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Friedrich Merz, Annegret Kramp-Karrenbauer und Jens Spahn (l.-r.)

Das Interesse der Basis an den Kandidaten für den CDU-Chefposten war riesig.

(Foto: Reuters)

Ende der Regionalkonferenzen Das sind die Stärken und Schwächen der drei Kandidaten im Kampf um den CDU-Vorsitz

Bei den acht Regionalkonferenzen haben Annegret Kramp-Karrenbauer, Friedrich Merz und Jens Spahn intensiv für sich geworben. Doch wer macht das Rennen? Ein Fazit.
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Berlin Eine Tournee für die Parteibasis haben Annegret Kramp-Karrenbauer, Friedrich Merz und Jens Spahn absolviert. In 15 Tagen acht Regionalkonferenzen, quer durch Deutschland, von Lübeck nach Böblingen, von Halle nach Düsseldorf. Der letzte dieser speziellen Abende der Bewerber um den CDU-Parteivorsitz fand am Freitagabend in Berlin statt.

Das Finale wurde im Konferenzsaal des Estrel Berlin ausgetragen, ein Hotelklotz in Neukölln, der ähnlich ungemütlich ist wie das kalte Regenwetter draußen. Der CDU ging es aber vor allem um Platz, denn davon brauchte sie mehr als erwartet. Rund 2000 Parteimitglieder kamen, mit so vielen hatte man zunächst nicht gerechnet.

So war es auch schon bei vorigen Auftritten. Das Interesse der Basis ist riesig. Für Kramp-Karrenbauer, Merz und Spahn haben die Diskussionen, die auch im Internet übertragen wurden, eine gute Plattform geboten, um für sich zu werben im Rennen um den Parteivorsitz. Kommende Woche Freitag wird auf dem Parteitag in Hamburg der Nachfolger von Angela Merkel gewählt.

Einen eindeutigen Favoriten gibt es auch nach acht Regionalkonferenzen nicht. In Umfragen führt Kramp-Karrenbauer. Bei einigen Auftritten erhielt Merz großen Beifall. Spahn werden die geringsten Chancen eingeräumt. Aber es entscheiden 1001 Delegierte, und nicht CDU-Anhänger in Umfragen oder Regionalkonferenzen. Und trotzdem machten die Auftritte doch die Stärken und Schwächen der drei Kandidaten offensichtlich. Ein Fazit nach acht Regionalkonferenzen.

Annegret Kramp-Karrenbauer

Die größte Stärke der CDU-Generalsekretärin: Sie kennt ihre Partei ganz genau und ist bestens vernetzt. Bei jedem ihrer Auftritte hat Kramp-Karrenbauer auf ihre Zuhörtour verwiesen, bei der sie im Sommer bei 50 Treffen mit der Basis diskutiert und Wünsche und Sorgen gesammelt hat. Dabei wurde auch ihre Forderung nach Einführung einer Dienstpflicht geboren, die sie nun auch in Berlin wieder präsentierte und dafür viel Applaus erhielt.

Kramp-Karrenbauer hat die Partei bei ihren Auftritten stets in den Mittelpunkt gestellt. Ihr Versprechen: Bei wichtigen Themen soll zuerst die Partei diskutieren und entscheiden – und dann die Regierung. In den vergangenen Jahren unter Merkel hatten viele Mitglieder den Eindruck, dass es andersrum war.

Die Generalsekretärin betont die Bedeutung der Partei auch so sehr, um dem Verdacht entgegenzuwirken, als Parteichefin wäre sie Erfüllungsgehilfin der Bundeskanzlerin. Kramp-Karrenbauer gilt als Merkels Wunschkandidatin. Das ist für Teile der Partei, die vor allem mit der Flüchtlingspolitik der Kanzlerin hadern, ein Manko. Dort gibt es den Wunsch nach einem richtigen Kurswechsel, für den die Generalsekretärin nicht steht. Kramp-Karrenbauer versuchte dem zu entsprechen, in dem sie durchaus auch klare Ansagen zur Flüchtlingspolitik oder innen Sicherheit bei den Regionalkonferenzen machte.

Das zweite wichtige Argument, mit dem Kramp-Karrenbauer für sich warb: ihre Wahlkampferfahrung. Alle drei Kandidaten haben betont, dass sie die CDU wieder Richtung 40 Prozent führen wollen. Kramp-Karrenbauer verweist darauf, dass sie als Ministerpräsidentin im Saarland noch im vergangenen Jahr einen Erfolg einfahren und so der Euphorie um den damaligen SPD-Kanzlerkandidaten Martin Schulz einen empfindlichen Dämpfer versetzen konnte. Und nichts lieben Delegierte mehr als die Aussicht auf Wahlsiege.

