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Elektromobilität Kaufanreize für gebrauchte Elektroautos: Experten begrüßen Baerbock-Vorschlag

Die Grünen-Kanzlerkandidatin sieht Geringverdiener beim Kauf eines E-Autos im Nachteil und schlägt eine spezielle Förderung vor. Mobilitätsexperten unterstützen die Idee.
04.06.2021 Update: 04.06.2021 - 16:56 Uhr 1 Kommentar
Ein Elektroauto wird an einer Ladesäule geladen: Für viele Menschen sind Neufahrzeuge nicht erschwinglich. Quelle: dpa
Elektroauto

Ein Elektroauto wird an einer Ladesäule geladen: Für viele Menschen sind Neufahrzeuge nicht erschwinglich.

(Foto: dpa)

Berlin Der Vorschlag von Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock, den Kauf von elektrischen Gebrauchtwagen zu fördern, weil sich viele einen Neuwagen nicht leisten können, stößt auf ein positives Echo. Es mache durchaus Sinn, in diesem Bereich über einen staatlichen Kaufanreiz nachzudenken.

„Wenn wir wollen, dass die Transformation zur Elektromobilität gelingt, dann müssen wir auch die sozial schwächeren Bevölkerungsschichten mit ins Boot holen“, sagte der Direktor des Center of Automotive Management in Bergisch Gladbach, Stefan Bratzel, dem Handelsblatt.

Sinnvoll sei auch ein Bonus-Malus-System für alte und neue Antriebsformen. „Für Verbrennungsmotoren müsste es einen Malus geben, für Elektroantriebe einen Bonus.“

Die Mobilitätsexpertin des Verbraucherzentrale Bundesverbands (VZBV), Marion Jungbluth, sprach von einer „grundsätzlich guten Idee“: „Wer auf ein Auto angewiesen ist und wenig Geld zur Verfügung hat, den treffen steigende Spritpreise hart“, sagte Jungbluth dem Handelsblatt. Auf ein E-Auto umzusteigen, könne sich aber „definitiv“ nicht jeder leisten, auch wenn sich beim Neuwagenkauf durch den Umweltbonus Verbrenner und elektrisch-angetriebene Modelle preislich näherten.

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    Jungbluth gab jedoch auch zu bedenken, dass der Gebrauchtwagenmarkt bei E-Autos aufgrund der wenigen zur Verfügung stehenden Fahrzeuge „noch nicht wirklich eine Alternative“ sei. „Das wird erst in den nächsten Jahren ins Laufen kommen“, sagte Jungbluth dem Handelsblatt. Dann könne eine Kaufförderung Sinn machen. Wichtig seien dann aber auch zuverlässige Informationen über den „Gesundheitszustand“ der Batterie, sonst könne der gebrauchte Stromer schnell schlappmachen.

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    Baerbock hatte zuvor erklärt, sie wolle im Falle eines Wahlsieges Pendler ohne Dienstwagen und mit niedrigem Einkommen beim Kauf eines E-Autos stärker fördern. „Sie wollen wir stärker beim Umstieg auf ein sauberes Auto unterstützen“, sagte Baerbock dem Handelsblatt. „Das heißt, gerade auch den Kauf von elektrischen Gebrauchtwagen zu fördern, weil sich viele einen Neuwagen nicht leisten können.“

    Das derzeitige System sei „definitiv nicht fair“, betonte Baerbock. Ein gut verdienender Freiberufler, der einen Dienstwagen für 150.000 Euro mit einem hohen CO2-Ausstoß kaufe, werde durch den Staat und damit von der Allgemeinheit mit über 75.000 Euro entlastet.

    Eine Hebamme, die deutlich schlechter verdiene und für ein Zehntel des Kaufpreises ein kleines Auto fahre mit viel geringerem CO2-Ausstoß, werde steuerlich lediglich um etwas über 5.000 Euro entlastet. Das sei „nicht nur ökologisch falsch, sondern manifestiert auch die soziale Spaltung in diesem Land“.

    Kritik aus der FDP

    Union. SPD und FDP stehen dem Vorschlag Baerbocks ablehnend gegenüber. „Es kommen jetzt täglich Vorschläge der Grünen, die schon längst beschlossen sind und umgesetzt werden“, sagte Unions-Fraktionsvize Ulrich Lange (CSU) dem Handelsblatt. Das Umweltbonus-Programm für die Förderung von E-Autos gelte auch für den Kauf „junger“ elektrischer Gebrauchtfahrzeuge.

    Es dürfe natürlich keine Doppelförderung für ein und dasselbe Fahrzeug geben, fügte Lange hinzu. „Der Gebrauchtwagen darf bei der Erstzulassung also nicht auch schon gefördert worden sein.“ Das sei ein ausgewogener Förderrahmen für den Hochlauf der Elektromobilität.

