften Erfolg zeitigt sie nicht.

Nach Angaben des zuständigen Bundesamts für Ausfuhrkontrolle gab es von 2016 bis heute 75.338 Anträge. Insgesamt sollten mindestens 300.000 E-Autos auf die Straßen kommen. Amtsleiter Andreas Obersteller hat bereits angeregt, mit den von Regierung und Herstellern bereitgestellten 1,2 Milliarden Euro auch den Bau privater Ladesäulen zu fördern. „Die Unterstützung könnte beispielsweise von Handwerkern, Hotels oder in Wohnanlagen genutzt werden“, sagte er.

Auch die NPE verlangt noch weitere Anstrengungen, wenn die neuen Ziele 2022 und 2025 erreicht werden sollen und Deutschland so seiner international gemachten Zusage näher kommt, bis 2050 mobil weitestgehend CO2-frei zu sein. So seien etliche öffentliche und private Ladestationen nötig. „Zur Unterstützung des Hochlaufszenarios müssen 2,4 bis 3,5 Millionen private Ladepunkte im Jahr 2025 installiert sein“, heißt es im Bericht.

Auch sollen die Kommunen den E-Autos endlich eindeutig Vorteile verschaffen, etwa mit kostenfreien Parkplätzen oder freier Fahrt auf Busspuren, und zudem ihre Busflotten und kommunalen Fahrzeuge auf E-Mobile umstellen. Aus Sicht der NPE wäre es ein wichtiger Beitrag, damit die Stickoxidwerte in den Städten schnell sinken und die Grenzwerte eingehalten werden, was Fahrverbote für Dieselfahrzeuge überflüssig machen würde.

„Elektrofahrzeuge können über ihre vielschichtigen Einsatzzwecke, etwa als Nutzfahrzeuge im städtischen Lieferverkehr oder zum Einsatz in Busflotten, in den nächsten Jahren einen entscheidenden und kontinuierlichen Beitrag zur Reduktion von Kohlenstoff- und Stickstoffdioxid-Emissionen in den Städten leisten“, heißt es in dem Bericht. Wenn zugleich Dieselautos der neuesten Generation im Verkehr sind, helfen auch sie, Grenzwerte einzuhalten.

Strukturwandel im Fahrzeugbau

Zugleich gilt es laut NPE, weiter an Fahrzeugtechnologien zu forschen, wozu allein Regierung und Hersteller bis 2020 eine Milliarde Euro aufwenden sollen. Auch die Förderung von Batterietechnik soll „mit hoher Intensität“ fortgesetzt werden, damit künftig auch Batteriezellen der neuesten Generation in Deutschland produziert werden können und nicht aus Asien importiert werden müssen. Dies wird aber erst bei optimierten Lithium-Ionen-Batterien „und folgenden, neuen Zellgenerationen empfohlen“.

Wie aber sichert sich Deutschland den Zugang zu wichtigen Rohstoffen wie Grafit, Kobalt, Lithium und Nickel? „China prescht in der Rohstoffsicherung derzeit voran und schließt letzte Lücken in der Wertschöpfung der Batterierohstoffe“, warnt die NPE.
Zuletzt steht die Frage im Raum, was aus den vielen Beschäftigten wird, die heute im Bereich der konventionellen Antriebstechnologien arbeiten. Es bedürfe einer „aktiven, vorausschauenden Gestaltung des Strukturwandels“.

Diese und andere Fragen wird die NPE nicht mehr beantworten. Sie geht als eine von sechs Arbeitsgruppen in der neuen Plattform Zukunft der Mobilität (NPM) auf, die das Kabinett am heutigen Mittwoch beschließen wird. Diese wird ebenfalls wieder Kagermann leiten und dort nicht mehr nur über E-Mobile reden, sondern auch über alternative Kraftstoffe, über Digitalisierung, Vernetzung mit dem Energiesektor, Beschäftigungssicherung und Normen und Patente. Etliche Ministerien werden beteiligt sein, Länder und Kommunen. Bundestagsabgeordnete sollen einen beobachtenden Beirat bilden.

Bernhard Mattes, Präsident des Verbands der Automobilindustrie, hofft, dass die neue Plattform an der Arbeit der NPE anknüpft. „Neben realistischen Pfaden zu einer immer klimafreundlicheren Mobilität müssen verstärkt alle Themen rund um Digitalisierung und Vernetzung in den Blick genommen werden“, sagte Mattes.

