Elektromobilität Milliarden für Batterien – Minister Altmaier will Zellfertigung staatlich fördern

Bundeswirtschaftsminister Altmaier will mit staatlichem Geld den Aufbau einer Batteriefertigung für Elektroautos fördern. An Brüssel werden die Pläne kaum scheitern.
4 Kommentare
Das Ziel des Bundeswirtschaftsministers ist es, noch in diesem Jahr ein Konsortium präsentieren zu können, das ein konkretes Projekt zur Batteriezellenfertigung ankündigt. Quelle: dpa
Peter Altmaier

Das Ziel des Bundeswirtschaftsministers ist es, noch in diesem Jahr ein Konsortium präsentieren zu können, das ein konkretes Projekt zur Batteriezellenfertigung ankündigt.

(Foto: dpa)

Berlin, BrüsselBundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) wünscht sich derzeit kaum etwas sehnlicher als eine eigene, starke Batteriezellenfertigung in der EU. Er beruft sich auf Elon Musk: Der Tesla-Gründer habe ihm im Gespräch gesagt, in nicht allzu ferner Zukunft würden selbst Flugzeuge mit Batterieantrieb fliegen, berichtet der Bundeswirtschaftsminister. „Wenn das stimmt, hat Europa ein vitales Interesse an einer eigenen Batteriezellproduktion.“

Damit diese überhaupt entsteht, will Altmaier auch Steuergelder locker machen. Es sei „wichtig, Starthilfe zu leisten, damit unsere Unternehmen mit Konkurrenten aus Ländern außerhalb Europas mithalten können“. Am 13. November will er dafür alle wichtigen Player in Berlin an einen Tisch bringen, Autohersteller ebenso wie Chemie- und Energieunternehmen.

Der Unterstützung der Kanzlerin kann er sich sicher sein. „Wir sollten im Rahmen unserer strategischen Fähigkeiten auch mit anderen europäischen Ländern zusammen an einer eigenen Batteriezellproduktion teilnehmen“, sagte Angela Merkel am Mittwoch. Sie freue sich, dass es in der Wirtschaft ein Umdenken gebe, „dass wir uns hier vielleicht nicht immer nur von anderen Herstellern abhängig machen sollten“.

Das Ziel des Bundeswirtschaftsministers ist es, noch in diesem Jahr ein Konsortium präsentieren zu können, das ein konkretes Projekt zur Batteriezellenfertigung ankündigt. In Regierungskreisen heißt es, es gebe sehr konkrete Verhandlungen mit möglichen Mitgliedern eines solchen Konsortiums. Interessenten kämen aus der Industrie, aber auch aus dem Bereich Forschung.

Es gehe bei sämtlichen Überlegungen immer nur um Projekte der Wirtschaft, eine Beteiligung des Staates schließt Altmaier demnach aus. Ziel sei eine eine industrielle Fertigung, Pilotprojekte dagegen kämen nicht in Betracht. Weiter hieß es, man ziele auf die aktuell marktgängige Technik der Lithium-Ionen-Batterie und auf Batterien der nächsten Generation, die mit Feststoff-Technik arbeiten, ab.

Grafik

An Brüssel werden die Pläne kaum scheitern. Altmaier hat bereits mehrfach bei Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager und Kommissionsvize Maroš Šefčovič vorgefühlt, erst am Dienstag war der CDU-Politiker dafür eigens nach Brüssel geflogen.

Zusammen mit Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager seien in mehreren Gesprächen „die Anforderungen geklärt worden, damit alles glattläuft, wenn die Bundesregierung ihren Vorschlag vorlegt“, sagte Šefčovič dem Handelsblatt.

Wenn es nach den Vorstellungen Altmaiers und Šefčovič’ geht, sollen in der EU gleich mehrere „Giga-Factorys“ für Batteriezellen entstehen, die mittelfristig 20 Prozent des Weltmarktes für Elektroautos beliefern könnten.

Šefčovič hatte vor knapp einem Jahr eine europäische Batterie-Allianz ins Leben gerufen, aus der schon einige Konsortien hervorgegangen sind. Er hat daher großes Interesse daran, dass konkrete Projekte Gestalt annehmen. „Unser Ziel sollte sein, in Europa die besten umweltverträglichen Batterien der Welt zu bauen“, sagte Šefčovič.

