Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Energieversorgung Entwicklung der Gasmärkte belastet deutsche LNG-Projekte

Die Entwicklung auf den Gasmärkten belastet die Pläne Deutschlands zum Aufbau einer Infrastruktur für verflüssigtes Erdgas. Das dürfte die US-Regierung hellhörig machen.
16.07.2020 - 15:17 Uhr 4 Kommentare
In Europa gibt es aktuell 36 LNG-Terminals, die im Durchschnitt allerdings nur zu weniger als 30 Prozent ausgelastet sind. Quelle: Reuters
Ein LNG-Tanker an der Küste Singapurs

In Europa gibt es aktuell 36 LNG-Terminals, die im Durchschnitt allerdings nur zu weniger als 30 Prozent ausgelastet sind.

(Foto: Reuters)

Berlin Die Coronakrise sorgt für fallende Gaspreise. Besonders schwer hat es aktuell verflüssigtes Erdgas (Liquefied Natural Gas, kurz LNG). Die Rahmenbedingungen für die geplanten deutschen LNG-Terminals haben sich damit drastisch verschlechtert. Werden die Terminals dennoch gebaut?

Norbert Brackmann, maritimer Koordinator der Bundesregierung, gibt sich im Gespräch mit dem Handelsblatt gelassen: „Die Betreiber sagen uns, dass sie weiter auf LNG setzen und ihre Investitionen vorantreiben“, sagt Brackmann – und schränkt ein: „Ob sie die Projekte in dieser Marktsituation mit größter Eile betreiben, vermag ich nicht zu sagen.“

Die Bundesregierung hat sich auf zwei LNG-Projekte fokussiert: das „German LNG Terminal“ im schleswig-holsteinischen Brunsbüttel sowie das LNG-Terminal im niedersächsischen Wilhelmshaven.

Hinter dem German LNG Terminal stehen die niederländischen Unternehmen Gasunie und Vopak sowie das Hamburger Unternehmen Marquard & Bahls, das in den Bereichen Energieversorgung, -handel und -logistik tätig ist. Das Projekt in Wilhelmshaven wird vom Energiekonzern Uniper vorangetrieben.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Wer bei Uniper nachfragt, hört heraus, dass sich die Begeisterung für das Vorhaben in Grenzen hält. „Wir verfolgen das weiter“, sagte ein Sprecher auf Nachfrage. Man sei „nach wie vor vom energiewirtschaftlichen Sinn des Projektes überzeugt“. Das Vorhaben müsse allerdings „für alle Beteiligten sinnvoll“ sein. „Die aktuelle Preisentwicklung ist eine Herausforderung, aber man muss das langfristig betrachten“, sagte der Sprecher weiter. Beim Projekt German LNG Terminal heißt es, man halte an den bisherigen Plänen fest.

    Die geplanten LNG-Terminals sind ein Politikum ersten Ranges. Die Bundesregierung hatte den USA in Aussicht gestellt, dafür zu sorgen, dass sich in Deutschland eine eigene LNG-Infrastruktur entwickelt. Bislang gibt es kein LNG-Terminal in Deutschland.

    Vordergründig kritisieren die Amerikaner, Deutschland begebe sich durch den Bau der Gaspipeline Nord Stream 2 in große Abhängigkeit von russischen Gaslieferungen. Deutschland müsse eine eigene LNG-Infrastruktur aufbauen, um sich den Zugriff auf alternative Bezugsquellen zu sichern. Tatsächlich geht es der US-Regierung aber auch darum, LNG aus den USA nach Deutschland zu verkaufen.

    Die Bundesregierung beugte sich dem Druck aus den USA, indem sie einen attraktiven Regulierungsrahmen für LNG-Projekte schuf. Im vergangenen Jahr novellierte sie die Gasnetz-Zugangsverordnung.

    Keine Chance gegen Pipelinegas

    Damit sind nun die Anschlussleitungen eines LNG-Terminals an das Gas-Fernleitungsgesetz Teil der öffentlichen Gasnetzinfrastruktur. Der Vorteil: Die Investoren müssen die Anschlussleitung nicht mehr selbst finanzieren, die Kosten werden vielmehr über die Netzentgelte auf alle Nutzer des Gasnetzes umgelegt. Das steigert die Wettbewerbsfähigkeit eines LNG-Terminals.

    Doch selbst wenn es in Deutschland ein oder gar zwei LNG-Terminals geben sollte, hätte das verflüssigte Erdgas derzeit keine Chance, am Markt gegen Pipelinegas zu bestehen. Das gilt insbesondere für LNG aus den USA.

