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Energieverbrauch Digitalbranche gerät ins Visier der Klimaschützer

Videostreaming verschlingt weltweit so viel Strom wie alle Haushalte in Deutschland, Italien und Polen zusammen. Berlin und Brüssel wollen die Branche in die Pflicht nehmen.
31.08.2020 Update: 31.08.2020 - 13:21 Uhr 2 Kommentare
Die Bundesumweltministerin (SPD) unterstützt den Vorschlag aus der EU, Rechenzentren bis 2030 zur Klimaneutralität zu führen. Quelle: dpa
Svenja Schulze

Die Bundesumweltministerin (SPD) unterstützt den Vorschlag aus der EU, Rechenzentren bis 2030 zur Klimaneutralität zu führen.

(Foto: dpa)

Berlin Die Rechenzentren in Deutschland verbrauchen Schätzungen zufolge jährlich in etwa so viel Strom wie die Stadt Berlin. Der Energiehunger ist riesig – und er wächst weiter: Um mehr als die Hälfte sei der Bedarf der Serverfarmen in Europa im vergangenen Jahrzehnt gestiegen, hat das Borderstep-Institut errechnet, Tendenz steigend.

Kein Wunder also, dass die Politik beim Klimaschutz zunehmend die Digitalbranche ins Visier nimmt. Die EU-Kommission hatte im Frühjahr das Ziel ausgegeben, die Rechenzentren sollten bis 2030 klimaneutral sein. Bundesumweltministerin Svenja Schulze macht sich diese Maßgabe nun zu eigen: Die Ministerin unterstütze den ambitionierten Vorschlag der EU-Kommission, sagte ein Sprecher dem Handelsblatt.

Die SPD-Politikerin will die deutsche EU-Ratspräsidentschaft nutzen, um das Vorhaben in der zweiten Jahreshälfte in Brüssel voranzutreiben. Ihr Ministerium formuliert bereits einen ersten Entwurf für die Schlussfolgerungen, die Schulze später den Umweltministern der anderen EU- Staaten vorlegen will.

Im Dezember sollen sie die Erklärung verabschieden und damit auf EU-Ebene den nächsten Pflock einschlagen. Vorher sollen sich aber noch andere Bundesministerien dazu äußern können.

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Standort erkennen

    Die Digitalbranche aber mahnt Schulze, bei ihren Bemühungen um den Klimaschutz nicht übers Ziel hinauszuschießen. Sonst drohe dem Standort ernster Schaden, sagt Alexander Rabe, Geschäftsführer des Internetverbands eco: Rechenzentren seien das Rückgrat der Digitalisierung; wenn immer weniger davon in Deutschland oder Europa stünden, „verlieren wir nicht nur die Hoheit über die Daten, sondern in Zeiten von Künstlicher Intelligenz und Quantencomputing auch einen absolut kritischen Wettbewerbsfaktor“. Schon heute würden nur vier Prozent der Daten weltweit in Europa gehostet.

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    Die Politik sollte nicht nur Ziele benennen und Forderungen erheben, fordert Roman Bansen, Experte beim Digitalverband Bitkom, sondern auch die richtigen Rahmenbedingungen setzen. Wirklich klimaneutral könnten die Rechenzentren nur werden, wenn „die Energiewende bis 2030 weitgehend abgeschlossen und die Stromversorgung CO2-frei“ sei, sagt er.

    Da Deutschland erst 2038 vollständig aus der Kohleverstromung aussteigen wolle, sei das Ziel aber kaum zu erreichen, warnt Rabe. Das Ziel klimaneutraler Rechenzentren bis 2030 sei daher vielleicht für das Atomstromland Frankreich oder für die nordeuropäischen Länder realistisch, die einen großen Teil ihres Bedarfs aus regenerativen Energien decken. „Aber für Deutschland wäre angesichts der Rahmenbedingungen im Bedarfsfall möglicherweise eine Karenzzeit angebracht.“

    Die EU-Kommission unter ihrer Chefin Ursula von der Leyen verfolgt aber ebenso wie die Bundesregierung eine ehrgeizige Klimaagenda. Sie wollen die Einsparziele für 2030 verschärfen, um 50 bis 55 Prozent statt 40 Prozent sollen die EU-Staaten den Treibhausgasausstoß bis 2030 verringern. Bis 2050 soll der Kontinent dann klimaneutral sein.

    Auf der Suche nach Einsparpotenzialen hat Schulze schon länger die Digitalwirtschaft in den Blick genommen. Anfang März legte die Ministerin die Eckpunkte ihrer „Umweltpolitischen Digitalagenda“ vor.

    Intelligente Technologien ermöglichten es einerseits, Prozesse in allen wirtschaftlichen Branchen effizienter zu gestalten, argumentiert sie. Ungesteuert aber werde ihr enormer Energieverbrauch zum Problem. Das Wuppertal Institut für Klima, Umwelt und Energie etwa erwartet, dass die Digitalbranche schon in wenigen Jahren weltweit mehr CO2-Emissionen verursachen dürfte als der Pkw-Verkehr.

    70 Maßnahmen in Schulzes Aktionsplan

    Von den Grünen kommt Lob für das Vorgehen der Ministerin. „Die Bundesregierung hat jahrelang die ökologische Seite der Digitalisierung ausgeblendet“, sagte der digitalpolitische Sprecher der Bundestagsfraktion, Dieter Janecek.