Die Bundesregierung braucht die Genehmigung der Kommission, um im großen Stil Anschubhilfe leisten zu dürfen. Vestager soll eine Ausnahme von den strengen EU-Beihilferegeln machen, weil es sich hier um ein „wichtiges Projekt von gemeinsamem europäischen Interesse“ (IPCEI) handele. Bei derart eingestuften Vorhaben ist es den Staaten erlaubt, die Finanzierungslücke der Industriepartner komplett mit Steuergeldern zu stopfen. Zuletzt hatte die Brüsseler Behörde den Bau einer Chipfabrik in Dresden durch Bosch als IPCEI eingestuft.

Daneben geht es darum, Gelder aus dem EU-Budget für die Erforschung und Fertigung von Batterien zu mobilisieren. Šefčovič schlägt vor, dass Deutschland und andere interessierte Länder wie Polen dafür ihnen zustehende Milliarden aus den EU-Strukturfonds umwidmen. Diese Mittel könnten besonders ehemaligen Bergbauregionen zugute kommen.

So haben etwa das Saarland und die Lausitz Interesse an einem Batterie-Standort bekundet. In Berliner Regierungskreisen hieß es allerdings, über Standorte könne man derzeit noch nicht viel sagen. Es liege am Ende in der Hand eines Konsortiums, wo eine Fertigung entstehen solle.

Berlin ist in Sorge, dass die deutsche Autoindustrie wichtige Entwicklungsschritte asiatischen Wettbewerbern überlässt und in ein Abhängigkeitsverhältnis gerät. Tatsächlich hat sich bislang kein deutscher Konzern dazu entschieden, in großem Umfang in die milliardenteure Batterieproduktion zu investieren.

Mit der Aussicht auf staatliche Fördermittel könnte sich das ändern. VW und Continental sind grundsätzlich bereit, sich zu engagieren. Allerdings kommt für Conti wohl erst die ab 2025 verfügbare Feststoffzellentechnik in Betracht.

Startseite

Mehr zu: Elektromobilität - Milliarden für Batterien – Minister Altmaier will Zellfertigung staatlich fördern

4 Kommentare zu "Elektromobilität: Milliarden für Batterien – Minister Altmaier will Zellfertigung staatlich fördern"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • "Nomen est Omen" war gemeint ( automatisches Korrekturprogramm sponn)...

  • Sehr geehrter Herr Minister Altmeier "Normen est Omen"? Sie wollen also Batterie-Technologie mit geringen Reichweiten für eine nicht wirklich saubere Elektromobilität fördern? Diese Technologie ist bereits veraltet.
    Klar, Elektromobilität ist die Zukunft. Allerdings müssen wir Einsehen, solange wir unseren Strom mit der Verbrennung fossiler Brennstoffe und Atomkraft herstellen, rauchen die Abgase und Schadstoffe aus den Schornsteinen und es bleibt wohl bei der Tatsache, dass Lobbyisten aus Politik und Wirtschaft weiterhin den milliardenschweren Gewinn, der sich die nächsten Jahre noch aus der Verstromung der Bodenschätze ergibt, reinholen wollen. Bis die letzten Öl-, Kohle- und Gasreserven ebenso teuer wie umweltschädlich verfeuert worden sind und unzählige weitere Menschen bei den geopolitischen Konflikten darum ihr Leben gelassen haben oder dann, wenn durch Millionen Tonnen weiterer CO² und anderer Abgase sich die Erderwärmung so weiter beschleunigt, dass die Auswirkungen für unser Klima noch dramatischer werden. Das der Erhalt der Umwelt vor der Profitgier der Energiekonzerne und anderer Partizipanten nachhaltiges Gehör findet ist eher unwahrscheinlich. Dabei hat es aus neuester Forschung fantastische Alternativen - revolutionäre Neutrino-Energy (Nobelpreisvergabe Physik 2015) wäre die Lösung vieler Komplikationen und vor allem Emissionsfreie Energy als UNENDLICHE RESSOURCE für eine mobile, dezentrale Haushaltsenergie und für vor allem für die Elektromobilität. Dazu liegen spannende internationale Forschungsergebnisse und Patente der Berliner Neutrino Energy Group bereit. Informieren Sie sich bitte ua.in http://motorzeitung.de/news.php?newsid=522385

  • Irgendwie erinnert das an Solarworld:
    Erst wird staatlich gefördert - dann geht alles den Bach runter!

    Keiner will reine Elektroautos haben - dann sollen die Politiker doch damit fahren!

  • Es bleibt trotzdem bitter anzusehen, wie Europa als kränkelnder Altkontinent den aufstrebenden Schwellenländern, mittlerweile Wirtschaftsmächten fast chancenlos hinterherläuft. Bei der Vielfalt an unnützen politischen Themen und "Verregelungen", kombiniert mit perspektivloser Führungsschwäche ist es die logische Konsequenz.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%