    In den USA wird das Gas mittels der umstrittenen Frackingmethode gefördert, es ist daher ohnehin schon teurer als konventionell gefördertes Gas. Zudem ist die Verflüssigung kostenträchtig: Das Erdgas wird auf rund minus 160 Grad Celsius gekühlt und schrumpft dadurch auf den 600. Teil seines Volumens.

    Das verflüssigte Gas wird per Tankschiff über die Ozeane geschickt, dann am LNG-Terminal wieder in gasförmigen Zustand versetzt und kann ins Erdgasnetz eingespeist werden.

    In der Großen Koalition gehen viele Akteure davon aus, dass das vergleichsweise teure LNG aus den USA derzeit keine Chance hat. „Unter den gegebenen Umständen wird in Deutschland kein LNG aus den USA ankommen“, sagt ein Koalitionspolitiker.

    Man habe aber alles dafür getan, dass in Deutschland LNG-Terminals entstehen können. Mehr sei nicht möglich. Es schwingt bei solchen Bemerkungen die Verärgerung darüber mit, dass die USA nach wie vor alles daran setzen, die Fertigstellung der Ostseepipeline Nord Stream 2 zu torpedieren.

    Grafik

    Insgesamt haben sich die Vorzeichen für LNG stark eingetrübt. „Der globale LNG-Markt war schon vor Corona übersättigt“, erklärt Jens Burchardt, Energieexperte beim Beratungsunternehmen BCG, den Preiseinbruch. „Die Nachfrage ist nicht in demselben Maß gewachsen wie die Kapazitäten.“

    Vor allem in Asien habe sich der Markt nicht so schnell entwickelt wie gehofft. In Japan und Südkorea ging die Nachfrage sogar zurück. „Das hat zu einem Angebotsüberhang und gesunkenen Preisen geführt“, sagt Burchardt.

    Wozu eigene Terminals?

    Die britische Großbank HSBC kommt in einer aktuellen Analyse zu dem Ergebnis, dass der globale Gasmarkt nicht nur in diesem Jahr mehr LNG produziert, als die Nachfrage hergibt. Die Analysten rechnen damit, dass viele LNG-Projekte aufgrund von Überkapazitäten auch in fünf Jahren noch zurückgezogen oder verschoben werden. Und Projekte, die tatsächlich gebaut werden, „müssen mit niedrigeren Gewinnen rechnen als bislang angenommen“. 

    „Frackinggas ist im Vergleich zu herkömmlich gefördertem Gas drastisch zu teuer und hat im Moment keine Chance“, sagt Brackmann. Der maritime Koordinator geht davon aus, dass das „auf absehbare Zeit auch so bleiben“ wird.

    In Europa gibt es aktuell 36 LNG-Terminals, die im Durchschnitt allerdings nur zu weniger als 30 Prozent ausgelastet sind. Über die stark vernetzte europäische Gasinfrastruktur kann beispielsweise LNG, das in den Niederlanden anlandet, auch seinen Weg nach Deutschland finden.

    Wozu also ein eigenes Terminal bauen? „Ich bin sicher, dass das LNG-Geschäft nach der Corona-Pandemie wieder anspringen wird. Das hängt stark mit Umweltauflagen zusammen“, sagt Brackmann. „Durch den Einsatz von LNG lassen sich nicht nur die CO2-Emissionen von Schiffen deutlich reduzieren, auch die Feinstaub-Emissionen werden auf null zurückgefahren, die NOx-Emissionen reduzieren sich um 80 Prozent, die Schwefelemissionen entfallen ganz“, sagt der Maritime Koordinator.

    Selbst wenn das LNG also auf dem Markt allgemein derzeit schlechte Chancen hat, wird es speziell für die Schifffahrt wachsende Bedeutung haben. Das wiederum könnte für den Betrieb von LNG-Terminals entscheidend sein.

    Olaf Lies, niedersächsischer Umweltminister, verweist auf einen weiteren strategischen Vorteil eines LNG-Terminals. „Über ein LNG-Terminal kann nicht nur fossiles Erdgas, sondern auch synthetisches Methan auf Basis von grünem Wasserstoff importiert werden.

    Ich gehe fest davon aus, dass sich in den nächsten Jahrzehnten ein globaler Markt für grüne Gase entwickeln wird“, sagte Lies dem Handelsblatt. Mit LNG-Terminals wäre Deutschland „unmittelbar an diesen Zukunftsmarkt angeschlossen“, sagte der SPD-Politiker. Er werde sich daher weiter für den Bau des LNG-Terminals in Wilhelmshaven einsetzen.

