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Energiepolitik FDP will grünen Wasserstoff zum „Öl des 21. Jahrhunderts“ machen

Die Liberalen fordern einen stärkeren Fokus der Bundesregierung auf den Wasserstoff. Ein Schwerpunkt: der Import klimaneutraler Gase und Kraftstoffe.
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Die Herstellung durch Elektrolyse ist mit großem Aufwand verbunden. Die FDP setzt auf Importe. Quelle: dpa
Wasserstoffproduktion

Die Herstellung durch Elektrolyse ist mit großem Aufwand verbunden. Die FDP setzt auf Importe.

(Foto: dpa)

Berlin Grüner Wasserstoff erlebt derzeit einen Boom als Problemlöser, sowohl für die Industrie als auch im Mobilitätssektor – allerdings nur theoretisch. Eine Produktion im großen Stil gibt es nicht. Gleichwohl erscheint grüner Wasserstoff auf dem von der Politik eingeschlagenen Weg zur Klimaneutralität in einigen Anwendungsfällen unverzichtbar.

Die FDP-Bundestagsfraktion beantragt daher in der Bundestagssitzung am Freitag, dem Thema höhere Aufmerksamkeit zu widmen und konkrete Schritte einzuleiten. Der Antrag, der dem Handelsblatt vorliegt, trägt den Titel „Tempo in der Energiepolitik: Wasserstoff zum neuen Öl machen“.

„Die Bundesregierung hat erst ein Klimapaket beschlossen und arbeitet jetzt an einer Wasserstoffstrategie. Dabei muss man das Thema umgekehrt aufziehen: Wasserstoff muss ein wesentlicher Teil der Klimastrategie sein“, sagte FDP-Fraktionsvize Michael Theurer dem Handelsblatt.

Wasserstoff sei ein „Alleskönner, der an der Schwelle zur industriellen Massentauglichkeit steht“, ergänzte er. „Wir fordern nicht weniger als den Markthochlauf von Wasserstoff im großen Stil. Das Ziel muss eine europäische Wasserstoffunion nach dem Vorbild von Euratom sein“, sagte der FDP-Politiker.

Die Bundesregierung will noch in diesem Jahr eine Wasserstoff-Strategie vorlegen. An der Ausarbeitung beteiligt sind mehrere Ministerien, darunter die Ressorts Wirtschaft, Verkehr und Forschung. Ziel der Strategie ist es, Instrumente zum Aufbau einer Struktur für die Produktion und den Import von grünem Wasserstoff zu entwickeln.

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) hatte kürzlich erklärt, Ziel müsse die Produktion im industriellen Maßstab sein. Bundesforschungsministerin Anja Karliczek (CDU) hatte in einem Gastbeitrag für das Handelsblatt geschrieben, ihr Haus wolle gemeinsam mit afrikanischen Partnern einen „Potenzialatlas grüner Wasserstoff“ erarbeiten.

Strom muss günstiger werden

Der FDP ist das zu vage. Sie fordert von der Bundesregierung, bereits ab 2021 bis zu 500 Millionen Euro jährlich für von der Europäischen Investitionsbank (EIB) und der KfW finanzierte Wasserstoffprojekte in Südeuropa und im nördlichen Afrika zur Verfügung zu stellen. Zur Finanzierung will die FDP die Sektoren Gebäude und Verkehr in das europäische Emissionshandelssystem integrieren. Daraus verspricht sie sich zusätzliche Einnahmen in Höhe von 9,5 Milliarden Euro jährlich.

Mit dem Geld will die FDP auch die Absenkung der Stromsteuer auf das europarechtlich zulässige Mindestniveau finanzieren und die Umlage nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) um bis zu 2,2 Milliarden Euro pro Jahr senken. Anlagen zur Herstellung von grünem Wasserstoff sollen komplett von der EEG-Umlage befreit werden, fordern die Liberalen.

Alstom: „Der Erfolg des Wasserstoffzuges ist nicht aufzuhalten“

Hinter der geforderten Entlastung des Strompreises steht die Erkenntnis, dass grüner Wasserstoff hierzulande nur produziert werden kann, wenn Strom deutlich günstiger wird. Wasserstoff lässt sich mittels Strom durch Elektrolyse herstellen. Wenn der eingesetzte Strom aus erneuerbaren Quellen stammt, ist der Wasserstoff klimaneutral.

Die Einsatzmöglichkeiten sind breit gefächert: Grüner Wasserstoff kann als Rohstoff in der Chemie eingesetzt werden und die CO2-Emissionen der Stahlproduktion drastisch reduzieren. Er kann auch Kraftwerksturbinen antreiben oder im heimischen Heizkessel verbrannt werden. Schließlich kann er zu erneuerbaren synthetischen Kraftstoffen, den sogenannten E-Fuels, weiterverarbeitet werden.

Verschiedene Unternehmen haben Projekte zur Produktion von grünem Wasserstoff angekündigt. Sie setzen dabei meist auf überschüssigen Windstrom. In sogenannten „Reallaboren“, die das Bundeswirtschaftsministerium fördert, werden verschiedene Konzepte erprobt.