    Kritik äußerte auch SPD-Chef Norbert Walter-Borjans. „Was Annalena Baerbock da zeigt, ist eine Panikreaktion“, sagte Walter-Borjans dem Handelsblatt. „Sie versucht, einem unsozialen Vorstoß im Nachhinein einen sozialen Anstrich zu geben.“ Zuerst wolle sie Benzin noch teurer machen. Jetzt schiebe sie Subventionen für gebrauchte Elektroautos nach. „Das alles zeigt: verlässlicher sozialer Ausgleich für Klimaschutz ist für die Grünen fremdes Terrain. Der ist bei der SPD besser aufgehoben.“

    „Der Wunsch, jedem alles im Wahlkampf zu versprechen, ist verständlich, seriös ist das jedoch nicht“, sagte die Vize-Vorsitzende des Bundestags-Verkehrsausschusses, Daniela Kluckert (FDP), dem Handelsblatt. Klar sei, dass Mobilität für die Menschen nicht verteuert werde dürfe. Denn das treffe gerade die mit geringeren Einkommen.

    „Doch genau das tun die Grünen mit ihrer Politik der ständigen Verteuerung des Benzins und der Energie“, sagte Kluckert. Das Gleiche gelte für ihre Forderungen nach „Limitierungen von Pkw oder nach Park- und Fahrverboten in Städten“. Der Vorschlag von Baerbock sei deswegen eher in die Kategorie „linke Tasche, rechte Tasche“ einzuordnen.

    Autoexperte sieht ungerechtfertigte Privilegierung von Dienstwagen

    Zu den Benzinpreisen gibt es aktuell eine heftige Debatte, nachdem Baerbock zuvor für eine Benzinpreis-Erhöhung von insgesamt 16 Cent eingetreten war - gemäß dem Programmentwurf ihrer Partei. Für den Vorstoß gab es vor allem vonseiten der SPD viel Kritik. Baerbock konterte im Handelsblatt mit dem Hinweis darauf, die Koalition habe selbst den CO2-Preis eingeführt und gerade die Klimaziele geschärft. Dann müsse man auch die eigenen Beschlüsse umsetzen, mahnte die Grünen-Chefin.

    Die Bundesregierung hatte als zentrale Maßnahme im Kampf gegen den Klimawandel eine CO2-Bepreisung auch im Verkehr und bei Gebäuden eingeführt. Seit Jahresbeginn gilt ein fixer CO2-Preis von 25 Euro pro Tonne. Nach bisherigen Planungen soll er bis 2025 auf 55 Euro steigen. Laut Berechnungen der Bundesregierung würde das einen Aufschlag von mindestens 15,5 Cent beim Liter Benzin bedeuten und beim Liter Diesel mindestens 17,4 Cent zusätzlich.

    Ziel der Bundesregierung sei es, die Attraktivität von alternativen Energiequellen zu erhöhen und einen sparsameren Verbrauch zu bewirken, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Dabei habe die Bundesregierung die soziale Dimension der Klimaschutzmaßnahmen stets im Blick.

    „Wir haben immer deutlich gemacht, dass diese Mehrbelastungen für den Klimaschutz sozial verträglich sein müssen“, betonte Seibert. Daher sei auch eine Staffelung beschlossen worden, die es Menschen erlaube, auf künftige Preisentwicklungen zu reagieren und in klimafreundliche Alternativen zu investieren.

    Der Autoexperte Bratzel wies in diesem Zusammenhang wie Baerbock auf eine ungerechtfertigte Privilegierung von Dienstwagen hin. „Es ist grundsätzlich richtig, dass die derzeitigen Förderkulissen Dienstwagenfahrer relativ stark bevorteilen“, sagte er. Aus seiner Sicht sei zum Beispiel die Förderung der Plug-in-Hybride ein „großer Regulationsfehler“.

    Mit den neuen E-Autos sollten ja die Kohlendioxid-Emissionen reduziert werden, gab Bratzel zu bedenken. „Bei Hybriden ist das jedoch nicht wirklich der Fall, weil diese Autos permanent mit Verbrennungsmotor gefahren werden können.“

    Mehr: „Umbauprogramm mit historischer Dimension“: Grünen-Kanzlerkandidatin Baerbock wirbt für Industriepakt

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    1 Kommentar zu "Elektromobilität: Kaufanreize für gebrauchte Elektroautos: Experten begrüßen Baerbock-Vorschlag"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Interessant: e-Autos, die über 150.000 Euro kosten? Tesla S kostet ab 87.000 Euro und schafft über 1000 PS.
      Die Förderung von ca. 75.000 Euro bei 150.000 Euro teuren Autos hält Bärbock also für vernünftig und will zusätzlich e-Autos für "die kleinen Leute" fördern.
      Insgesamt sollen also MEHR E-AUTOS gefördert werden - das bedeutet, dass deutlich mehr Rohstoffe und Energie für die übergroßen Batterien verschwendet und die Umwelt vernichtet wird.
      Danke, ihr Grünen, ihr Umweltvernichter!
      Habt ja schon bei Biogas gezeigt: Bauern bauen Genmais dafür an, der gedüngt und gespritzt wird, das Grund- und Trinkwasser wird verseucht und die Nahrungsmittelproduktion verdrängt.
      Und jetzt wollt ihr regulatorisch das nächste Unheil sichern: e-Autos! Und ihr macht Euch keine Gedanken über die Hebamme - die wird dann mit irgendeiner Subvention zum e-Auto verführt, das sie sich vielleicht gar nicht leisten kann. Kümmert Euch lieber um deren Haftpflichtversicherung, das wäre wichtiger gewesen!

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