    Seine Kollegin Tabea Rößner mahnt an, die Regierung müsse das Thema Energieverbrauch auch bei ihren anderen digitalpolitischen Initiativen berücksichtigen, insbesondere in ihrer Strategie für Künstliche Intelligenz und die Gaia-X-Initiative für eine europäische Cloud-Infrastruktur. Außerdem gelte es, das Bewusstsein in der Bevölkerung zu schärfen, wie viel Strom gerade das Streamen von Videos fresse.

    Schulzes Aktionsplan enthält 70 Maßnahmen. Sie setzt etwa auf das Umweltsiegel „Blauer Engel“. Zudem plant das Umweltbundesamt den Aufbau des EU-weit ersten Registers für Rechenzentren, um eine Übersicht darüber zu bekommen, wie große Rechenzentren organisiert sind, welchen Energieverbrauch sie haben und wie sie die Abwärme nutzen, die beim Betrieb der Rechner anfällt.

    Außerdem arbeitet das Amt an einem Bewertungssystem für die Energieeffizienz der Serverfarmen. Diese verbrauchen deshalb so viel Strom, weil die Rechner rund um die Uhr in Betrieb sind und aufwendig gekühlt werden müssen.

    Rabe fordert, die Betreiber stärker einzubeziehen – sonst finde ein Label wie der Blaue Engel „zu wenig Akzeptanz in der Branche“. Die Anbieter in Deutschland zählten bereits heute im internationalen Vergleich zu den effizientesten.  Bei der Festlegung der Energieeffizienz-Kennzahlen müsse etwa darauf Rücksicht genommen werden, dass manche Anbieter Notfallreserven für ihre Kunden vorhielten, um einen störungsfreien Betrieb der Netze zu gewährleisten.

    Der eco-Geschäftsführer spricht sich zudem dafür aus, die kommunalen Stadtwerke zur Abnahme zu verpflichten. Die Abwärme der Server gehe heute größtenteils verloren, weil es sich für die Wärmenetzbetreiber nicht lohne, sie zu nutzen, sagt er. Und mahnt: „Die Digitalisierung sollte als Teil der Lösung betrachtet werden, nicht als Teil des Problems.“

    Mehr: Die Weltwirtschaft steht im Schock der Coronakrise, aber auch die Klimakrise zeigt uns: Ein grüner Aufschwung ist heute wichtiger denn je, meint Magnus Hall.

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    2 Kommentare zu "Energieverbrauch: Digitalbranche gerät ins Visier der Klimaschützer"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Vor der gesamten Digitalisierung steht die LÖSUNG DER ENERGIEFRAGE. Und genau deshalb sollten Investitionen zur Lösung der Energiefrage wirklich als grosses Thema JETZT GELTEN und die Politik die Weichen stellen und nicht mit alten Hüten argumentieren. Der einstige BundesVerkehrsminister a.D., Prof. KRAUSE veröffentlicht aktuell sein Buch "Das ewige Licht" und wird an der Moskauer Uni Neutrino-Technologie dozieren. Die günstigste und sauberste Variante der Energienutzung basiert auf Neutrino Technologie. Eine mobile und dezentrale Energienutzung über die Neutrinovoltaic kann jetzt möglich werden, denn sie wird die Photovoltaik ergänzen und ablösen, denn sie kann auch in vollkommener Dunkelheit Energie wandeln. Die Patente der Berliner Neutrino Energy Group sind bereit. Die Einführung der Neutrinovoltaik zur Gewinnung von elektrischem Strom unter dem Einfluss verschiedener elektromagnetischer Strahlung, einschließlich hochenergetischer kosmischer Neutrinos ist jetzt machbar. Die auf Neutrinovoltaik-Technologie basierenden DC-Neutrinoquellen sind sehr kompakt und wetterunabhängig, erzeugen in einem Grundmodus 24h x 365 Tage Strom und können in Gerätegehäuse oder sogar in Elektroautos eingebaut werden. Sie sind in der Lage, sowohl Geräte als auch einzelne Haushalte und Elektroautos ohne Anschluss an eine zentrale Stromversorgung vollständig mit Strom zu versorgen. Mobile und dezentrale Haushaltsenergie sowie unendliche Reichweiten für die Elektromobilität werden unser Leben weltweit positiv wandeln. Deutsche Ingenieure, Russische Investoren, bald an der amerikanischen Börse zum Jahresende, wird NeutrinoInside mit dieser sensationelle emissionsfreien Energienutzung weltweit begeistern.

    • Das ist doch keine neue Erkenntnis. Diese bösen Streamingdienste befriedigen Bedürfnisse ganz normaler Menschen.
      Keine öffentliche Diskussion über das Für und Wider - Bösewichte identifizieren und mit den Leidmedien niedermachen. So sieht die Welt unserer Bundesumweltministerin aus.
      Spart das Internet nicht auch - gerade zur Zeit wegen Corona - auch Immissionen und Energie, weil nicht ins Kino gefahren muss oder Reisen schlicht wegfallen, ganz abgesehen vom fehlenden Pendeln Millionen von Mitarbeitern:innen.

      Das zeigt nicht gerade von hoher fachlicher Kompetenz des Ministeriums und ihrer Chefin.

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