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Bohrinseln im niederländischen Teil der Nordsee

Deutschlands Nachbarland will die Gasförderung vor den Küsten steigern.

(Foto: picture-alliance / dpa)

Energieversorgung Niederländer wollen Gasförderung steigern und fordern das auch von Deutschland

Die niederländische Regierung will Unternehmen unterstützen, die in der Nordsee Erdgas fördern. Die Deutschen sperren sich – noch. Nun ist die Ampelkoalition gefragt.
07.04.2022 - 13:11 Uhr 3 Kommentare

Rob Jetten, Energieminister der Niederlande, kündigt eine Steigerung der Erdgasförderung in der Nordsee an und wünscht sich von Deutschland, diesem Vorbild zu folgen. Damit erhöht er den Druck auf die Berliner Ampelkoalition, neue Förderprojekte in der Nordsee zu akzeptieren. „Wir unterstützten Unternehmen, die in der Nordsee Gas fördern wollen. Wir wollen diesen Prozess jetzt beschleunigen“, sagte Jetten dem Handelsblatt.

„In einer idealen Welt würden wir keine neuen Gasfelder in der Nordsee erschließen. Aber die Situation macht dies notwendig“, sagte er. „Leider haben wir in dieser Frage noch keine Einigung mit unseren deutschen Partnern erzielt“, so Jetten, der sich zu Wochenbeginn in Berlin mit Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) getroffen hatte.

Die Niederlande und Deutschland streiten seit Monaten darüber, ob die Gasförderung in der Nordsee ausgeweitet werden soll oder nicht. Dabei ist das Vorhaben des niederländischen Unternehmens One-Dyas zum Präzedenzfall geworden.

One-Dyas will im deutsch-niederländischen Grenzgebiet der Nordsee ein Gasfeld erschließen, dessen Volumen auf 60 Milliarden Kubikmeter geschätzt wird. Der Wert entspricht exakt der Gasmenge, die im vergangenen Jahr durch die Ostseepipeline Nord Stream 1 von Russland nach Deutschland strömte.

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    Doch während die niederländischen Behörden das Projekt unterstützen, gibt es für die Förderung im deutschen Teil der Nordsee noch keine Genehmigung. Zuständig ist das niedersächsische Landesbergamt.

    Niedersachsens Landesregierung und der niedersächsische Landtag haben das Vorhaben bislang abgelehnt. Seit Beginn des Ukrainekriegs findet jedoch ein Umdenken statt: Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil sagte zu Wochenbeginn, wenn der Umweltschutz gesichert sei, könne das Vorhaben realisiert werden.

    Für die Erdgasförderung im deutschen Teil der Nordsee gibt es bisher noch keine Genehmigung. Quelle: dpa
    Insel Borkum

    Für die Erdgasförderung im deutschen Teil der Nordsee gibt es bisher noch keine Genehmigung.

    (Foto: dpa)

    Allerdings gibt es eine große Hürde: Die Berliner Ampelkoalitionäre hatten sich in ihrem Koalitionsvertrag auf ein Verbot neuer Explorationsvorhaben in der Nordsee verständigt. Unter dem Vorzeichen der Gasknappheit könnte die Koalition jedoch gezwungen sein, sich von dieser Festlegung zu verabschieden. FDP-Politiker fordern das schon länger.

    Erst diese Woche hatte FDP-Chef Christian Lindner gesagt, die Festlegung aus dem Koalitionsvertrag sei „aus der Zeit gefallen“. In Anbetracht des Ukrainekriegs und der dadurch ausgelösten Energiekrise müsse Deutschland „umdenken und umlenken“. Doch die Grünen sperren sich.

    Gasförderung auf dem niederländischen Festland stößt an Grenzen

    Während die Niederländer die Förderpotenziale in der Nordsee ausschöpfen wollen, stößt die Gasförderung auf dem niederländischen Festland an Grenzen. „Letzten Freitag gab es ein weiteres Erdbeben in Groningen. Dies unterstreicht, dass wir das Gasfeld schließen müssen“, sagte Minister Jetten.

    Der Minister unterstützt Projekte zur Förderung von Gas in der Nordsee. Quelle: IMAGO/ANP
    Rob Jetten

    Der Minister unterstützt Projekte zur Förderung von Gas in der Nordsee.

    (Foto: IMAGO/ANP)

    Das Gasfeld in Groningen ist das größte Gasfeld Europas. Doch seit Jahren gibt es in der Region Groningen massive Probleme mit Erdbeben, die auf die Gasförderung zurückgeführt werden. Es ist daher beschlossene Sache, die Förderung möglichst schnell einzustellen.

