Emmanuel Macron „Merkel und die Deutschen haben unsere Würde gerettet“

Frankreichs früherer Wirtschaftsminister lobt die Flüchtlingspolitik von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Indirekt kritisiert der Präsidentschaftskandidat dabei die zurückhaltende Flüchtlingsaufnahme seines Landes.
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Frankreichs früherer Wirtschaftsminister und Präsidentschaftskandidat Emmanuel Macron Quelle: dpa
Lob für Merkel

Frankreichs früherer Wirtschaftsminister und Präsidentschaftskandidat Emmanuel Macron

(Foto: dpa)

BerlinDer französische Präsidentschaftskandidat Emmanuel Macron hat die Flüchtlingspolitik von Bundeskanzlerin Angela Merkel vor dem Hintergrund der gewachsenen Terrorgefahren in Europa gelobt. Es sei eine „widerliche Vereinfachung“, wenn Merkel vorgeworfen werde, sie habe mit der Aufnahme von Flüchtlingen die eigene Hauptstadt und ganz Europa der Terrorgefahr ausgeliefert, sagte Macron der „Süddeutschen Zeitung“ nach dem Anschlag auf einen Weihnachtsmarkt in Berlin.

„Kanzlerin Merkel und die ganze deutsche Gesellschaft waren auf der Höhe unserer gemeinsamen Werte“, sagte Macron zur Haltung der Kanzlerin in der Flüchtlingskrise. „Sie haben unsere kollektive Würde gerettet, indem sie notleidende Flüchtlinge aufgenommen, untergebracht und ausgebildet haben.“

Deutschland, eine Festung?
Ende des großen Zustroms
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Strenge Grenzkontrollen entlang der Balkanroute und das Flüchtlingsabkommen mit der Türkei haben den Zustrom von Menschen aus Ländern wie Syrien, Afghanistan und dem Irak drastisch reduziert. 2015 kamen mehr als eine Million Menschen nach Europa. In diesem Jahr werden es deutlich weniger sein.

Wie viele Flüchtlinge kamen 2016 ins Land?
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Im sogenannten Easy-System, das auf Registrierungen durch die Bundesländer beruht, wurden in den ersten elf Monaten knapp 305.000 neue Asylsuchende in Deutschland erfasst. Die von der CSU geforderte Obergrenze von 200.000 Flüchtlingen pro Jahr wäre damit überschritten

Messung ist problematisch
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Allerdings gilt die Easy-Zahl aufgrund von Fehl- und Mehrfacherfassungen als zu hoch. Hauptherkunftsländer waren Syrien (86.200 Personen), Afghanistan (47.000), Irak, Iran und Eritrea. Niedriger sind die Zahlen der Bundespolizei, die bis Ende November 141.850 illegale Einreisen feststellte.

Wie viele Asylanträge wurden gestellt?
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Insgesamt wurden beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) bis Ende November 723.000 Asylanträge gestellt. Zum großen Teil handelte es sich dabei um 2015 eingereiste Personen. 615.500 Anträge wurden entschieden. Die Zahl der Asylanträge nimmt aber ab. Im November wurden 26.438 Anträge gestellt, was einem Rückgang um gut 54 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat entspricht. Da inzwischen pro Monat mehr Anträge bearbeitet als eingereicht werden, wird der Berg unerledigter Fälle kleiner: Ende November lag die Zahl aber immer noch bei rund 491.000.

Wie viele Menschen wurden abgeschoben?
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Insgesamt wurden bis Ende November 23.750 Personen abgeschoben. Das sind mehr als im gesamten Jahr 2015 mit 20.888 Abschiebungen und mehr als doppelt so viele wie 2014 (10.884). Die meisten Personen wurden aus Nordrhein-Westfalen in ihr Heimatland zurückgebracht (4662), gefolgt von Baden-Württemberg (3399), Bayern (3084) und in größerem Abstand Berlin (1963).