Ein emissionsfreier Verkehr der Zukunft erfordere nicht nur alternative Antriebe, sondern ebenso innovative Verkehrskonzepte und Technologien. „Wichtig ist, dass die Diskussion die technische Entwicklung im Blick behält und technologieoffen geführt wird“, sagte er.

Ähnlich argumentiert der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI). Der Wandel der Mobilität für alle Verkehrsträger gelinge nur mit „Marktorientierung“. Es gelte, „die Verbraucher von neuen Mobilitätslösungen zu überzeugen“, sagte BDI-Geschäftsführer Holger Lösch. „Eine auf Angeboten und Anreizen basierende Klima- und Verkehrspolitik ist Fahrverboten und Kostentreibereien zulasten der Bevölkerung überlegen.“

Hubert Weiger, Chef des Umweltverbands BUND, erwartet „ein klares Bekenntnis“ zum festgelegten Klimaziel für den Verkehr von minus 40 bis 42 Prozent CO2-Ausstoß bis 2030. „Hinter dieses Ziel darf eine Mobilitätskommission nicht zurückfallen.“
Das Augenmerk richtet sich daher in den kommenden Wochen vor allem auf die Arbeitsgruppe I, die in Kürze Vorschläge für Bestandteile eines Klimagesetzes machen soll.

Die AG wird von Franz Loogen geleitet, einst aktiv für Daimler und seit einigen Jahren im Auftrag der baden-württembergischen Regierung Chef der E-Mobil BW, die den Strukturwandel im Ländle begleitet. Seine Botschaft: Mit den Fahrzeugen im Bestand lassen sich die Emissionen nicht wie geplant binnen 15 Jahren um 40 Prozent senken.

„Wir müssen uns fragen, welches Fahrzeug mit welcher Besetzung auf welcher Strecke ökologisch die beste Antwort ist“, sagte er dem Handelsblatt. „Die Lösung werden in vielen Fällen größere Fahrzeuge sein, wie Busse in der Stadt und der Zug auf weiteren Strecken.“ E-Mobile seien Teil der Lösung.

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8 Kommentare zu "Elektromobilität: Elektroautos finden kaum Abnehmer – jetzt soll ein neuer Masterplan her"

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  • Lieber Herr Peter,

    bevor ich mit Zahlen um mich schmeisse, überprüfe ich diese auf ihre Richtigkeit.
    Biogasanlagenbetreiber erhalten für den Strom zwanzig Jahre lang erheblich weniger als zwanzig Cent je Kw. Davon müssen sie aber auch alle nachträglichen Anforderungen und Preissteigerungen bezahlen. Zu Beginn sah das wirtschaftlich sehr gut aus, aber heute werden kaum noch Biogasanlgen gebaut, bzw. viele werden stillgelegt, weil das Geschäft kaum noch wirtschaftlich zu betreiben ist. Des weiteren ist Mais die Frucht, welche am sparsamsten mit Dünger und mit den wenigsten Pflanzenschutzmitteln auskommt, nebenbei aber am meisten Sauerstoff erzeugt, ein vielfaches mehr wie der berühmte deutsche Buchenwald. Auch gibt es in Deutschland keinen gentechnisch veränderten Mais. So viel dazu.
    Elektromobilität ist ja etwas, was sich gut anhört, aber nur, wenn zumindest der Strom auch aus erneurbaren Quellen kommt. Wo werden wir in Deutschland soviel erneuerbaren Strom herbekommen? DIe Stadtbevölkerung macht es sich hier einfach und verweist auf die Fläche (also Windpark`s, PV-Anlagen und vor allem Biogasnalgen) Wasserkraft ist nicht weiter ausbaubar. Das führt dazu, das die Landbevölkerung den Lifestyle der Städter zu bezahlen hat, in dem dort die Belastung mit Energieerzeugungsanlagen steigt. Nebenbei wird sie auch noch weiter abgehängt, da die Städte nur noch mit Fahrzeugen befahren werden können, welche auf dem Land fast unbrauchbar sind. Dieser Konflikt findet m.E, viel zu wenig Beachtung.

  • Es ist Mai, ich brauche kurzfristig ein neues Auto. Das Interesse und der Wille nach einem E-Antrieb ist ja da (bei einem Elektroingenieur auch nicht ungewöhnlich). Anforderung: Mindestens 300km ohne Ladepause. Das schränkt den Kandidatenkreis schon ein.
    Tesla: Nett zu fahren, aber komplett überteuert
    Opel Ampera 2: Häßlich wie die Nacht, da kriegt mich keiner rein.
    Und das wars dann schon.
    Ach halt, der Nissan Leaf ist neu erschienen, und könnte 300km schaffen. Zitat des Verkäufers: Wenn Sie ihn jetzt bestellen bekommen sie ihn im Januar.

