Elektromobilität Post erhält mehr Fördermittel für E-Lieferfahrzeuge

Die Debatte um saubere Luft in Innenstädten zeigt Wirkung: Das Umweltministerium stockt die Förderung emissionsfreier Elektro-Lieferfahrzeuge auf. Die Gelder kommen derzeit fast ausschließlich der Deutschen Post zugute.
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Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (l, SPD) und Jürgen Gerdes, Vorstand Deutsche Post DHL Group: mehr Fördermittel für die gelben Street Scooter. Quelle: dpa
Abgasfreie Paketzustellung

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (l, SPD) und Jürgen Gerdes, Vorstand Deutsche Post DHL Group: mehr Fördermittel für die gelben Street Scooter.

(Foto: dpa)

Berlin„Wenn mir jemand vor einem Jahr gesagt hätte, die Verkehrswende sei eines der beherrschenden Themen im Wahlkampf, hätte ich das nicht gedacht“, sagte Bundesumweltministerin Barbara Hendricks am Donnerstag – ziemlich zufrieden mit der Wendung der Geschichte. Das Bundesumweltministerium hat heute angekündigt, sein Förderprogramm „CO2-freie Zustellung“ um 7,7 Millionen Euro auf rund 17 Millionen Euro aufzustocken. Das scheint auch nötig: Gerade der Lieferverkehr trägt – auch bedingt durch seine vielen Anfahr- und Bremsvorgänge – erheblich zur innerstädtischen Luftbelastung bei. Die Umstellung auf emissionsfreie Lieferfahrzeuge ist darum Teil der in Deutschland notwendigen Verkehrswende.

„Es muss in den kommenden Monaten darum gehen, Maßnahmen anzustoßen, die drohende Fahrverbote in den Städten vermeiden“, sagte SPD-Ministerin Hendricks. Die emissionsfreie Post- und Paketzustellung in Städten mit hoher Luftbelastung ist dabei ein Baustein. Durch die bisherige Förderung wurden bislang mehr als 1100 sogenannte Street Scooter der Deutschen Post gefördert. Die da Fahrzeuge rein elektrisch betrieben und mit Strom aus sauberen, erneuerbaren Energiequellen fahren würden, so Hendricks, „tragen sie zur Verbesserung der Luft in den Innenstädten bei“.

Wie Post und Ford E-Transporter auf die Straße bringen
Rekordverdächtig
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Gefühlt war es erst gestern, dass die Deutsche Post zur Produktion von Elektrofahrzeugen eine Zusammenarbeit mit dem US-amerikanischen Autobauer Ford ankündigte. Nach einer Entwicklungszeit von nur zwei Monaten wurde nun ein erstes Ergebnis präsentiert: Der StreetScooter Work XL. Nicht nur Post-Vorstand Jürgen Gerdes (r.) ist sichtlich zufrieden mit dem E-Transporter, auch Ford-Europachef Steven Armstrong ist von dem Ergebnis „begeistert“ – und wünscht sich prompt eine Vertiefung des Bündnisses mit der Post. „Wir würden gerne eine engere Kooperation prüfen“, sagte Armstrong bei der Vorstellung des neuen Gefährts.

Groß wie nie
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Nach zwei kleineren Modellen ist nun auch der posttypische Transporter elektrifiziert. Basierend auf dem Fahrgestell des Ford Transit umfasst das Fahrzeug ein Ladevolumen von 1350 Kilogramm (oder rund 200 Paketen) und schafft eine Reichweite von 200 Kilometern.

Klare Aufteilung
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Der US-amerikanische Autobauer ist verantwortlich für das Chassis, um die Technik kümmert sich die Post. Sowohl der batterieelektrische Antriebsstrang als auch der Karosserieaufbau entstand nach Vorgabe des Logistikkonzerns.

Die Umwelt dankt
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Nach Post-Vorstand Gerdes könne das neue Modell pro Jahr bis zu 5 Tonnen CO2 oder 1900 Liter Diesel einsparen. Die während des Diesel-Skandals aufgekeimte Diskussion füllt zudem die Auftragsbücher der Post. Es bestehe eine „gewaltige“ Nachfrage.

Ziel
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Noch in diesem Jahr sollen 150 Work XL als Vorserienfahrzeuge ihren Dienst aufnehmen. Im Laufe des kommenden Jahres soll der Fuhrpark dann auf 2500 Transporter anwachsen. Zudem plant der Elektrofahrzeug-Hersteller der Post bereits den Bau einer neuen Fabrik. Dort sollen dann bis zu 30.000 Fahrzeuge pro Jahr vom Band rollen.

Erfolgreicher Vertrieb
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Der Transporter ist bereits das dritte Model der E-Fahrzeug-Reihe der Post. Während der Work XL vorerst auf absehbare Zeit von der Post selbst beansprucht wird, vertreibt die Post die beiden kleineren Modelle auch an Dritte – zurzeit vor allem an Gewerbetreibende. Und das Geschäft mit den kleineren Scootern läuft ausgezeichnet. „Wir sind quasi ausverkauft“, sagte StreetScooter-Chef Achim Kampker.