    Forderungen von deutscher Seite, die Förderung in Groningen fortzusetzen und sogar noch zu erhöhen, wurden in den Niederlanden mit großer Verwunderung aufgenommen. Die Deutschen wollten selbst am liebsten gar kein Gas fördern und den Niederländern die mit der Gasförderung verbundenen Probleme aufbürden, so lautete die Kritik.

    Millionen Verbraucherinnen und Verbraucher aus Deutschland werden im Moment noch mit Gas aus dem Groninger Feld versorgt. Die Niederlande sind nach Russland und Norwegen Deutschlands drittwichtigster Erdgaslieferant. Doch damit ist es bald vorbei.

    Zieldatum für die Schließung des Erdgasfeldes Groningen sei 2023, sagte Jetten. „Das ist natürlich ein Dilemma. Wir wollen kein russisches Gas mehr, aber wir wollen auch unsere eigene Produktion in Groningen beenden“, sagte er.

    Die Niederlande decken 15 Prozent ihres Gasbedarfs mit Gas aus Russland. Damit sind sie weit weniger von russischem Gas abhängig als Deutschland. In Deutschland lag der Wert 2021 bei 55 Prozent, er konnte nach Angaben von Wirtschaftsminister Habeck zwischenzeitlich auf 40 Prozent reduziert werden.

    Es sei für die Niederlande „relativ einfach, vollständig aus dem russischen Gas auszusteigen“, sagte Jetten. „Aber wir sehen natürlich, dass die Situation für Deutschland und einige andere Länder völlig anders ist“, sagte er.

    Millionen Verbraucherinnen und Verbraucher aus Deutschland werden im Moment noch mit Gas aus dem Groninger Feld in den Niederlanden versorgt. Quelle: Reuters
    Gasproduktion in Groningen

    Millionen Verbraucherinnen und Verbraucher aus Deutschland werden im Moment noch mit Gas aus dem Groninger Feld in den Niederlanden versorgt.

    (Foto: Reuters)

    Daher warnt er davor, kurzfristig auf russisches Gas zu verzichten: „Ein vollständiges Embargo ist sicherlich nicht der richtige Schritt“, sagte Jetten. „Statt eines pauschalen Energieembargos sollten wir Kohle, Gas und Öl differenziert betrachten. Ich bin überzeugt, dass ein schnelles Embargo auf alle drei Energieträger große Risiken birgt“, sagte er.

    Damit stützt Jetten den Kurs von Bundeskanzler Olaf Scholz und Wirtschaftsminister Habeck. Die EU-Kommission hatte am Dienstag ihre Pläne für ein Embargo russischer Kohle vorgestellt. Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hatte gesagt, auch ein Ölembargo sei nicht auszuschließen.

    Mehr: Das sind die Tücken eines Ölembargos

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    3 Kommentare zu "Energieversorgung: Niederländer wollen Gasförderung steigern und fordern das auch von Deutschland"

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    • Russlands Präsident finanziert seinen schmutzigen Krieg mit fossilen Energien... für eine gerechtere und friedlichere Zukunft wird die neue Ära der Energienutzung durch Neutrino-Technologie beitragen, denn sie kann weltweit genutzt werden. Sie ist eine der wichtigsten Schlüsseltechnologien und funktioniert günstig, sauber, mobil und dezentral. Es sind selbstladende Power Cubes mit der Neutrinovoltaic, sie bieten enormem Fortschritt - eine Grundlastfähige Energienutzung 24h x 365Tage, was Wind- und Solarenergie nicht bieten können, da sie nicht kontinuierlich vorhanden sind. Wussten Sie, dass selbst die Stanford University in einem Report zu Innovativsten Technologien für 2022 über die Neutrinovoltaic berichten? Ich sah zuletzt im Berlin TV Nahaufnahme einen Bericht zum diesemThema über das neueröffnete Institut der Berliner Neutrino-Energy Group. China, Indien und UK gehen bereits für diese Alternative mit der Neutrinovoltaic in Planung und haben Budgets in Milliardenhöhe zugesichert. Deutsche Investitionen werden hier erwartet. Die Politik muss Steuern, damit die Wirtschaft besser Rudern kann...

    • Auch die Verhinderung eines Tempolimits durch die FDP und vor allem Herrn Lindner schein mit aus der Zeit gefallen.

    • Liebe die nationale Strategie für Wasserstoff ausbauen und den Holländern das Erdgas überlassen. Wir müssen die Wasserstofftechnologie zum Laufen kriegen.

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