    Konsequenz: Ich fahre wieder Jeep - mit LPG.

  • Es wäre schon viel erreicht, wenn die Bundesregierung endlich dafür sorgen würde, daß auch in den Tiefgaragen von Mehrfamilienhäusern Steckdosen montiert werden könnten.

  • Na dann Herr Michael Ahrndt,
    ab nach Hause an die eigene Steckdose und die eigene Solarenergie tanken!!!!

  • Die Preise an den Ladesäulen sind zum größten Teil total abgehoben. Sie gehen von 0,27€ bis etwa 18,-€/h. Wobei die Stadtwerke in München 1,80€ pro angefangene Stunde verlangen. Man brauch bis zu 5 Karten und mehr, um in Deutschland zu relativ nachvollziehbaren Preisen laden zu können. Tesla hat ein vernünftiges Ladesystem aufgebaut, Deutschland hat mit seinen hervorragenden Politiker und mit den tollen Wirtschaftsbossen nur Murks hervorgebracht. Und da will man den Umschwung zu den E-Autos machen, da lachen ja die Hühner.

  • Lieber Herr Matthias Moser,

    dass normale Autos auf E-Parkplätze stehen, kann ich nicht nachvollziehen aus eigener Erfahrung.
    Natürlich werden E-Autos Parkplatz - mäßig bevorzugt. Ist das wirklich gut?

    Was ich wirklich gut finde:
    Eine FREIE Entscheidung der mündigen Bürger - OHNE SUBVENTIONIERUNG - OHNE IRGENDWELCHE VORTEILE

    Eine gute Lösung ist ein Hybrid, der ca. 100km elektrische Reichweite hat, der nicht durch eine sehr große Batterie Umweltschäden verursacht. Wenn dann noch der Strom auf dem Dach des Autohalters erzeugt wird, bin ich glücklich!

    Meine Erfahrung ist: Politik subventioniert nur technisch schlechte Lösungen:
    Beispiel Abwrackprämie - da wurden viele Diesel mit schlechten Abgaslösungen verkauft.
    Beispiel Abschreibungsmöglichkeiten für Ostimmobilien - da wurden viele Investoren in die Falle gelockt mit Schrottimmobilien.
    Heute: Viele kaufen heute Schrottimmobilien in der Hoffnung auf Gewinne, weil diese nach 10 Jahren steuerfrei sind.

  • Ich denke schon, daß es mehr E-Autos oder Hybride geben würde: Allerdings ist in manchen Städten und Gegenden die Abdeckung mit Ladesäulen wirklich noch sehr sehr mager. Ich rede da aus eigener Erfahrung. Das motiviert nicht.
    Und wenn dann Ladeplätze da sind, stehen häufig genug normale Autos drauf. Die Ordnungsämter schreiben zwar fleißig Knöllchen für alles und jedes, aber die Ladeplätze stehen nicht im Focus.

  • Subventionieren bis der Arzt kommt!

    Wann darf sich der Bürger selbst und frei entscheiden in diesem Lande?

    Bei Biogasverstromung sieht man das Dilemma der Subventionierung:
    Der Bauer erhält 30 Cent pro kWh - das ergibt pro Hektar ca. 3000 Euro (Gemüse und Getreide ca. 1700 Euro).
    Da baut er gerne Genmais an, düngt und spritzt und verseucht das Grund- und Trinkwasser mit Nitrate und Glyphosat.
    Der wirkliche Biobauer erhält kaum Flächen, da er nicht die hohen Pachtpreise zahlen kann. Die Nahrungsmittelproduktion wird verdrängt.
    Die Nahrungsmittelpreise steigen!
    Die Wasserkosten steigen wegen erhöhter Aufbereitungskosten!
    Die Strompreise steigen - wegen EEG und 30Cent/kWh!

    UND DANN WOLLEN DIE KOMISCHEN POLITIKER AUCH NOCH E-AUTOS!!!
    DANN WIRD DER STROMPREIS ASTRONOMISCH!!!
    WAS PASSIERT WENN DIE ATOMKRAFTWERKE STILLGELEGT SIND?????

    So richtig Hirn hat da keiner unserer ideologisch motivierten Politiker - keine Ahnung von der Lebensrealität der Menschen im Lande!

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