Energiepolitik Weizsäcker greift Röttgens Biosprit-Strategie frontal an

Der renommierte Wissenschaftler und Autor Ernst-Ulrich von Weizsäcker geht mit der Bundesregierung hart ins Gericht. Er wirft ihr "dicke Fehler" vor und fordert statt Biosprit höhere Energiepreise.
  • Ernst Ulrich von Weizsäcker
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Wissenschaftler und Umwelt-Mahner: Ernst-Ulrich von Weizsäcker. Quelle: dpa

Wissenschaftler und Umwelt-Mahner: Ernst-Ulrich von Weizsäcker.

(Foto: dpa)

"Nein tanke. Der Irrsinn mit dem Biosprit" tönt es bei "Bild". Die Nebenbotschaft: Autofahrer, Verbraucher, lasst euch die Diktatur der "Ökos" nicht länger gefallen. Populismus pur. Das "Handelsblatt" sieht einen "Aufstand der Verbraucher. Biosprit, Dosenpfand, Glühbirne: … Verordneter Umweltaktivismus hat keine Chance mehr."

Der Umweltschutz darf nicht zum Buhmann gemacht werden. Den Ärger von Autofahrern über E10 verstehe ich gut. Da sind ja auch dicke Fehler gemacht worden. Die hat der Benzingipfel gestern nicht ausgeräumt. Doch den Ökos die Schuld zu geben ist ungerecht und hochgefährlich.

Warum ungerecht? Nun, die Ökos wollen E10 überhaupt nicht. Gegen die zehn Prozent Beimischung haben Umweltschützer von vornherein protestiert. Die Konkurrenz zu essbaren Feldfrüchten, Unklarheiten über die Netto-Klimawirkung und die ökologische Verödung durch Spritplantagen waren zentrale Gegengründe. Das haben auch Beratungsgremien der Bundesregierung schon früh gesagt.

Doch Brüssel und Berlin haben Fakten geschaffen, ohne die Proteste und Warnungen zu beherzigen, weil in Brüssel viel eher die Agrarpolitiker das Sagen haben als die Umweltschützer. Für Landwirte war Biosprit die große Verheißung. Und bei den Brüsseler Haushältern keimte die Hoffnung, die Agrarsubventionen ohne Schaden für die Landwirte senken zu können.

Umweltschützer sprechen nicht mehr von Bio-, sondern von Agrarsprit. Sie sind sauer über die sich krebsartig ausdehnenden Mais- und Rapsplantagen in Deutschlands einst so abwechslungsreichen Fluren. Plantagenwirtschaft ist nicht Schutz, sondern Kampf gegen die Umwelt. Die Umweltschützerbeschimpfung ist nicht nur ungerecht, sondern auch hochgefährlich. Beim Klimaschutz drängt die Zeit. Vielerorts spielt schon das Wetter verrückt. Die Artenvielfalt schrumpft. Jede Stunde rotten wir Menschen ein oder zwei Tier- oder Pflanzenarten aus. Plantagen gehören zu den größten Feinden der Natur! Öl wird knapp und Wasser, Phosphat und manche Metalle. In dieser Lage den Zorn der Autofahrer und auch der Bierdosen- und Glühbirnen-Liebhaber gegen die "Umweltbürokratie" zu mobilisieren ist ganz daneben.

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14 Kommentare zu "Energiepolitik: Weizsäcker greift Röttgens Biosprit-Strategie frontal an "

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  • Der Vorschlag geht in die richtige Richtung. Wenn man weiß, daß der Preis für ein Gut durch Knappheit kontinuierlich steigt, wird man durch Einsparungen bzw. durch Investitionen (mit der Folge von Einsparungen) aktiv werden. Ob diese Entwicklung durch direkte staatliche Eingriffe (Preisfestsetzungen) oder besser durch schrittweise erfolgende Steuererhöhungen beschleunigt wird müsste bald entschieden werden. Je mehr Marktbestandteile bei der Umsetzung des Zieles, desto besser.

  • Das ist richtig. Weizsäcker liegt mit der Einrechnung der offiziellen Verbräuche der neuesten Flotten total daneben. Da wäre ein gewichteter Realflottenverbrauch wesentlich aussagekräftiger und der Druck würde bei weitem geringer ausfallen. So wie bei den Arbeitskräften eben nicht der neueste Produktionsrekord der Stachanowki, sondern die Ø-Leistung eingeht.
    Außerdem optimieren die Hersteller die Verbräuche nicht in Bezug auf den realen Einsatz, sondern in Bezug auf den Testzyklus. Das weitere kann man leicht an den Testberichten der letzten 10 Jahre ablesen.

    Außer: die Verbrauchscomputer in den Autos zeigen immer weniger an (mit jedem Baujahr), egal was die Möhren real schlucken. In der zutreffenden Annahme, das die meisten Verbraucher eh zu faul oder blöd sind, das mal nachzuhalten… an meinem 12 Jahre alten Auto geht der Compi noch 0,5l oder 8,5% vor… Jedes Jahr, die der weiter fährt, werden die Ressourcen einer Neuproduktion gespart und die Arbeitskräfte dafür natürlich auch.