Ausweis für Asylbewerber
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Zugleich wurden bis zum 1. Dezember mehr als 51.000 Anträge zur finanziellen Förderung einer freiwilligen Rückkehr bewilligt. Bund und Länder wollen ihre Anstrengungen in diesem Bereich intensivieren und die Hindernisse bei Abschiebungen beseitigen. Denn insgesamt waren Ende Oktober 206.200 Menschen ausreisepflichtig. Die große Mehrheit von ihnen (153.700) besaß aber eine Duldung.

Wie und wo wird an den Grenzen kontrolliert?
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Am 13. September 2015 wurden vorübergehende Kontrollen an der deutsch-österreichischen Grenze beschlossen und seitdem mehrfach verlängert, zuletzt im November. Die Kontrollen sind bis Februar befristet. Es gilt aber als wahrscheinlich, dass Deutschland sich in der EU für eine weitere Verlängerung starkmachen wird.

Der 39-jährige Polit-Jungstar Macron, der bis August 2016 Wirtschaftsminister unter dem sozialistischen Präsidenten François Hollande war, umgeht die Vorwahl der Linken und tritt 2017 als unabhängiger Kandidat zur Präsidentenwahl an. Macron, der sich selbst gern als „Progressist“ bezeichnet, gründete seine eigene Bewegung En Marche. Umfragen zufolge ist er der populärste Politiker in Frankreich. Seine Chancen bei der Präsidentenwahl liegen aber hinter denen des Konservativen Francois Fillon und der Chefin der rechtsextremen Partei Front National, Marine Le Pen.

  • dpa
  • rtr
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17 Kommentare zu "Emmanuel Macron: „Merkel und die Deutschen haben unsere Würde gerettet“"

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  • Merkel arbiet nur noch gegen Deutschland um von Ausländer gelobt zu werden. Warum machen denn die lobenden Ausländer denn absoluit nichts für die "Flüchtlinge", weil sie kriminell, arbeitsscheu und sozialschmarotzend sind?

  • @Dresdnerin

    Ich habe da noch eine Frage an Sie in Sachen Signal:

    Ich glaube ich kann nicht erwarten, dass ein Flüchtling versteht, was es für ihn bedeutet, wenn Frau Merkel ein freundliches Gesicht zeigt, dabei aber betont, dass Dublin II und Schengen weitergelten (quasi das Kleingedruckte). Dem geht es schlecht und er glaubt er wird von einer Regierungschefin eingeladen und versucht dahin zu kommen. Darum haben wieviele Flüchtlingen tausende von Euros an Schlepper bezahlt (mit dem Geld kann man in den Ländern gut und lange leben) und sind dann z.B. auf dem Mittelmeer ertrunken. Auch das sind Merkels Tote! Welches Signal an die Welt meinen Sie?

  • @Dresdnerin

    Ich würde gerne mal verstehen, welche der von ihnen zitierten Werte Sie konkret meinen. Man findet dass was Sie schreiben sehr oft, aber niemand erwähnt worauf er sich jetzt genau bezieht.

    Beispiel Christliche Werte: Ich habe da mal gelernt: Du sollst Deinen nächsten lieben wie Dich selbst. Von Selbstaufgabe ist da ja nicht die Rede! Diesen Weg ist Jesus gegangen, der war aber göttlich. St. Martin z.B. hat nicht seinen kompletten Mantel hergegeben, sondern hat geteilt. Wenn Sie das auf die heutige Situation übertragen und die Fakten unvoreingenommen nehmen, dann sehe ich keine Verpflichtung zur Aufnahme einer Bürgerkriegsgesellschaft! (da diese brandgefährlich ist). Engagement ja, aber nicht dieses!

  • @ Heinz Keizer02.01.2017, 10:54 Uhr

    " Dafür sind aber nicht die sog. Populisten verantwortlich. Sie haben nur darauf hingewiesen, sie aber nicht verursacht."