Für den Einsatz in großem Stil fehlt aber die regulatorische Basis. Die Unternehmen fordern insbesondere eine deutliche Senkung der Abgaben, Steuern und Umlagen, mit denen der Strom in Deutschland belastet ist. Dieser Forderung will die FDP mit ihrem Konzept Rechnung tragen.

Potenzial auch im Verkehr

Allerdings dürfte die inländische Produktion dem Einsatz von grünem Wasserstoff enge Grenzen setzen. Denn überschüssiger Windstrom steht nur begrenzt zur Verfügung. Mit fortschreitendem Netzausbau sollte zudem in einigen Jahren das Phänomen überschüssiger Strommengen an Bedeutung verlieren.

Dem steht ein riesiger Bedarf gegenüber: Allein die chemische Industrie rechnet auf dem Weg zur Klimaneutralität mit einem Jahresbedarf an erneuerbarem Strom im Umfang von 600 Terawattstunden (TWh). Zur Einordung: Windräder und Photovoltaikanlagen produzieren jährlich etwa 180 TWh.

In den Überlegungen von Politik und Wirtschaft spielt daher der Import von grünem Wasserstoff aus Weltregionen mit besseren Bedingungen zur Produktion von Strom aus erneuerbaren Quellen eine wichtige Rolle. „Sonnen- und windreiche Regionen in unserer Nachbarschaft bieten viel Potenzial, um grünen Wasserstoff und synthetische Kraftstoffe auf Basis erneuerbaren Stroms herzustellen“, heißt es im Antrag der FDP. „Hierbei bieten sich nicht nur wirtschaftliche Chancen für die Regionen. Auch deutsche Unternehmen können mit ihrer Technologie und Expertise etwa im Bereich Wasserstoffelektrolyse profitieren“, heißt es in dem Antrag weiter.

Die FDP sieht grünen Wasserstoff nicht nur als Problemlöser für die Industrie. Er hat nach Überzeugung der Liberalen auch für den Mobilitätssektor erhebliches Potenzial. Die FDP fordert daher von der Bundesregierung, sich auf EU-Ebene „für das Ende der regulatorischen Diskriminierung von synthetischen Kraftstoffen bei der Anrechenbarkeit auf die CO2-Flottengrenzwerte einzusetzen“.

Der Ausbau von Wasserstoff- und E-Fuels-Infrastruktur müsse gleichberechtigt zum Ausbau der Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge vorangetrieben werden. Außerdem müsse eine kontinuierlich ansteigende Verpflichtung zur Beimischung synthetischer Kraftstoffe geprüft werden.

Mehr: Derzeit liegt der Fokus bei der Vermeidung von CO2 auf reinen Batterieautos. Aber Brennstoffzelle und E-Fuels werden langfristig an Bedeutung gewinnen.

Der Handelsblatt Expertencall
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2 Kommentare zu "Energiepolitik: FDP will grünen Wasserstoff zum „Öl des 21. Jahrhunderts“ machen"

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  • Eine wesentliche Zeitqualität ist, es werden viele neue Rohstoffe und Technologien das Öl-, Gas- und Kohlemonopol beenden. Eine der revolutionärsten hier: Auch für die Berliner Neutrino Energy Group ist klar, die Mobilität der Zukunft ist elektrisch. Allerdings werden Zwischenstopps an den Ladesäulen demnächst der Vergangenheit angehören. Die Autos der Marke Pi beziehen ihre Energie aus Energiewandlern, die diese aus Strahlung gewinnen. Dabei geht es um sehr leichte Elektrofahrzeuge, deren Karosserie nicht aus Aluminium besteht, sondern aus Karbon. Dieses Kohlenstoffverbundmaterial ist nicht nur extrem leicht, sondern ermöglicht auch die problemlose Integration der Energiewandler. Somit kann der gesamte Fahrzeugkörper für die Energiegewinnung genutzt werden. Der griechische Buchstabe Pi wurde als Markenname gewählt, weil er für Unendlichkeit steht. So wie Fotovoltaikanlagen Strom aus dem sichtbaren Licht gewinnen, wandelt die Neutrino-Voltaik nicht-sichtbare Strahlung in Energie um. Damit ergibt sich ein bedeutender Vorteil: diese Energiegewinnung ist nicht vom Tageslicht abhängig. Die extrem kleinen, hochenergetischen Teilchen stehen rund um die Uhr, an 365 Tagen im Jahr, an jedem beliebigen Ort zur Verfügung. Diese unendliche Energiequelle sollten wir endlich nutzen.

  • Wenn jemand von der Herstellung des Wasserstoffs mittels Solarenergie in Afrika träumt, darf nicht vergessen, dass diese Gegend enorm verstaubt ist. Staub und Sand verursachen dann täglich bis zu 1 % Ertragsverluste, wenn die Solarmodule nicht rechtzeitig gereinigt werden. Welche Probleme derartige Stromerzeugung mit sich trägt, habe ich ausführlich in einem Artikel bei LinkedIn verfasst: https://www.linkedin.com/pulse/dont-put-your-money-sand-rich-dzikowski/