    Deshalb sind die Politruks für die ganze blöde Spiegelfechterei: Negawatts kosten erst mal Arbeitsplätze und damit Stimmen…

  • Ganz einfach: Ich tanke Super Plus und für meinen Diesel das Bessere Diesel (V-Diesel u.ä.) Dazu Fülle ich in den Tank Liquy Moly Super Diesel Additiv. Der Verbrauch ist etwas geringer,und damit kaum teurer als mit Bi.
    Die Sicherheit ist ja auch was wert.
    Schon seit 40 Jahren bekommt das Öl ein Öl Additim von LM
    MOS2. Damit muß ich mir mit den Lügen der Regierung und der Autohersteller keine Sorgen Machen.
    Die Jahres - Mehrkosten sind etwa 20 €

  • Fakt ist, dass dieser sog. Ökosprit ein krinmineller Akt ist, mal wieder von Brüssel und Deutschalnd immer schön gehorsam, macht es mit.
    Die wirklichen Fachleute haben im Vorfeld Redeverbot bekommen, damit der Bürger ja nicht aufgeklärt wird und unsere selbsternannte Klimakanzlerin diese Dreck einführen kann. So ist es nämlich
    Und ja, mit diesen Energiesparlampfen ist es ebenso. Die waren vorher sehr schlecht verkäuflich, da auch zu teuer, also mußte man auch hier auf Öko machen, damit die Hersteller dieser Birnen ihr Geld machen können, auf Kosten der Kunden, denn die Ernergiesparlampen sind hochgiftig. Aber das ficht unsere Politiker nccht an. Hauptsache ist, man hat mal wieder eine Maßnahme gegen die Bürger installiert
    Es sst erbärmlich, dass Bauern da mitmachen. Man müßte die Bauern ächten. Diese haben offenbar vergessen, dass sie für die Ernährung der Bürger verantwortlich sind und nicht dazu, Lebensmittel in den Tank zu stopfen. as ist zynisch, wenn Menschen hungern.
    Der ganze Öko-Wahnsinn läuft offenbar aus dem Ruder und niemand gebietet Einhalt weil gerade wir Deutschen nur noch Dilettanten als Politiker haben. Wenn ein Jurist, der nichts weiter vorzuweisen hat, als Arroganz, Umweltminister spielt, können wir ja auch nichts erwarten
    Es wird höchste Zeit, den gesamten Oko-Wahn der letzten Jahre auf der Müllhalde zu entsorgen

  • Dieser oben genannte Vorschlag mit den an die Effizienz gekoppelten Ölpreis führt, geradewegs in den Staatsbankrott.
    10 % Effizienzsteigerung ist 10 % Preiserhöhung ? Aber null % Steigerung = 0 % Preiserhöhung? Bei international steigenden Ölpreisen führte dies zu ständigen Steuerausfällen. Wer denkt sich so einen Unsinn aus? Die internationalen Ölpreise unterliegen nicht der staatlichen Kontrolle, sondern sind durch die knapper werdenden Reserven zwangsläufig vorgegeben. Hier kann der Staat nicht kompensierend eingreifen !

  • Toller Vorschlag des weisen Herrn von Weizsäcker: "Wird die deutsche Autoflotte 2011 um 1,5 Prozent effizienter, erhöht sich der Spritpreis 2012 um 1,5 Prozent." Dann lasst uns doch die Effizienz der Autoflotte um 50 % verringern und dann die Preise um 50 % senken. Ich bin dabei;-))

  • Wie wäre es denn, wenn endlich mal die Autoindustrie ihre Hausaufgaben macht und Autos produziert, die spritsparend sind. Lasst doch den ganzen elektronischen Schnick-Schnack weg, der auch Sprit frisst und forscht mal an einem Motor, der effizienter ist.
    Aber solange Merzedes von Katar unterstützt wird, können wir wahrscheinlich ewig warten, bis sich in der Sache mal was tut.

  • mann muß nicht unbedingt alles über den preis machen. gute und restriktive gesetze sind auch eine lösung. warum kein tempolimit? warum keine förderung energiesparender fahrzeuge? warum kein verbot oder extreme besteuerung von suv's und spritschluckenden fahrzeugen? die antwort ist gantz einfach: das würde ja eine "einschrenkung" des individuums bedeuten oder die "beschneidung" seiner freiheiten...

  • Von Weizsäcker hat mit seinem Vorschlag wohl grundsätzlich recht,, den Faktor 4 im Energieverbrauchsbereich nicht durch staatliche Subventionen und Regulierungen zu erreichen - sondern durch marktwirtschaftliche Lösungen. Dieser Grundsatz wird allerdings durch seinen Vorschlag, die Energiepreise durch staatliche Reglementierungen (steigend) festzulegen, schon wieder sytemwidrig durchbrochen.

  • Herr von Weizäcker hat einfach nur recht! Die Politik trifft, beeinflusst von Lobbyisten, meist die falschen Entscheidungen und nimmt das Volk nicht ernst. Im Falle von E10 hat die Politik vorsätzlich falsch entschieden, da die Beratungsgremien von der Einführung von E 10 abgeraten haben.

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