Friedrich Merz

Der frühere CDU-Fraktionschef verkörpert den Wunsch nach Aufbruch und Neuanfang wie kein anderer. Zehn Jahre war er nicht in der Politik aktiv. Mit all dem, was die Menschen zuletzt so an der Großen Koalition störte, hat er nichts zu tun. Merz ist unbelastet.

Das wird deutlich, wenn er in Berlin etwa betont, dass die Große Koalition in den vergangenen Jahren bei der Rente „an die Grenze dessen gegangen ist, was man der jungen Generation noch zumuten kann“. Dafür gibt es Applaus.

Merz kann so manches unbeschwert kritisieren, auch die Flüchtlingspolitik. Zusätzliche Glaubwürdigkeit verleiht ihm dabei, dass sein belastetes Verhältnis zu Merkel bekannt ist. Dass er als CDU-Chef allzu viel Rücksicht auf die Kanzlerin nehmen würde, ist aus Sicht der Merkel-Kritiker nicht zu befürchten.

Doch dieser Vorteil ist aus Sicht mancher auch ein Manko. Nach all den Streitigkeiten zwischen CDU und CSU ist der Appetit auf weitere interne Auseinandersetzungen eher gering. Auch deshalb richtet sich Merz in Berlin mit einem „offenen Wort“, wie er sagt, an die Basis. Viele würden sich ja fragen, ob das gutginge, er als Parteichef und Merkel als Kanzlerin. „Natürlich geht das gut“, sagt Merz. Er werde „in voller Loyalität“ die Arbeit der Bundesregierung unterstützen.

Viel Unterstützung bekommt Merz von Konservativen und vom Wirtschaftsflügel. Allerdings hat er bei den acht Regionalkonferenzen auch stets darauf geachtet, die anderen Interessengruppen nicht zu verschrecken. Bei ihm werde „sozial“ bei „sozialer Marktwirtschaft“ großgeschrieben, betont Merz in Berlin. Und den Klimawandel zählt er stets zu den größten Herausforderungen.
Auch seine klare pro-europäische Überzeugung betont Merz immer wieder. Er will für ein breites Spektrum wählbar sein – beim Parteitag in Hamburg, aber auch sicherlich auch später bei einer möglichen Bundestagswahl. Die CDU solle unter ihm „Volkspartei der Mitte“ bleiben, sagt Merz.

Jens Spahn

Der 38-jährige Gesundheitsminister steht für einen echten Generationswechsel an der Parteispitze. Mit dem Versprechen eines Neuaufbruchs und einer Modernisierung der Partei versucht er bei der Basis zu punkten.

Zudem hat er noch ein Argument: Spahn kann sich treu bleiben. Schon in den vergangenen Jahren hat er immer wieder die Flüchtlingspolitik der Kanzlerin kritisiert, worauf er bei den Regionalkonferenzen auch gelegentlich hinweist. Soll heißen: Spahn legte sich schon mit Merkel an, als das für ihn nicht nur förderlich war. Und er hat für die Merkel-Kritiker die Stellung gehalten, während Merz noch in der Privatwirtschaft war.

Spahn setzt auf die Themen, die er auch schon in den vergangenen Jahren in Abgrenzung zur Kanzlerin beackert hat. Er betont die innere Sicherheit, kritisiert manches an der Flüchtlingspolitik und verweist auf aus seiner Sicht Missstände bei der Integration.

Auch das Unbehagen an der Basis über den UN-Migrationspakt hat Spahn früh aufgegriffen und eine Debatte und Abstimmung auf dem Partietag gefordert. Das kam bei vielen auf den Regionalkonferenz gut an. Gleichzeitig fordert Spahn, dass die CDU ihr wirtschaftspolitisches Profil wieder schärfen sollte. Er tritt für Steuersenkungen ein und beginnt in Berlin seine Rede mit der Forderung, den Solidaritätszuschlag ganz abzuschaffen. Auch das kommt an.

Spahns größtes Problem ist, dass er mit Merz um dieselben Lager konkurriert: die Konservativen und den Wirtschaftsflügel. Und da kommt der frühere Fraktionschef bisher besser an. Die Bündnisse, die Spahn in den vergangenen Jahren geschmiedet hatte, helfen ihm derzeit nicht weiter. Das ist der Grund, warum Spahn bisher nur Außenseiterchancen eingeräumt werden.

Egal wie der Parteitag am Freitag ausgeht, ein passendes Symbolbild gibt es schon. Bei jeder Regionalkonferenz mussten die drei Kandidaten eine Nummer ziehen, wer anfangen darf.
Beim ersten Termin in Lübeck hatte Kramp-Karrenbauer die Nummer eins, Merz die zwei, Spahn die drei. In Seebach in Thüringen war Merz die Nummer eins. Und in Berlin lautete die Reihenfolge nun: Spahn, Merz, Kramp-Karrenbauer. Wenn es nach dem Losglück geht, ist also alles noch offen.

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