EnBW-Verkauf Mappus und die Maultaschen-Connection

Baden-Württembergs Regierungschef Stefan Mappus ließ den Kauf des Stromriesen EnBW von Dirk Notheis, CDU-Vorstandskollege und Deutschland-Chef der Investmentbank Morgan Stanley, organisieren. Dessen Investmentbank verdiente Millionen. Eine Ausschreibung gab es nicht.
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Stefan Mappus und Dirk Notheis (Bildmitte) beim Neujahrsempfang der CDU im Jahr 2009. Quelle: Erhard Knittel

Stefan Mappus und Dirk Notheis (Bildmitte) beim Neujahrsempfang der CDU im Jahr 2009.

STUTTGART/DÜSSELDORF/BERLIN. Stefan Mappus, 44, Ministerpräsident von Baden-Württemberg, und Dirk Notheis, der zwei Jahre jüngere Deutschland-Chef der US-Bank Morgan Stanley, sind Freunde, auch Parteifreunde. Und christliche Glaubensbrüder sind sie auch. Am 23. September fuhr das schwäbische Duo gemeinsam nach Rom. Papst Benedikt XVI. empfing sie zu einer Audienz.

Neuerdings machen die beiden auch Geschäfte miteinander, Geschäfte in Milliardenhöhe. Für Baden-Württemberg war es der Deal des Jahrzehnts.

Zehn Jahre nach der Privatisierung holte Baden-Württembergs Ministerpräsident Mappus Deutschlands drittgrößten Energieversorger EnBW wieder in Staatshand zurück. Einst hatte Vorvorgänger Erwin Teufel das Unternehmen privatisiert. Jetzt nahm das Land Baden-Württemberg dem französischen Energiekonzern EDF am Montag für 4,7 Milliarden Euro dessen rund 45-prozentigen Anteil an dem Karlsruher Unternehmen wieder ab. Der Kaufpreis lag um 18 Prozent über dem aktuellen Börsenkurs. Dieser Mehrpreis – in Summe rund 850 Millionen Euro – wurde als Prämie für den Erwerb der Kontrollrechte gezahlt.

Morgan Stanley sagt: Solche Aufpreise sind üblich. Zwischen 2002 und 2009 seien sie in Deutschland mit rund 28 Prozent sogar deutlich höher ausgefallen als in diesem Fall.

Spektakulär ist der Deal, weil nach jahrzehntelanger Privatisierungswelle erstmals wieder ein deutscher Industriekonzern verstaatlicht wird. Umstritten ist er, weil viele sensible Fragen noch unbeantwortet sind. Fragen nach der wirtschaftlichen Vernunft eines solchen Mega-Deals in Zeiten knapper Kassen. Fragen nach den Perspektiven der EnBW – dem Konzern in Deutschland, der von der gerade beschlossenen Brennelementesteuer am stärksten belastet wird. Am dringendsten aber stellen sich zwei Fragen, die das Zustandekommen der Milliardenübernahme betreffen. Erstens: Warum wurde ausgerechnet dieses Geschäft ohne öffentliche Ausschreibung oder zumindest die vertrauliche Variante einer Ausschreibung, den sogenannten „Beauty Contest“, abgewickelt? In Deutschland wird selbst der Bau einer Bushaltestelle in einem transparenten Verfahren vergeben.

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22 Kommentare zu "EnBW-Verkauf: Mappus und die Maultaschen-Connection"

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  • Und mir dürfet es. Oder net?

  • Anfang des Jahres stand die FDP wegen der Steuervergünstigungen für und Großspenden von Hoteliers am Pranger. Seitdem ist es immer öfter und in scheinbar immer kürzeren Abständen vor allem die CDU.

    Das Ausmaß an „Klientelpolitik“ und - euphemistisch ausgedrückt - „Deals“ ist erschütternd. Und das bei einer Partei, die 2004 unter dem Motto „Mehr Freiheit wagen!“ Regierungsverantwortung übernahm. Was hier geschieht, hat nichts mehr mit freier Marktwirtschaft zu tun – mit Sozialer Marktwirtschaft schon gar nicht. „Mehr Freiheit wagen!“, das kein handlungsleitendes Motto, sondern nur noch ein Etikett, das dem Regierungshandeln übergestülpt wird.

    Vor ein paar Wochen habe ich deswegen bereits im Zusammenhang mit den Protesten gegen „Stuttgart 21“ darauf hingewiesen, dass die CDU ernste Probleme bekommen werde, wenn in Stuttgart das letzte, was für den inneren, identitätsstiftenden Zusammenhalt der Partei sorgt, nämlich das Freiheitsetikett, fällt (siehe: http://stefanleichnersblog.blogspot.com/2010/10/mehr-freiheit-wagen-anspruch-realitat.html). Mit diesem neuem Skandal von Herrn Mappus, ist die Wahrscheinlichkeit dafür weiter gestiegen.

    Als bürger kann man ihm dennoch in gewisser Weise dankbar sein: ihm ist es zu verdanken, dass die Partei(en) jetzt in einem völlig neuen Licht gesehen werden. Das ist gut so.

  • ...und es wird nicht der letzte Deal der Verstaatlichung gewesen sein..private Energieversorger sind Gelddruckmaschinen und es gibt in dem Sinne keinen Wettbewerb nur jählich steigende Tarife.. Sie sind ein Unruhefaktor für den Staat und jede Tariferhöhung ist Gift für das Volk und birgt nicht kalkulierbares Gewaltpotenzial..nicht jetzt, aber in der Zukunft!!

