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Elektronische Gesundheitsakte Start-up Vivy könnte Krankenkassen bei digitalen Patientenakten abhängen

Bis 2021 soll jeder Versicherte eine digitale Patientenakte haben. Das Start-up Vivy soll das erste System sein, das allen Krankenkassen offensteht.
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Vivy könnte Krankenkassen bei digitaler Patientenakte abhängen Quelle: imago/Science Photo Library
Start-up

Vivy soll das erste System sein, das allen Krankenkassen offensteht.

(Foto: imago/Science Photo Library)

BerlinDie Techniker Krankenkasse (TK) machte den Anfang: Sie war die erste Kasse, die für ihre zehn Millionen Versicherten eine elektronische Gesundheitsakte als App entwickelte. Die AOK arbeitet seit Monaten an einer Gesundheits-App, um ihre 26 Millionen Versicherten mit Ärzten und Kliniken digital zu vernetzen. Beide Projekte sind noch in der Testphase.

Es könnte daher gut sein, dass ihnen die Gesundheitsakte Vivy bald den Rang abläuft. Denn das Berliner Start-up, gegründet von Christian Rebernik, dem Erfinder der Banking-App vom Fintech N26, will bereits an diesem Montag in den Echtbetrieb gehen. In den nächsten Wochen sollen über zehn Millionen Versicherte an die neue Patientenplattform angeschlossen werden, teilte das Vorstandsmitglied der Allianz, Daniel Bahr, dem Handelsblatt mit.

Das System soll das erste sein, das allen Krankenkassen offensteht. Bisher sind drei private Versicherer, die Allianz, die Gothaer und die Barmenia, sowie einige gesetzliche Krankenkassen mit an Bord. Die größten unter ihnen sind DAK, IKK classic und IKK Südwest. Hinzu kommt eine Reihe kleinerer Betriebskrankenkassen. Insgesamt hat Vivy damit 25 Millionen Versicherte – also mehr als 40 Prozent aller gesetzlich und privat Versicherten – im Visier.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) will alle gesetzlichen Kassen gesetzlich verpflichten, bis 2021 ihren Versicherten eine Gesundheitskarte anzubieten. Damit würden Notfalldaten, Medikationspläne und Diagnosen online bereitgestellt. Auch an Ärzte oder Krankenhäuser können die Daten weitergegeben werden. Der Zugang zu Vivy erfolgt in der Regel über die Onlineplattform der Krankenkasse. Denn so ist die sichere Identifizierung am einfachsten.

„Ich sehe das als Quantensprung für eine verbesserte Versorgung in der Zukunft“, sagte Andreas Storm, Vorstandschef der DAK: „Vivy wird den Praxisalltag für Versicherte und Ärzte stark verändern. Das wird vielleicht bei einigen zunächst Skepsis auslösen. Aber perspektivisch wird Vivy für alle Beteiligten Vereinfachungen und Verbesserungen bringen, die alle überzeugen werden.“

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Tatsächlich hängt der Erfolg von Vivy davon ab, dass Ärzte und Kliniken Diagnosedaten und Befunde wie Röntgenbilder, MRTs und Laborbefunde auch zur Verfügung stellen. Doch nicht alle Ärzte sind davon begeistert. Sie fürchten um das Arztgeheimnis. Die Kassenärztlichen Vereinigungen wollen sichergehen, dass von den Ärzten hochgeladene Daten revisionssicher sind, also nicht durch Dritte verändert werden können.

Wie sinnvoll ein guter Zugang zu Daten sein kann, zeigt indes eine neue Forsa-Studie, die dem Handelsblatt vorliegt. Danach weiß fast jeder Zweite (45 Prozent) nichts über die Wechselwirkungen zwischen den Medikamenten, die er einnimmt. Auch MRT- oder Röntgenbilder hat jeder Vierte nicht aufbewahrt. Mit Vivy könnte all das vermieden werden.

Für die Versicherten ist die Nutzung von Vivy freiwillig. Sie sollen nun per E-Mail, App, Brief oder Mitgliedermagazin gefragt werden, ob sie teilnehmen möchten. „Was wir hier aufsetzen, ist mehr als eine Gesundheitsakte“, sagt Andreas Strausfeld, Vorsitzender der Geschäftsführung der Bitmarck Holding GmbH, die die IT von 85 Prozent der Krankenkassen betreut. „Es ist eher eine Gesundheitsplattform.“

Nichts soll ohne die Zustimmung des Versicherten passieren. Er entscheidet auch, welche Daten der behandelnde Arzt zu sehen bekommt. „Die Autonomie des Patienten ist für uns der Kern. Der Vivy-Nutzer ist der Herr seiner Daten“, sagte Bahr.

Vivy wird nach heutigem Stand einen Marktanteil von 28 Prozent unter den gesetzlichen Krankenkassen erreichen. Bei der AOK-App werden es, wenn sie erst einmal ausgerollt ist, 38 Prozent sein. Die TK erreicht mit ihrer App 14 Prozent. Damit wären 20 Prozent der gesetzlich Versicherten noch ohne Perspektive für eine Gesundheitsakte.

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