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Energie„Power Fuels“ – Wenn aus Windstrom Kraftstoff wird

Bislang wird überschüssiger Windstrom verschenkt – doch das soll sich ändern: Eine Allianz aus der Wirtschaft will ihn in synthetische Kraftstoffe verwandeln.Klaus Stratmann 19.09.2018 - 07:49 Uhr Artikel anhören

Gelingt den „Power Fuels“ der Durchbruch?

Foto: obs

Berlin. Wenn die Deutsche Energie-Agentur (Dena) an diesem Mittwoch in Berlin die „Global Alliance Power Fuels“ aus der Taufe hebt, sind prominente Vertreter aus der Industrie dabei: Bosch und Uniper ziehen mit, um synthetischen Kraftstoffen, den sogenannten „Power Fuels“, zum Durchbruch zu verhelfen.

Power Fuels können so ziemlich alles, was in der Energiewelt wichtig ist: Autos, Lastkraftwagen, Schiffe oder gar Flugzeuge antreiben, Heizkessel oder Kraftwerksturbinen befeuern.

Auch als Rohstoff in der Industrie sind sie einsetzbar. Power Fuels sind gasförmige oder flüssige Kraftstoffe (Wasserstoff, Methan, synthetische Otto- und Dieselkraftstoffe inklusive Kerosin), die auf der Basis von Strom hergestellt werden.

Dahinter stecken Technologien, die auf dem erprobten Verfahren der Elektrolyse basieren. Wenn der Strom, der für die Elektrolyse benötigt wird, aus erneuerbaren Quellen stammt, entstehen klimaneutrale Kraftstoffe, also „grüne“ Power Fuels.

„Synthetische, erneuerbare Energieträger sind die dritte Säule für eine erfolgreiche Energiewende. Denn allein mit Energieeffizienz und der direkten Nutzung von erneuerbarem Strom wird sich der Energiebedarf in Zukunft nicht klimaneutral decken lassen“, sagte Dena-Geschäftsführer Andreas Kuhlmann dem Handelsblatt. Die Dena hat die Potenziale der grünen Power Fuels von der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) Aachen untersuchen lassen.

Das Resultat: Das Ziel, die Treibhausgasemissionen bis 2050 deutlich zu reduzieren, lässt sich ohne Power Fuels, die auf der Basis von erneuerbarem Strom hergestellt werden, nicht erreichen. Die RWTH Aachen hat für ihre Untersuchungen 26 Studien aus den vergangenen vier Jahren ausgewertet, die sich mit Power Fuels befassen.

Der entscheidende Nachteil der grünen Power Fuels ist zwar nicht von der Hand zu weisen: Die Prozesse zur Umwandlung von Strom in synthetische Brennstoffe weisen niedrige Wirkungsgrade auf, ein erheblicher Teil des Stroms kann somit nicht mehr genutzt werden.

Die Untersuchung der RWTH Aachen verweist aber auf die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten. Synthetische Kraftstoffe können beispielsweise im Wärmesektor Erdgas ersetzen, die vorhandene Pipelineinfrastruktur kann weiter genutzt werden. Im Luftverkehr sind strombetriebene Antriebe auf mittlere Sicht noch nicht denkbar.

Die Dena will mit ihrer globalen Allianz alle Akteure, die sich mit dem Thema befassen, an einen Tisch bringen und ein internationales Netzwerk schaffen. Unternehmen aus Deutschland können dabei eine Schlüsselrolle spielen. Insgesamt gibt es hierzulande um die 30 Projekte, die sich in der einen oder anderen Weise mit der Produktion von Power Fuels auf der Basis von erneuerbarem Strom befassen.

Koalition hat das Thema erkannt

Auch jenseits der Grenzen sind deutsche Unternehmen aktiv. Das Thema der nächsten Jahre wird es sein, die Produktion von grünen Power Fuels im Industriemaßstab zu skalieren, die Kosten zu senken und die regulatorischen Rahmenbedingungen zu optimieren.

„Aus unserer Sicht sind Power Fuels ein globales Thema für ein vielfältiges Anwendungsspektrum“, sagte Dörte Schramm von der Robert Bosch GmbH. „Wenn man die möglichst vollständige Dekarbonisierung bis 2050 ernst nimmt, kommt man nach unserer Sicht an E-Fuels nicht vorbei“, sagte Schramm. Das gelte insbesondere für den Verkehrssektor, aber auch für andere Anwendungsmöglichkeiten, etwa in der Industrie.

Die Große Koalition hat das Thema grundsätzlich erkannt. Der Koalitionsvertrag enthält eine Reihe von Hinweisen. Aus Sicht der Unternehmen, die sich mit dem Thema befassen, fehlen aber die entscheidenden Schritte. „Wir brauchen ein regulatorisches Signal, um beim Thema E-Fuels voranzukommen“, sagt Schramm. „Dabei bietet sich die CO2-Flottenregulierung für Pkws an.

Der Einsatz von E-Fuels, die auf der Basis von Strom aus erneuerbaren Quellen hergestellt werden, muss auf die CO2-Bilanz angerechnet werden. Das ist ja bei Elektrofahrzeugen bereits der Fall.“ Ein Leichtes wäre es auch, eine höhere Einspeisung von „grünem“ Wasserstoff ins Erdgasnetz zu ermöglichen. Bislang gibt es eine Obergrenze von zwei Prozent.

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Fachleute sind der Meinung, dass man diesen Wert ohne Probleme auf 20 Prozent erhöhen könnte. Die Klimabilanz des Erdgaseinsatzes ließe sich durch die höhere Wasserstoffbeimischung erheblich verbessern. Neben Unternehmen wie Bosch oder etwa Audi gehört auch Siemens zu den Vorreitern bei den Power Fuels.

„Entscheidend ist es, die Größe der bestehenden Anlagen zu skalieren, und zwar rasch“, sagt Gabriele Schmiedel von Siemens. Aber es sind nicht nur die großen Namen, die beim Thema Power Fuels mitmischen.

Die Enertrag AG aus dem brandenburgischen Dauerthal produziert schon seit sechs Jahren Wasserstoff mittels Strom aus erneuerbaren Quellen. „Wir sind schon jetzt handlungsfähig und stellen mit Wasserstoff-Projekten unsere Kompetenz unter Beweis. Aber erst, wenn es eine Veränderung der politischen Rahmenbedingungen gibt, können wir durchstarten“, heißt es bei Enertrag.

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