50.000 Elektro-Wagen
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Die Deutsche Post will nach den Worten von Post-Chef Frank Appel bis 2050 die komplette Brief- und Paketzustellflotte von knapp 50.000 Fahrzeugen durch Elektro-Wagen ersetzen. Dem aktuellen Tempo der Produktion nach zu urteilen, scheint das Ziel „Null CO2“ im Rahmen des Möglichen zu liegen. In den Städten und auf dem Land müssen sich die Bewohner künftig wohl auf leise surrende, sonnengelbe Flitzer und Transporter einstellen.

Auch diese Aufstockung der Fördermittel kommt der Deutschen Post zugute: Mit dem Geld sollen weitere 1100 emissionsfreie Elektro-Lieferfahrzeuge des Unternehmens gefördert werden. Durch die Nutzung von Strom aus erneuerbaren Energien „werden die CO2-Emissionen nicht einfach nur vom Auto ins Kraftwerk verschoben, sondern nahezu vollständig vermieden“, heißt es im Ministerium. Hendricks verteidigte die finanziellen Hilfen an die Post, machte aber klar, dass sich auch andere Unternehmen um Fördermittel bewerben könnten. Bislang habe das aber keines getan. Manchmal brauche es Marktanreize, sagte die Umwelt-Ressortchefin. Sie halte es deswegen für vernünftig, die Markteinführung der E-Lieferfahrzeuge weiter voranzutreiben.

Die Aufstockung erfolgt im Rahmen der Beschlüsse des „Nationalen Forums Diesel“, bei dem die Umstellung von Fahrzeugen mit hohen innerstädtischen Fahrleistungen wie Bussen, Taxen und Lieferfahrzeugen auf emissionsfreie Antriebe beschlossen wurde.

Die Post setzt bislang bundesweit rund 3.400 Street Scooter ein und will auch den Verkauf an Städte, Kommunen oder auch Handwerker forcieren. Post-Vorstand Jürgen Gerdes sprach von insgesamt 30.000 Fahrzeugen, die das Unternehmen künftig allein für eigene Zwecke einsetzen wolle. Für die Förderung sei das Unternehmen dankbar, wichtiger aber sei die politische Unterstützung. Er glaube im Übrigen fest daran, dass man Städte künftig völlig neu bauen müsse: Warum sollten nicht auch unterirdisch Waren durch die Stadt gebracht werden?, fragte er.

Hendricks nutzte die Gelegenheit, die deutschen Autobauer abermals an ihre Verantwortung zu erinnern, für saubere Fahrzeuge zu sorgen: Die Scherben der Vergangenheit seien zusammenzukehren, mahnte sie. Sie sehe die Automobilindustrie in der Bringschuld. Die Argumentation der Industrie, sie habe sich um die Zukunft zu kümmern, ließ die Ministerin nicht gelten. „Manchmal muss man zwei Dinge gleichzeitig tun.“

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3 Kommentare zu "Elektromobilität: Post erhält mehr Fördermittel für E-Lieferfahrzeuge"

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  • Was ist diese Umweltministerin doch für eine elende Heuchlerin--
    Die folgen unseres Elektrowahnsinns, kann man hier ablesen.
    Wenn man noch mehr Flüchtlinge haben will kann man so handeln.. - Kobalt und Lithium -
    Ein bischen weniger Schadstoffe - dafür Kinderarbeit in Afrika und Raubbau in Bolvien..
    Und uns sollte im Klaren sein, dass das nur der Anfang ist.. Bin mal gespannt wie das wird, wenn die ganze Welt nur noch Elektro fährt.. - Oh Gott schmeiss Hirn - Ich kann gar nicht soviel Essen wie ich k... muss.. ( Sorry ) . Also das soll nachaltige Politik sein..????
    Lernen wir nicht gerade, dass wir den Afrikanischen Kontinent nicht mehr ausbeuten sollen.?

    http://www.lightcycle.de/fileadmin/user_upload/PDF/Infotexte/Germanwatch_Rohstoffexpedition_Hintergrundinfos.pdf

    http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/unternehmen/rohstoffe-kobalt-aus-afrika-fuer-deutsche-elektroautos-1572460.html

  • Gute Maßnahme! Wenn Autohersteller nicht wollen... Macht es halt die Post selber

  • Das ist endlich mal eine sinnvolle Massnahme, solche Zustell- und Lieferdienste gehören elektrisiert, damit insbesondere sinnloe Leerlaufemissionen vermieden werden. Daß der Staat dabei die Prämien an ein staatsnahes Unternehmen zahlt: geschenkt.

    Jedoch:
    "Durch die Nutzung von Strom aus erneuerbaren Energien „werden die CO2-Emissionen nicht einfach nur vom Auto ins Kraftwerk verschoben, sondern nahezu vollständig vermieden“, heißt es im Ministerium. "

    Mich hätte mal interessiert wie die Ministerin das sicherstellt. Hat die Post etwa separate Solarparkplätze an denen geladen wird? Oder hat die Post einen Vertrag mit einem Ökoanbieter geschlossen? :)

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