  • Tja die CDU und Transparenz war/ist schon immer eine komische Verbindung.Liegt bestimmt mit daran,dass die CDU in bawü seit 1952 regiert.
    Aber der Wahltag am 27.03.2011 rückt näher,dann hat der bürger wieder die Wahl ob Klar machen zum ändern oder nicht.

  • @ Hirte : Sie sind wohl nicht aus bW, sonst wüßten Sie, daß dieser "Weg" hier schon lange und ungestraft beschritten worden ist, die CDU ist hier die "Partei der Drecksäcke", samt Dreckf..... Gönner.

    @ branchenkenner : Wohl auch Schwabe? Mappus-Freund? Man kann sich vor einem Verkauf mit dem Verkäufer per betriebsbewertung einigen und dann eine vermittelnde bank suchen, zur Not die LbbW, da wäre die Provision im Lande geblieben. Korrupter geht es nicht! Nun wird der Kurs der EnbW wohl so richtig unter die Räder kommen, weil klar ist, daß die Franzosen keinen "besseren" Käufer finden konnten. Fehlende Rendite wird demnächst auf die Energiekunden umgelegt, vielen Dank, Herr Mappus, für ihr Abschiedsgeschenk!

    MORGEN_11.12.2010_VOR_HbF_STUTTGART_GROSSDEMO_ GEGEN MAPPUS_UND_CO/S21!!!!!!!!!!

    @ Gregor: Leider können die meisten das hier nicht riechen, weil die eigene Jauche schon die Nasenlöcher erreicht hat, Geruchsunterscheidung daher unmöglich!

    @J.G.L. : Stuttgarter Justiz? Dort ist der Filz mit Straßenteer getränkt, man hat seit Jahrzehnten feste Seilschaften installiert, die geräuschlos arbeiten.

  • Die EDF wollte den Anteil an der mittlerweile zu teuer produzierenden EnbW wieder loswerden und hat ihn dem Land übergehängt. Alternativ- und regenerativ vermüllter Strom kostet im Verhältnis zum sauberen Atomstrom der Franzosen zu viel, um damit wettbewerbsfähig sein zu können. Da verkaufen die doch liebet ihren Atomstrom um die Hälfte billiger an alle Verbraucher - natürlich auch die Deutschen. b.-W. darf derweil auf dem unverkäuflichen Alternativ-Müll sitzenbleiben, der sich nur über drastisch erhöhte Preise noch halbwegs rechnet. Frankreich baut derweil am gegenüberliegenden Rheinufer noch ein paar Atomkraftwerke. Da kann den Deutschen schließlich nichts geschehen. immerhin trennt sie der komplette Rhein vom bösen Atom, gelle.

  • Die halten nicht hinterm berg wie sie ihr Geld verdienen! Wenn mal einer versucht die Truppe zu verarschen, wie es bei uns unsere Politiker machen, dann gibt's ein auf die Mütze, aber ordentlich!

    Das ist eine ehrliche, wenn auch kriminelle Sache!

    bei unserer lachhaften Demokratie und des lächerlichen Rechtsstaates, sitzt sich der kriminelle Politiker mit seinem Anwalt, dem Richter und dem Staatsanwalt zusammen und dann wird erstmal verglichen, wer was über wen weiß und damit wird erpresst! Der kriminelle Politiker sendet dem notgeilen Richter eine minderjährige Prostituierte
    und filmt dies heimlich und wenn dieser Richter oder der Staatsanwalt nicht spurt, dann ist seine Karriere auch hinüber. Das ist das kleine 1x1
    aus dem Mafialehrbuch Lehrstufe 1 für Erstsemester.

    Kommt eine elitäre Dame in das Damen WC am Flughafen und schubst die polnische Putzfrau die gerade den Spiegel putzt beiseite um sich zu schminken. Das sagt die polnische Putzfrau erzürnt:
    Egal welche Farbe Du machen, Maus bleibt Maus!

  • @branchenkenner

    Eigentlich ist mir dieser Korruptionssumpf inzwischen egal.

    Aber zu ihrem ersten Punkt möchte ich hinzufügen, dass es z.b. bei Unternehmensübernahmen ein gewöhnlicher Vorgang ist, dass ein Angebot von mehreren investmentbanken eingeholt wird - und da steigt der Aktienkurs bzw. der Übernahmepreis nirgends!

    Ausserdem ist GdF ein Großaktionär. Es gab einen Grund für den Vekauf und da spielte nicht der aktuelle Aktienkurs eine Rolle, sondern der Wert des Unternehmens (EnWb) - es ging also um Unternehmensbewertung.


    ihre restlichen beiden Punkte sind Annahmen ihrer Glaskugel und damit Geschwätz (eines Politikers möchte man meinen)

  • Was ist denn los in diesem Land? Das hat doch mit Demokratie und Volksvertretung nichts mehr zu tun. Wir haben es hier mit gefährlichen Menschen zu tun denen das Volk nur Mittel zum Zweck ist.

    Politiker wie Pate Mappus gehören sofort entmachtet, enteignet und binnen 24 Stunden des Landes verwiesen, natürlich in aller Stille.

  • Öffentliche Auftraggeber sind meines Wissens auch bei der Vergabe von Dienstleistungsmandaten wie der Unterstützung beim Kauf oder Verkauf eines Unternehmens an die Vergabevorschriften der VOL gebunden.

    Danach sind die Dienstleistungen selbst bei Geheimhaltungsbedarf im Zuge einer freihändigen Vergabe bzw. eines beautycontest zwischen mindestens drei verschiedenen Anbietern zu vergeben. Die direkte Vergabe an Morgan Stanley ohne Vergleichsangebote einzuholen, widerspricht den verbindlichen Vergabevorschriften und ist damit rechtswidrig.

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