    Wir leben in einer Gesellschaft, in der das Anprangern von Mißständen bestraft wird, das Verursachen von Mißständen hingegen nicht.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. http://www.handelsblatt.com/netiquette 

  • Niemand hat etwas dagegen, wirklich notleidenden Flüchtlingen zumindest vorübergehend aufzunehmen, bis sich die Lage bei denen zu Hause wieder bessert. Merkel ist aber vorzuwerfen, dass sie erstens ALLE reingelassen hat, die behaupten das zu sein, und man das nicht mal kontrollieren durfte, und ZWEITENS diejenigen nicht abweisen oder zurückschicken lässt, die sich hier derbe daneben benehmen. Merkel täuscht die Menschen mit ihrer aufgesetzten Nächstenliebe darüber, dass sie in Wirklichkeit die Schleusen für jeden Kriminellen und Wirtschafts"flüchtling" weit geöffnet und damit Recht und Sicherheit in Deutschland mit Füßen getreten hat.

  • @Frau Sabrina Dresdnerin

    Hunderttausende Flüchtlinge unkontrolliert ins Land zu lassen, nicht mal zu wissen, wieviel Terroristen darunter sind, hat nichts mit Einstehen für christliche und europäische Werte zu tun, sondern ist politische Dummheit. Wenn dann noch die Länder beschimpft werden, die uns vor weiterem Überrennen gerettet haben, ist das der Gipfel. Wenigsten werden in letzter Zeit einige Politiker vernünftiger. Erforderliche Maßnahmen werden aber von Linken, Grünen und Teilen der SPD boykottiert. Das Signal, das Frau Merkel in die Welt gesandt hat, ist fatal. Eine andere Frage: in welchen islamischen Ländern dürfen Menschen christliche Werte leben, ohne verfolgt zu werden. Da hört man von unseren "christlichen" Politikern wenig bis nichts. Nicht mal die Kirchen sehen sich aufgerufen die Glaubensbrüder und -schwestern zu unterstützen. Dafür setzen sie sich dafür ein, dass Deutschland immer mehr islamisiert wird. Das hat auch nichts mit Fremdenfeindlichkeit zu tun. Wir haben sehr viele Ausländer aus allen möglichen Staaten in Deutschland, die sich gut integrieren. Aber Flüchtlinge in diesem Umfang, aus einem anderen Kulturkreis, werden sich nie integrieren sondern hier Parallelgeschaften bilden, wie es in den Städten Europas zu beobachten ist. Die Probleme, die wir jetzt haben, sind erst der Anfang. Dafür sind aber nicht die sog. Populisten verantwortlich. Sie haben nur darauf hingewiesen, sie aber nicht verursacht.

  • @Dresdnerin

    Genau diese Facharbeiter brauchen wir dringenst hier, wenn man den Politkaspern hierzulande glauben darf:

    Zitat:
    "Das Vorgehen der Migranten wurde von den Behörden in Ceuta als „extrem gewalttätig“ beschrieben. Sie hätten Metallstäbe, Drahtscheren und Steine eingesetzt, einer der verletzten Beamten habe ein Auge eingebüßt. Rund hundert Migranten gelang es demnach, auf den ersten von zwei Absperrzäunen zu klettern."

    https://www.welt.de/politik/ausland/article160764082/1100-Afrikaner-wollen-EU-Grenzzaeune-stuermen.html

    Das ist nicht mehr viel entfert von einem gewaltsamen, bewaffnet Angriff auf die EU-Staatsgrenze.

    Die Gutmenschen hierzulande begreifen erst, wenn "extrem Gewalttätige" ihnen hierzulande die Wohnstätte mit denselben Mitteln streitig machen. Vorher definitiv nicht.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. http://www.handelsblatt.com/netiquette 
     

  • In Zeiten, in denen das Handeln einzelner Staaten und deren politischer Köpfe immer egoistischer und unsozialer wird, in denen Politiker- und Journalisten-Bashing auf niedrigstem Niveau Alltag geworden ist, ist es um so wichtiger für christliche und europäische Werte einzustehen. Das Signal in die Welt ist wichtig, gerade in Zeiten von Populismus, Fremdenfeindlichkeit.

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