    Mehr: Bundesregierung erleichtert den Bau von LNG-Terminals

    Startseite
    Mehr zu: Energieversorgung - Entwicklung der Gasmärkte belastet deutsche LNG-Projekte
    4 Kommentare zu "Energieversorgung: Entwicklung der Gasmärkte belastet deutsche LNG-Projekte"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Die Lösung liegt doch auf der Hand - keine LNG-Projekte.
      Ob die Amerikaner das gut finden oder nicht sollte uns egal sein.
      Sie können es ja anders machen. Außerdem importieren sie für viele Milliarden selber russisches Öl und Gas und haben ein Handelsdefizit gegenüber Russland in der Größenordnung von 18 Mrd. €.
      Diese Doppelmoral sollten wir - auch als Europäer - nicht hinnehmen.
      Frau v.d.Leyen & Co sollten sich weitgehend aus diesen Entscheidungen heraushalten, denn sie haben in der Vergangenheit nicht gerade durch wirtschaftlichen Sachverstand und Kostenbewusstsein geglänzt.
      Ob amerikanische Soldaten dann aus Deutschland und nach Polen verlegt werden kann uns egal sein.
      Ein Großteil ihrer internationalen militärischen Aktivitäten funktionierte nicht ohne die Infrastruktur deutscher Standorte.
      Im Rahmen der Beendigung des kalten Krieges gab es mal eine Idee, einen Wirtschaftsraum von Lissabon bis Wladiwostok zu schaffen. War und ist keine schlechte Idee.
      Für meinen Geschmack sind die Amerikaner als Freunde und Verbündete zu unberechenbar.

      Europa hat starkes wirtschaftliches Potential mit den über 500 Millionen Konsumenten und den starken Unternehmen.
      Es schadet der europäischen Sache, wenn die Grundlagenverträge (wie Schengen, Maastricht, u.a.) auch nach Jahrzehnten nicht umgesetzt werden und wir uns dadurch selber im Wege stehen.
      Schade, dass lange Zeit die EU als Versorgungsposten zweit- oder drittklassigen Poliker:innen herhalten musste.
      Da hat sich soviel auch aktuell nicht zum Guten getan.
      Durch den undemokratischen Aufbau der EU mit dem Einstimmigkeitsprinzip in wichtigen Sachen ist es eine einzige Kungelwirtschaft in Brüssel. Nur so ist auch Frau v.d.L. zu ihrem Posten gekommen.
      Es ist einfach nur schade für die europäische Idee.

    • Die Bundesregierung hatte den USA in Aussicht gestellt, dafür zu sorgen, dass sich in Deutschland eine eigene LNG-Infrastruktur entwickelt. Bislang gibt es kein LNG-Terminal in Deutschland.

      Das sollte nach den feindseligen Angriffen der USA auf Nord Stream 2 auch so bleiben.

      LNG ist umweltschädlich in der Gewinnung und Transport sowie zu teuer. Warum sollen wir eine nur der USA nutzenden LNG-Infrastruktur erstellen.
      Verabschieden wir freudig nicht nur die 9500 US-soldaten die Trump aus Deutschland abziehen will, sondern alle 27000 US-Soldaten. Die USA sind der Feind in Deutschland und Feinde läßt man nicht in sein Land.

    • LNG ist ein weiteres Thema, bei welchem die Bundesregierung komplett versagt hat, denn die hohen Ausgaben für die LNG-Terminals sind zum Fenster rausgeworfenes Geld. Die US-Fracking-Industrie hat noch nie Geld verdient und ist letztlich ein Schneeballsystem zu Lasten der finanzierenden Aktionäre und Kreditgeber, die Milliarden abschreiben müssen. Derzeit sinkt die Förderung rapide und ein nachhaltiger Export von US-LNG ist gar nicht möglich. Für die Verbraucher in Europa, ohnehin durch extrem hohe Energiekosten gepeinigt, ist US-LNG viel zu teuer im Verhältnis zu russischem Pipeline-Gas. Realistisch betrachtet wird es um 200-300% teurer sein, wenn man den Preis für den Endverbraucher zugrunde legt.

    • Diese Infrastruktur sollte zu 100 % von den privaten Energie-Lieferanten finanziert und
      betriegen werden. Die wissen es am besten - eine Wettbewerbsverzerrung durch oeffentliche
      Hilfen geht immer zulasten des Verbrauchers. Wir haben den teuersten Strom in Europa und
      sollten nicht auch noch das teuerste Gas haben.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%